Mein tägliches Viech 2021: 27.- 31. Dezember 2021 & Fazit

  • Der Vesperus kann zumindest mit etwas Sicherheit als Vesperus cf. xatarti eingeordnet werden.


    Die Ameisen der Gattung Messor sind ausgesprochen schwer zu bestimmen, aber keine Gattung ohne Ausnahme. Meines Wissens sind die Tiere mit dem dicken, roten Bunmskopf der Messor barbarus zuzuordnen. ;)


    Und mein Kommentar: Vesperus cf. xatarti sehr geil, Messor barbarus sehr geil, Chrysolina bankii zumindest ziemlich geil und den Steinkauz finde ich auch sehr geil. :)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Liebe Susanne,

    dass dein Ausflug mit Regen verbunden war und du insgesamt ziemlich enttäuscht warst, tut mir echt leid. Aber du hast doch einige sehr schicke Arten in der Woche gefunden. Ich habe jetzt nicht mitnotiert und müsste zurückblättern, dazu habe ich jetzt keine Zeit mehr. Aber der neue Spanner und die Menophra sind doch schon mal schicke Tiere. Der Bockkäfer mit dem schlanken Kopf ist offenbar auch ein Freufund, so begeistert wie Klaas ist. Interessant finde ich deine Anmerkung zum Ohrenkneifer, ja so heißen die auf deutsch. Da sind offenbar auch schon wieder die Splitter (Artentrenner) unterwegs, das habe ich bisher noch nicht gewusst. Da ist ja auf nix mehr Verlass. Ausgesprochen schön finde ich den Steinkauz. Bin gespannt, ob du diese Woche wieder dein tägliches Viech findest. Ich würde es dir gönnen!

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Lieber Klaas Reißmann , kannst du mir ein bisschen mehr zu Vesperus erzählen? Irgendwie finde ich im Netz nichts. Wie viele Arten gibt es (hier) überhaupt? Und was weiß man zur Lebensweise? Ich gehe jedenfalls jetzt immer den Umweg zum Bach, wo ich den einen an der Mauer neben der Brücke gefunden habe. Vielleicht habe ich nochmal Glück. (Mit Döschen!)


    Liebe Sabine Flechtmann , nein, geregnet hat es nicht, das Wetter war wirklich optimal, so warm, dass ich die Jacke aufmachen musste; ich schätze auf jeden Fall zweistellige Temperaturen. Umso enttäuschender das nix los war!

    Hier ist der Link zum Forficula-Artikel (in Englisch): Speciation Patterns in the Forficula auricularia species complex...

  • In Europa 14 Arten. Davon acht in Spanien (siehe Aufstellung), zwei nur aus Portugal gemeldet (aber wer weiß ;) ) und eine nur von den Balearen.


    Vesperus aragonicus

    (Vesperus bolivari - Portugal)

    Vesperus brevicollis

    Vesperus conicicollis

    Vesperus fuentei

    Vesperus jertensis

    Vesperus joanivivesi

    (Vesperus nigellus - Balearen)

    Vesperus sanzi

    (Vesperus serranoi - Portugal)

    Vesperus xatarti


    Männchen und Weibchen lassen sich sehr gut unterscheiden, da die Männchen deutlich schlanker sind, mit gut ausgebildeten Flügeln (Alae) und Deckflügeln (Elytren), während die Weibchen keine Flügel und nur stummelförmige Deckflügel haben. Die Ausbreitungsmöglichkeiten sind also, da die Weibchen nicht flugfähig sind, extrem beschränkt. Erschwert wird das ganze noch dadurch, dass die Weibchen aus dem Boden kommen, sich möglichst schnell paaren und nach der Paarung direkt wieder im Boden verschwinden, also maximal vorher rumkriechen, aber nachher kaum noch. In der Regel sind die Arten dämmerungs- und nachtaktiv. Ausnahmen bestätigen die Regel. Tagsüber kann man sie, mit etwas Glück, aber auch unter Steinen, liegendem Holz u.ä. finden. Die Männchen zumindest einiger Arten werden von Licht angelockt. Die Larven leben im Boden und fressen an Pflanzenwurzeln. Von Vesperus strepens weiß man, dass die Art polyphag ist und an allem möglichen frisst und dabei auch Schäden anrichten kann (z.B. auf Kartoffelfeldern, Tomaten und weiteren), Die Larven von Vesperus luridus hingegen fressen an holzigen Wurzeln, z.B. Weinreben, aber auch anderen. Vesperus xatarti wird angegeben mit "tagsüber unter Steinen und Pflanzenresten (z.B. Kompost), auch in Wurzelnischen der Bäume." Die Larve soll an Weinreben und Zürgelbaum (Celtis australis) fressen. Vesperus brevicollis an Wurzeln der Weinreben.


    Das ist alles, was ich auf die Schnelle finden konnte.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Irgendwie verstehe ich nicht, wie sich Arten mit flugunfähigen Weibchen überhaupt verbreiten. Da gibt es dann eine Population um einen Zürgelbaum und das wars - ausser die stehen wirklich dicht an dicht.

    Genauso Frostspanner, Ocnogyna boeticum etc., das scheint ja doch eine erfolgreiche Strategie zu sein. Wo ist denn da mein Denkfehler??

  • Schwer zu sagen. Bei Frostspannern erfolgt die Verbreitung meist durch die Larve, die sich an ihren Fäden einfach vom Baum hängen lassen und durch den Wind dann verdriftet werden. Methocha ichneumonides, die im weiblichen Geschlecht flügellose Hymenoptera, die Sandlaufkäferlarven parasitiert, wird wohl zur Paarung vom Männchen ergriffen und weg geschleppt und ganz woanders wieder abgesetzt. Was die Vesperus-Arten machen, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber die Männchen werden die sehr schweren Weibchen sicherlich nicht weg schleppen und auch die Weibchen werden kau, großartig zu Fuß Ausbreitungstendenzen haben. Flügellosigkeit ist von vielen Laufkäfern bekannt. Auf der anderen Seite hat man bei Dyschirius (ich glaube thoracicus war es), festgestellt, dass es sowohl Tiere mit, als auch welche ohne Flügel gibt und die flugfähigen Tiere für die Ausbreitung sorgen. Ebenso können Flüsse Tiere als Treibgut mitnehmen und ganz woanders aussetzen. Schau Dir mal an, wenn ein Fluss bei Dir mal ungewöhnlich viel Wasser führen sollte, also Hochwasser hat, wieviel Käfer und andere Insekten da auf dem Treibgut sitzen. Wir finden am Rhein bei Hochwasser auf Treibholz, schwimmendem Müll, schwimmenden Pflanzenteilen und allem, was der Rhein dann mit sich reißt, problemlos tausende und abertausende Käfer. Wenn ich da 10 Stunden lang einfach jeden Käfer mitnehmen würde, den ich sehe, würde ich am Ende wohl mit hunderttausenden Käfern nach hause gehen.


    Oft ist das aber auch eine Anpassung, bei der einfach die Flügel unnötig sind und der Verlust der nutzlosen Flügel Energieersparnis bedeutet. Dabei darfst Du natürlich nicht vergessen, dass der Mensch als großer Zerstörer von Biotopen in diese Planung nicht mit einbezogen wird. Die Flügellosigkeit an sich macht schon Sinn. Nur der Mensch und sein Verhalten führen alles ad absurdum.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Gratulation zu dieser Woche, die Du mit Hartnäckigkeit geschafft hast!

    Mein persönliches Highlight sind die Ameisen, Messor sp. Aber auch die Heckenbraunelle und der am Boden sitzende Falter haben es mir angetan.

    Sind die Ameisen bei Euch 12 Monate im Jahr unterwegs? Oder halten sie doch evtl. 1 - 3 Monate Winterruhe, wenn es ihnen zu kühl wird?

    Ein Falter auf dem Boden, das ist eher untypisch, oder?

    Dein Streifzug durch Málaga war für mich interessant, vermittelt es doch ein Flair, was wir hier nicht haben. Aber auf die Menschenmassen und die alkoholsierten Jugendlichen (es ist doch überall gleich...), hätte ich auch verzichten können.

    Die Bilder im Museum hätten mir auch gefallen.

    Eine Wanderratte kann schwimmen, springen, laufen und klettern! Da muss man ja Sorge haben, dass sie einen auch zu Hause besuchen kommen...!

    Dein Forficula sp. sieht ein wenig anders aus, als die, die ich von hier kenne. "Unsere" sind etwas schlanker und sehen farblich etwas anders aus. Den hier habe ich vorgestern an der Hauswand entdeckt.



    Ich habe gerade nachgeschaut (ich kenne sie auch wahlweise unter dem Namen "Ohrenpietscher" - da haben wir wieder die verfllixten deutschen Namen! Denn je nach Region gibt es noch mehr kreative Namen). Sie wurden früher, puversisiert (!) gegen Ohrkrankheiten und Taubheit gegeben. Ob es geholfen hat, entzieht sich meiner Kenntniss...

    Die Raupe der Ampfereule ist ausnehmend schön und die Falter mit den fächerförmigen Antennen gefallen mir immer wieder aufs Neue!


    Deinen Exkurs mit Klaas fand ich auch sehr erhellend.


    Viel Glück für die letzten drei Wochen! :thumbup:


    Viele Grüße

    Addi

  • Liebe Susanne,


    eine wiedermal wirklich schöne Woche, auch wenn ich deinen Ärger über die Katze verstehen kann. :arm:

    den letzten Falter (Menophra) finde ich wirklich schön, die Käfer sind für mich natürlich noch etwas spannender. Den Vesperus, weil es sowas nichtmal in Ähnlich gibt bei uns und den Chrysolina bankii, weil ich den (glaube ich) auch in Italien gefunden habe. Den muss ich dir mal noch hier zeigen, aber ich bin da etwas beitragsfaul...

    Zum Steinkauz brauch ich nichts mehr sagen: Jedesmal wieder Glücksgefühle, wenn ich ihn sehe, leider war er mir dieses Jahr nicht vergönnt.


    Hier in Schleswig-Holstein ist nach den ersten Frösten absolut tote Hose. Nichtmal die Frostspanner sind noch da. Einzig ein paar Marienkäfer, Wasservögel und Spinnen sind noch unter Aufwand zu finden. Springschwänze sind auch noch ein paar da. Aber das Artenspektrum schrumpft so rapide wie meine verbliebenen Joker. Das Tauschen, wie du es tust, habe ich mir selbst verboten, ich habe es ja dafür einfacher, weil ich nicht alles fotografieren muss, damit es gilt. Bloß eine Woche rückläufig ist das noch erlaubt und wenn eine noch ausstehende Bestimmung nachträglich rein kommt.

    Von Springschwänzen habe ich bei dir noch nichts gesehen, die müsstet ihr doch auch haben, oder? Wären die nicht noch eine Gute Artenquelle für die harte Zeit im Dezember? Ich bin hier grad auch nochmal unsicher, ob das bis zum Ende des Jahres klappt. Mal schauen und Daumen drücken. ;)

    Beste Grüße,
    Stefan


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    Lifelist:
    Vögel:
    - Deutschland: 262, Grauspecht

    - Welt (2022): 280 (55), Haubenlerche (Tafelente)

    - (Garten): 108, Bergfink
    Sonstige Wirbeltiere: 69, Brandbrasse

    Wirbellose, nur extern bestätigte Lebendfunde: 1.160, Dorytomus dejeani (Pappel-Kätzchenrüssler)

  • Lieber Stefan,

    immer schön von dir zu lesen. :)

    Springschwänze habe ich mit Bewusstsein hier noch nicht gesehen...

    Gestern war ein tolle Nacht, bedeckt und warm - ein Thermometer einer Apotheke zeigte 12°! - ich bin immer noch am Bestimmen, bzw. in die entsprechenden Foren zur Bestimmung einstellen ;) Aber mehr als ein Viech pro Tag gilt ja nicht. Heute ist es regnerisch... vielleicht ist mal wieder ein Schneckchen dran.

    Im Moment habe ich mal wieder ein ganz gutes Gefühl es zu schaffen. Ich drücke dir die Daumen! :arm:

  • Allerdings sind die frisch schön grün (-> Lepiforum).

    Leider scheinen alle grünen Nachtfalter recht schnell zu verblassen.Aber bei einem Erstfund kann man das echt verschmerzen.

    waren Ohrenkneifer (heißen die wirklich so??)

    Die scheinen recht viele Namen zu haben,bei mir hier nennt man sie Ohrenkriecher! :)


    Und damit Viech des Tages: Menophra japygiaria

    Für mich Viehch der Woche!

    Ist der schön. :love:


    Viel Erfolg für die kommenden Tage,ich bin sehr zuversichtlich!

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Leider scheinen alle grünen Nachtfalter recht schnell zu verblassen.Aber bei einem Erstfund kann man das echt verschmerzen.

    Bloß leider erkenne ich ihn dann überhaupt nicht. Ich war bei Scopula oder Idaea... :33:Zum Glück kenne ich Leute, die sich auskennen.


    An alle: Gestern Abend hatte ich einen nette Begegnung. Ein Pärchen mit zwei Schäferhunden treffe ich häufiger auf meiner abendlichen Runde. Man grüßt sich und sie wundern sich wahrscheinlich, was ich nachts ohne Hund treibe. Als ich gestern auf meinem Tritthocker stand und die Wand fotografierte (ja, ich habe mir den kleinsten, leichtesten, billigsten Tritthocker von ca. 20 cm Höhe gekauft und habe gestern Mittag auch schon einen schönen Erfolg damit gehabt - auch wenn ich mir ein bisschen blöd vorkomme), musste ich mich outen "ich fotografiere Motten" - "Ach, wieso?" "Na ja, ich bin Biologin und habe einen Freund, der macht eine Studie über die Nachtfalter von Málaga und ich helfe ihm ein bisschen. Ist schon toll, was man alles so findet." Er scrollt in seinem Handy: "Meinst du sowas?" und zeigt mir eine Raupe vom Totenkopfschwärmer. (*Neid*, den habe ich hier noch nicht gesehen). "Ja, genau! Kennst du das Schweigen der Lämmer?" Die Freundin schaltet sich ein: "Den Film?" "Ja, auf dem Titel ist doch eine große Motte, die wird aus dieser Raupe" Er scrollt weiter und hält mir ein Video unter die Nase. "Siehst du wie die Augen leuchten?" Viel sehe ich nicht, aber doch, mehrere Falter auf Steinen... - Schnappatmung - womöglich ist das so eine Massenansammlung von Mormo maura?! "Ist hier ganz in der Nähe" Dann sehe ich, dass das Video Juli anzeigt "Ach, das war im Juli, dann sieht man die jetzt nicht mehr" "Ach, nicht?"... Ich habe dann ein bisschen erzählt, dass die meisten Falter gar nicht lange leben und man jetzt ganz andere Arten sieht als im Sommer. Er verabschiedet sich mit "wir sprechen uns". Wenn ich ihn wieder treffe, muss ich ihn fragen, ob er mir das Video schicken kann und wo das war.

  • Leider scheinen alle grünen Nachtfalter recht schnell zu verblassen.Aber bei einem Erstfund kann man das echt verschmerzen.

    Ich nehme an, dass damit Sammlungsexemplare gemeint sind!? In dem Fall gilt:


    1. vor Sonnenlicht und Neonlicht schützen, da diese die Farben zerstören. Im Kasten im Schrank bleibt die Farbe lange erhalten. Nicht 100% so brillant, wie sie in der Natur sind, aber weitestgehend. Man muss bedenken, dass bei den Farbpigmenten grün und rot sehr instabil sind und schnell geschädigt werden.


    2. Hinzu kommt bei den grünen Tieren, dass man vermeiden muss, dass sie feucht werden. Ein Geometra papilionaria frisch gefangen, der in einem Behältnis mit hoher Luftfeuchtigkeit sitzt oder direkten Kontakt mit Feuchtigkeit hat, wird sehr schnell ockergelb.


    Zu den Vesperus, wegen Bestimmung, sollte der folgende Link helfen:


    Vesperus Bestimmungstabelle (coleonet.de)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • "Siehst du wie die Augen leuchten?" Viel sehe ich nicht, aber doch, mehrere Falter auf Steinen... - Schnappatmung - womöglich ist das so eine Massenansammlung von Mormo maura?! "Ist hier ganz in der Nähe" Dann sehe ich, dass das Video Juli anzeigt "

    Das ist eine sehr spannende Geschichte.Bei mir hier fliegen die Schwarzen Ordensbänder so gegen Ende Juli bis Ende August.Meist in direkter Wassernähe.Die größte Entfernung,in der ich noch welche gefunden habe,war deutlich unter 100m.

    Die manchmal beschriebenen Massenansammlungen tagsüber z.B. unter Brücken,konnte ich bis jetzt noch nicht entdecken.

    Mormo maura - LepiWiki

    Und ja,die Augen von Mormo maura leuchten. :)



    Allerdings auch die Augen vieler anderer Nachtfalterarten.

    Hoffentlich triffst den Mann wieder,es wäre schon sehr interessant zu wissen,was er da fotografiert hat.

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






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