Posts by Klaas Reißmann

    Ich erspare mir und Dir einen Kommentar zum Hausbesitzer. Ansonsten kann ich Dir versichern, dass mich grundsätzlich nicht interessiert, ob Du in Naturschutzgebiete gehst, um Harmonia axyridis zu killen, oder ob Du sie überhaupt killst. Das bleibt jedem selbst überlassen. Ich werte es nicht, ich sage nur, ob es aus meiner Sicht sinnvoll ist oder nicht. Wie gesagt..., Rhone mit der Gabel auslöffeln. ;) :79:

    Vielleicht doch diese Anregung zum Hausbesitzer: wenn bei ihm auf dem Tisch Mais oder Kartoffeln landen, dann kann man ihn ja mal fragen, warum er sich dieser Neobiotika bedient und andere nicht haben will. ;)

    Liebe Grüße

    Klaas

    Es kann zumindest möglich sein, dass die Bestimmung stimmt. Ich kenne mich aber mit den Tenebrionidae in Ägypten nicht aus und weiß ergo nicht, ob es Verwechslungsarten aus derselben Gattung oder möglicherweise aus einer anderen Gattung gibt. Spezialist für Tenebrioniden ist in Deutschland Dr. Wolfgang Schawaller. Dem würde ich auch zutrauen, da auch große Kenntnisse im Bereich der afrikanischen Tenebrionidae, dass der genaueres dazu sagen kann. Zum einen dürfte der aber genug Arbeit haben, dass er wohl keine Zeit dafür hätte, zum anderen geht es ihm meines Wissens derzeit nicht so gut.

    Edit: Bezogen auf Deine Anfrage hier im Forum gilt aber "Versuch macht kluch!". Es kann auch mal der glückliche Umstand dabei sein, dass Du ein Tier fotografiert hast, dass ich aus unterschiedlichsten Gründen bestimmen kann.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Meine Empfehlung wäre, sich ein kanadisches Forum zu suchen. Die Kanadier kennen ihre Natur und können vermutlich sicher bestimmen, wo wir nur dunkel im luftleeren Raum rumstochern. Umgekehrt ist es nicht anders. Die Kanadier werden zu europäischen Arten nichts sagen können, wenn nicht zufällig ein Spezialist im Forum tätig ist, der sich z.B. mit den Bläulingen weltweit beschäftigt. Vermutlich aber eher nicht, weil 5.000 bis 6.000 Arten weltweit einfach zu viel ist, um hier einen brauchbaren Überblick zu haben. Da wäre wahrscheinlicher, dass sich ein Spezialist mit einer eng umgrenzten Gruppe innerhalb der Familie beschäftigt und diese weltweit beherrscht (weil z.B. nur wenige hundert Arten) und man zufällig einen Falter aus dieser Gruppe erwischt hat. Dann klappt das. Wahrscheinlichkeit geht aber gegen 0.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Es sind Wahrheiten dabei und einfach Dinge, über die man eigentlich nur kurz nachzudenken braucht, um zu erkennen, dass das Nonsens ist. Ja, die Käfer können den Wein "verderben". Ich weiß nicht, in welchem Maße, denn bewusst habe ich noch keinen Vergleich gemacht. Aber auf der anderen Seite bin ich kein großer Weintrinker (bzw. Alkohol allgemein nicht - mit dem, was ich in meinem Leben getrunken habe, kannst Du keine Party feiern) und ein großer Weinkenner schon gar nicht. ABER..., dass es reicht, wenn ein Käfer auf den Trauben gesessen hat, schließe ich aus. Wenn dem so wäre, gäbe es nur noch Wein mit Harmonia-Beigeschmack. Was richtig ist, ist die Tatsache, dass wenn ein Käfer in die Ernte rein gerät und mit den Weintrauben gepresst wird, dann wird auch alles aus dem Käfer raus gepresst. Und das kann definitiv etliche Liter Wein verderben. Und da reden wir nicht nur von 10 Liter o.ä., sondern die Angaben, die ich kenne, klaffen zwischen 100 und 1.000 L pro Käfer. Demnach würde also ein Käfer reichen, um bis zu 1.000 L Wein zu verderben.

    Das Töten der Käfer und Larven, die man findet, ist völlig sinnlos. Ich denke hier an die Zeit, als sie gerade nach Deutschland rein gekommen sind. Es gibt aus den ersten Jahren Bilder von Gebäuden, an deren Wänden sich im Herbst abertausende Käfer versammelt haben. Solche Bilder gehören der Vergangenheit an. Ich ahbe grob geschätzt seit etwa 20 Jahren aus Deutschland kein aktuelles Bild mehr gesehen, auf dem sich ungewöhnliche Massen dieser Käfer an Hauswänden versammelt hätten. Das ist darauf zurück zu führen, dass Parasitoide, allen voran Nematoden, hier ein sehr intensives Werk tätigen und für eine sehr hohe Mortalität unter allen Entwicklungsständen dieser Art sorgen. Parasiten, Parasitoide, Fressfeinde und Krankheiten sind sehr viel besser in der Lage das Heer der Käfer in Zaum zu halten, als es der Mensch auf irgendeine erdenkliche Weise könnte. Wenn Du in ein Biotop gehst, dort, sagen wir mal, 100 Käfer, Larven, Puppen oder Eier findest und zerdrückst, steht dem gegenüber in flugweite der Fundpunkte ein Heer in einer Anzahl, die wenigstens sechsstellig sein dürfte, wenn nicht ins siebenstellige geht. Also 100.000 bis 1.000.000. Welche Auswirkung wird es wohl haben, wenn man von 100.000 Tieren 100 tötet? Ich würde sagen, das kannst Du Dir selbst denken. Hier ist der Wunsch der Vater des Gedanken. Aber mit einer realistischen Einschätzung hat das ganze nichts zu tun.

    Und zu Popillia japonica muss man nicht viel sagen. Es ist immer wieder die gleiche Vorgehensweise der Behörden zu beobachten. Vergiss es. Die Art ist eingeschleppt worden und kommt mit dem hiesigen Klima zurecht. Sie wird früher oder später in der gesamten Schweiz vorkommen. Das kann man nicht verhindern. Genau so wenig, wie man verhindern kann, dass sie über die Schweiz und andere angrenzende Länder nach Deutschland kommen werden. Die Tiere werden als meldepflichtig deklariert. Jeder, der einen Käfer sieht, muss ihn den Behörden melden. Die rücken dann aus und machen was? Graben sie den gesamten Boden um auf tausenden von Hektar und suchen Larven und Eier? Oder was machen sie. Sie werden es nicht schaffen den Käfer zu bekämpfen. Die Larven entwickeln sich an Wurzeln von Gräsern. Jede noch so kleine Furzfläche kann Entwicklungsstandort sein. Ich nehme mal an, dass Eure Behörden (genau so wie unsere (vertrottelten) Behörden) glauben, sie könnten was dagegen tun. Sie haben keine Chance. Ich verspreche Dir nackig in die Hand, dass die Käfer sich ausbreiten werden. Und unsere Natur wird auf sie reagieren und sie fressen, parasitieren und was sonst noch möglich ist. Die Menge der Käfer wird sich auf ein vernünftiges Maß einpendeln und gut ist. Welchen Schaden verursachen sie denn? So wie es ständig vom Asiatischen Laubholzzangenbock postuliert wird? Sie machen alle Bäume kaputt, auch die gesunden? Und dabei wird dann ein Straßenbaum in der Stadt, der unter Wassermangel, Nahrungsmangel, Bodenverdichtung, Tunnelschnitt, Abgasberieselung und, und, und leidet, als kerngesund bezeichnet? Die ticken alle nicht mehr ganz sauber. Wenn sie dergleichen wirklich verhindern wollten, dann würden sie ihren Rest Grütze, den sie noch nicht mit hirnlosen Ideen vernebelt haben, zusammen packen und dafür sorgen, dass Importe entsprechend restriktiv behandelt werden. Soll heißen strenge Auflagen für den Import von Waren aus Übersee, ausnahmslos Quarantäne und Begasung von Transportbehältern und Quarantäneräumen. Dann hätten sie wirklich was effektives getan. Das was unsere Behörden machen, sind nur Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, mit denen belegt werden soll, dass die Leute, die dafür eine Mörderkohle bekommen, auch Sinn machen. Das Gegenteil ist der Fall.

    Lass es mich so sagen: wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, kannst Du es zwar wieder raus holen, aber es wird niemals mehr sagen können, dass es nicht in den Brunnen gefallen ist.

    Liebe Grüße

    Klaas

    10.07h welche Freude - ein Siebenpunkt-Marienkäfer! Sie sind rar geworden im Wallis, auf manchen Wegen, z.B. bei Raron findet man fast ausschliesslich asiatische Marienkäfer mit ganz vielen Punkten und einem Gesicht, in welchem Weiss dominiert. Es sind keine eingewanderten Insekten - oh nein, sie wurden mit Absicht eingeführt, da sie noch bessere Blattlausjäger sein sollen als Mr. SiebenPunkt. Zu spät hat man bemerkt, dass sie den heimischen Marienkäfer (2Punkt und 7Punkt) verdrängen. Da sie den Vögeln nicht schmecken, stehen sie auf niemandes Speiseplan und gehören in kein Beuteschema - darum werden die Import-Käfer immer mehr. In unseren Naturschutzbund heisst es, wenn man die asiatischen Käfer einwandfrei identifizieren kann und sie in einem Naturschutzgebiet sichtet, dann schnell um die Ecke bringen (natürlich ohne zu quälen) - Mr. 7Punkt ereilt dieses Schicksal selbstverständlich nicht.

    Ich weiß nicht, wie alt Deine Informationen zum Harmonia axyridis (Asiatischer Marienkäfer) sind, aber sie sind überholungsbedürftig. ;)

    Der Satz "sie wurden mit Absicht eingeführt", kann leicht missverstanden werden. Er stimmt insofern, dass sie in Holland in den Gewächshäusern eingesetzt wurden, um dort Blattläuse (und andere Schädlinge zu vertilgen. Womit keiner gerechnet hat ist, was ich immer sage: "Nature finds its way!" (Zitat aus Jurassic Park). Die Natur findet ihren Weg und so haben die Käfer ihren Weg aus den Gewächshäusern heraus gefunden. Allerdings hat fast zeitgleich eine Einschleppung mit Transporten im Hamburger Hafen statt gefunden, so dass die Besiedlung Europas wohl von zwei Stellen ausging: Niederlande und + Norddeutschland.

    Sie haben mächtig Land gemacht und als sie bei mir ankamen (2001 oder 2002) war die Befürchtung groß, dass sich nun vieles verändern wird. Anfänglich sah es auch sehr danach aus. Coccinella septempunctata, Adalia bipunctata und Henosepilachna argus machten sich rar. Ich konnte beobachten, wie die Larven und Puppen der vergleichsweise seltenen Henosepilachna an der Zaunrübe am Zaun eines Nachbarn von Harmonia gefressen wurde. Und an der Pflanze, an der ich sonst problemlos Henosepilachna fand, tat sich zwischen ein und zwei Jahre lang nichts mehr. Dann tauchten sie aber wieder alle auf. Coccinella septempunctata ist in etwa so häufig, wie vor dem Einfall von Harmonia axyridis, Adalia bipunctata ließ sich etwas mehr Zeit damit, aber Henosepilachna war dann auch wieder, in der mir bekannten Menge da. Es wurde lange spekuliert, dass Harmonia axyridis alles platt machen würde, weil die Käfer keine natürlichen Feinde bei uns hätten, sehr vermehrungsfreudig sind und ebenso gefräßig. Auch andere Tiere sollten darunter leiden, da Harmonia in seiner Gefräßigkeit auch vor Schmetterlingsraupen und vielem anderen nicht halt machte. Aber die Tiere haben sich zum Teil selbst reduziert (Larven haben die Puppen gefressen, Käfer die Larven und Puppen, zum weiteren Teil wurde dann erforscht und beobachtet, dass Nematoden genau so auf Harmonia axyridis gehen, wie auch auf andere Marienkäfer. Und Parasiten und Parasitoide der heimischen Marienkäfer machten sich ebenso über Larven und Käfer von Harmonia her.

    Harmonia axyridis ist aus unserer Natur nicht mehr wegzudenken. Einen Käfer, den man sieht, zu töten, ist in etwa so, als wolltest Du die Rhone mit der Gabel auslöffeln. Völliger Quatsch, weil der Effekt gleich null ist. Sie sind da, sie werden auch nicht mehr gehen. Sie sind eine der häufigsten, wenn nicht die häufigste Marienkäferart bei uns, aber alle anderen sind genau so gut zu finden, wie vor der Invasion durch Harmonia. Und die alle Jubeljahre auftretenden Massenvermehrungen von Coccinella septempunctata, bei der die Tiere dann zur norddeutschen Küste streben, zu Abermillionen, hat es auch schon wieder gegeben. Also, alles halb so wild und auf keinen Fall so wild, wie uns so mancher Glauben machen will.

    Liebe Grüße

    Klaas

    So umfangreich war das gar nicht. Es gibt noch viele andere Probleme bei der Abgrenzung von Arten. Auch menschliche Ansichten und zum Teil auch Eitelkeiten spielen hier eine Rolle. Siehe z.B. Diachrysia chrysitis, die Messingeule. Für die einen zwei Arten (D. chrysitis und D. tutti), für die anderen ein Komplex, bei dem schwer zu sagen ist, ob es sich um zwei Arten handelt, für weitere sogar drei Arten. Die einen meinen, dass es sich hier um die Entwicklung einer neuen Art handelt, deren Abgrenzung zur anderen noch nicht abgeschlossen ist. Andere meinen, dass es sich um zwei Unterarten handelt, die eiszeitlich getrennt waren und nun auf breiter Front ihre Genetik wieder miteinander vermischen. Und die weitere Meinung ist, dass im östlichsten Bereich der Verbreitung eine dritte Art rumschwirrt.

    Sehr schön hierfür der folgende Wikipedia-Artikel (ich hätte auch nie gedacht, dass ich einen Artikel bei Wikipedia mal gut finden könnte, auch wenn er am Anfang ein wenig humpelt): Messingeule – Wikipedia

    Runter scrollen bis zum Punkt Systematik. Der erleuchtet ganz gut..., oder auch nicht. Je nach dem, wie sehr es einen verwirrt. ;)

    Auf jeden Fall kann man erkennen, dass die Geschichte sehr viel komplexer ist, als das, was ich oben an Beispielen versucht habe zu erklären.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Klaas Reißmann

    Es bestätigt mich in meiner (rein persönlichen) Ansicht, dass der Begriff „Art“ oft als viel zu scharf abgrenzend aufgefasst wird.

    Da liegst Du falsch in Deiner Annahme, dass der Begriff Art scharf abgegrenzt aufgefasst wird. Es haben sich viele Leute an der Definition des Artbegriffes versucht und sind daran gescheitert. Es gibt keine Definition, die den Begriff Art klar umreißt. Der Begriff Art gilt zumindest unter Biologen als nicht definierbar. Einer der Gründe, weshalb sich hier eine Spielwiese der Eitelkeiten auftut und so manch einer sich selbst beweihräuchert und spaltet oder zusammen fasst. Die Regeln des ICZN akzeptieren nur die Benennung einer Art. Die Benennung von Unterarten, oder gar Formen oder Variationen ist über die Regeln der internationalen Nomenklatur nicht geregelt und vor allem nicht anerkannt. Auch wenn wir mit dem Begriff "Unterart" um uns schmeißen und man eben schon sehen muss, dass innerhalb des Verbreitungsgebietes einer Art sowas wie Unterarten vorkommen und beschrieben werden, weil wir ja auch diese nicht vernachlässigen wollen und schon erkennen, dass es innerhalb einer Art Abweichungen von der Norm gibt, die so konstant sind, dass man hier eben von einer Unterart sprechen kann, ohne sich zum Hampelmann zu machen. Insgesamt werden solche Benennungen auch akzeptiert, weil es eben schon Auffälligkeiten innerhalb einer Art geben kann, auch bezogen auf Formen und Variationen.

    Dabei ist die Unterscheidung zwischen Form und Variation klar geregelt. Benennt man eine Variation, ist deren phänotypisches Aussehen genetisch bedingt, während das phänotypische Aussehen einer Form nur auf andere Faktoren zurück zu führen ist. Aber teilweise ist auch hier die Abgrenzung sehr schwer, bis unmöglich. Nehmen wir das Landkärtchen. Jedem, der sich mit dem Thema befasst, sind die Sommer- und die Frühjahrsform dieser Art bekannt. Weniger bekannt ist, dass es in manchen Jahren auch eine Herbstform gibt, die phänotypisch zwischen diesen beiden Standardformen liegt. Die Frühjahrs- und die Sommerform sind so unterschiedlich, dass sie ursprünglich als selbständige Arten beschrieben wurden, bis man erkannte, dass es zur phänotypischen Ausprägung nur durch die Tagesdauer während des Wachstums der Raupen der kommt. Man kann also Frühjahrs- und Sommerform auch künstlich erzeugen. Nimmt man die Raupen, die aus den Eiern der Sommerform schlüpfen, und setzt diese künstlichem Licht aus, das die Tageslängen des Frühjahrs vortäuscht, ich meine 12 Stunden und mehr (ich weiß nicht ob ich die Dauer richtig im Kopf habe), dann erhält man, obwohl eigentlich die Frühjahrsform aus den Puppen schlüpfen müsste, trotzdem die Sommerform. Ebenso umgekehrt, wenn man die Larven vergleichsweise kurzen Tagen aussetzt, also weniger als 12 Stunden, ergibt es immer die Frühjahrsform. Ich halte es nur für sehr schwer, hier den Begriff der Form an Stelle der Variation zu verwenden, umgekehrt aber genau so. Denn zum einen ist diese Reaktion auf Tageslängen aller Voraussicht nach genetisch verankert, wird aber im Endeffekt nur durch abiotische Faktoren ausgelöst.

    Gehen wir jetzt einen Schritt höher, kommt es zu phänotypischen Ausprägungen, die man nicht mehr als Form oder Variation bezeichnen kann. Man hat eine Art, deren Aussehen beschrieben ist und Tiere dieses Aussehens, wie beschrieben, zu dieser Art zugehörig bestimmen. Sagen wir, dass die Art anhand von Tieren aus Westeuropa, Niederlande, Belgien, Westdeutschland beschrieben wurde. Folgen wir ihrer Verbreitung nach Osten, fallen z.B. die Tiere ab Polen, Tschechien und weiter östlich auf, weil sie phänotypisch abweichen. Sie haben grundsätzlich das gleiche Grundaussehen, aber es gibt Abweichungen. Nehmen wir einfach mal an, dass die Tiere im Westen rein schwarze Beine haben, die im Osten aber gelbe Schienen aufweisen. Und zwar nicht nur bei einzelnen Tieren, sondern dieses Merkmal ist konstant und alle Tiere zeigen dieses Aussehen. Dann haben wir hier Anhaltspunkte zur Beschreibung von was Neuem. Die Tiere sind aber ganz offensichtlich die gleiche Art. Also wird man hier eine Unterart beschreiben. Nach den internationalen Regeln der binären Nomenklatur nicht zulässig, aber allgemein anerkannt und akzeptiert. Wir haben also zwei Unterarten innerhalb einer Art. Wer sich nun mit dieser befasst und sich Tiere aus allen Bereichen des Verbreitungsgebiets ansieht, wird feststellen, dass es eine Übergangszone gibt, in der sowohl Tiere mit rein schwarzen Beinen, als auch solche mit aufgehellten Schienen zu finden sind. Die Menge der jeweiligen Ausprägung nimmt von Ost nach West, oder umgekehrt, ab, bis man wieder nur noch schwarze Beine, oder eben aufgehellte Schienen hat. ABER..., was mache ich mit den Tieren im Übergangsbereich? Sie zeigen keine Merkmale, die eine Beschreibung einer neuen Unterart rechtfertigen würden, aber sie zeigen auch Abweichungen. Der Einfachheit halber wird der sammelnde Entomologe die Tiere nach der einen oder der anderen Unterart benennen. Aber genetisch haben wir hier undefinierbares Wischi Waschi. Denn alle Tiere tragen genetische Informationen zum einen, wie auch zum anderen Phänotyp.

    Jetzt übertragen wir das auf eine Art, den Begriff eine Art zu definieren. Manch einer sagt, dass eine Art klar abzugrenzen ist, über den Weg der Kreuzung. Kreuze ich zwei Tiere, die ich als unterschiedliche Arten betrachte, so können hierbei Jungtiere entspringen. Der Gedanke ist aber, dass diese so genannten Bastarde nicht vermehrungsfähig sind (siehe Esel mit Pferd gekreuzt, ergibt ein Muli, welches nicht vermehrungsfähig ist - das heißt, dass die beiden Arten Esel und Pferd biologisch so weit von einander angegrenzt sind, dass eine Kreuzung unfruchtbare Nachkommen ergibt, aber noch so nahe miteinander verwandt sind, dass eine Kreuzung Nachwuchs erzeugt. Es würde niemand auf die Idee kommen, die Art Pferd, oder die Art Esel als Art in Frage zu stellen. Das Ergebnis ist eindeutig. Aber was machen wir bei Tieren, die ich miteinander kreuzen kann und es kommen vermehrungsfähige Nachkommen dabei raus. Die Vermehrung klappt weiter und weiter, aber irgendwo in der fünften oder sechsten, vielleicht auch zehnten Generation, bricht das Kartenhaus zusammen und auf einmal funktioniert nichts mehr. Dann haben wir wohl zwei Arten, die extrem nahe miteinander verwandt sind, deren biologische Abgrenzung aber schon so weit gediehen ist, dass die Kreuzung auf Dauer nicht funktioniert. Erkenne ich sie als Art an, oder lieber doch nicht und mache zwei Unterarten daraus? Weil erstmal klappt es ja.

    Treiben wir das Spielchen noch weiter. Nehmen wir eine Art mit einem großen Verbreitungsareal. Die südwestlichste Population lebt im Süden von Portugal und Spanien und von hieraus ist die Art über Süd-, Mittel- und Nordeuropa, nach Asien und schließlich bis in den äußersten Osten Asiens verbreitet. Nehme ich Tiere aus Portugal und kreuze sie mit Tieren aus Deutschland klappt das wunderbar. Nehme ich Tiere aus Deutschland und verpaare sie mit Tieren aus Bulgarien, klappt das Wunderbar. Nehme ich bulgarische Tiere und verpaare sie mit Tieren aus Ostsibirien, klappt das Wunderbar. Nehme ich Tiere aus Ostsibirien und verpaare sie mit Tieren einer Populationen im östlichsten Verbreitungsareal, klappt das wunderbar. Nehme ich Tiere aus Portugal und verpaare sie mit Tieren aus dem östlichsten Verbreitungsgebiet, geht die Nummer in die Hose. Was mache ich denn jetzt? Wie definiere ich hier den Begriff Art? Ist das überhaupt noch eine Art, oder muss ich zwei draus machen. Es gibt Argumente, die dafür sprechen und welche, die dagegen sprechen. Wat denn nu'?

    Und dann kommen noch solche Arten, die in Abgrenzung begriffen sind. Man kann erkennen, dass da wohl eine neue Art entsteht. Aber ab welchem Zeitpunkt habe ich eine neue Art? Die Tiere lassen sich problemlos miteinander verpaaren und erzeugen vermehrungsfähige Nachkommen. Man betrachtet das Spielchen über Menschengenerationen hinweg und sieht, dass da mehr und mehr passiert, aber ab wann kann ich da eine neue Art draus machen? Und anders herum: nehmen wir eine klar definierte Art, sagen wir mal, den Schwalbenschwanz, Papilio machaon. Könnte ich Tiere von vor 1.000 Jahren noch mit heutigen Tieren verpaaren? Oder haben sich die Tiere über die Jahrhunderte genetisch so verändert, dass ich phänotypisch immer noch dieselbe Art habe, aber biologisch nicht mehr von derselben Art sprechen kann? Was mache ich denn jetzt?

    Hilft mir die Genetik weiter? Genetische Abweichungen? Mensch und Schimpanse unterscheiden sich im genetischen Code in nur 1% bis 1,3%, aber in Millionen Basen. Der Mensch hat 46, der Schimpanse 48 Chromosomen. Wo setze ich bei Arten die Grenze an? Was reicht, um eine Grenze zu haben, die eine Art klar definiert? Ich denke, dass das Problem als solches klar ist. Es gibt keine eindeutige Definition für den Begriff "Art". Jede Definition hinkt an irgendeiner Stelle.

    Klaas Reißmann

    Mal abstrakt. Angenommen es gibt eine Population mit Individuen vom Typ PP, PQ, QQ. PQ kann sich erfolgreich mit sich selbst und mit PP und QQ paaren, PP und QQ aber nur jeweils mit sich selbst und PQ. Diese Population würde man zu einer Art rechnen. Jetzt sterben aus irgend einem Grund die PQ Typen aus, es gibt nur noch PP und QQ, die zwar jeweils untereinander, aber nicht mehr gegenseitig paaren können. Dann hätte es man mit zwei Arten zu tun.

    Das ist im Prinzip das, was ich oben über ein großes Verbreitungsareal beschrieben habe. Ich denke, dass es nicht ganz so einfach wird, wie Du es beschreibst, aber vom Grundtenor her passt es da rein.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Hallo Wolf,
    ja, die sind schnell. :99: Dabei ist meins gar nicht mal galoppiert, sondern nur getrabt. Und obwohl ich ja vorgewarnt war, weil ich links vom Weg was gesehen hatte, habe ich es erst erwischt, als es den Weg schon fast überquert hatte.

    Bei iNat ist meins jetzt als die Iberische Unterart H. i. widdringtonii bestimmt worden. Würden denn lumpige max. 3000 Jahre reichen, um eine neue Unterart hervorzubringen?

    Rein theoretisch können 3.000 Jahre reichen. Man muss unterscheiden zwischen den einzelnen Klassen und möglicherweise sogar zwischen Unterklassen oder sogar auf noch niedrigerer Ebene. Wirbeltiere haben in der Regel eine sehr viel langsamere Reproduktion, als z.B. Wirbellose, oder ggfs. Insekten oder wie tief auch immer man greifen muss. Durch die schnellen Generationenfolgen z.B. der Insekten, ist die Bildung einer Unterart oder im Zweifelsfalle sogar einer Art unendlich viel schneller möglich als bei Wirbeltieren. Unter Bedingungen völliger Isolation, z.B. Leben auf einer Insel ohne Austausch nach außen (also wo Insekten z.B. nur zufällig mit Treibgut angelangt sind und hier möglicherweise auch nur eins von sehr vielen) und die nächsten bewohnten Landflächen hunderte oder möglicherweise auch tausende Kilometer entfernt sind, also der genetische Austausch nahezu unwahrscheinlich, können sich neue Arten innerhalb weniger Jahrhunderte bilden, möglicherweise auch in noch kürzeren Zeiträumen. Immer in Abhängigkeit auch von der genetischen Variabilität, bzw. Veränderungsfreude, die eine Art an den Tag legen kann. Insekten, die zu starken, genetischen Veränderungen neigen sind dabei logischerweise schneller, als solche, deren Genetik recht konstant bleibt.

    In Bezug auf die Manguste (Herpestes ichneumon) liegen mir keinerlei Forschungsergebnisse vor. Mein Sachverstand sagt mir aber, dass eine Besiedlung auf natürliche Weise sehr wahrscheinlich ist, genau so, wie ich davon ausgehen würde, dass die ursprünglich selbständig nach Andalusien gelangten Mangusten immer wieder durch eingeschleppte oder auch selbständig dort anlandende Exemplare durchmischt wird. Die Frage einer Unterart ist dabei aus meiner Sicht nicht leicht zu klären. Wenn ich dann betrachte, dass bis heute diskutiert wird, ob in der Genetik des Homo sapiens sapiens auch Genetik des Homo sapiens neandertalensis steckt, kann man sich vorstellen, wie komplex das Feld ist. Ich gehe davon aus, dass die Manguste auf beiden Wegen, sowohl auf natürlichem Wege, als auch durch Verschleppung auf die iberische Halbinsel gelangt ist. Einzelne Quellen scheinen davon zu berichten, dass sie inzwischen auch in Italien vorkommen sollen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Auf natürliche Weise dürften sie auf die iberische Halbinsel gelangt sein, als die Sahara noch Steppe war und die Manguste sicherlich auch großflächig in Nordafrika verbreitet war, während sich ihre heutige Verbreitung auf Süd- und Mittelafrika, den Nordosten Afrikas, einen schmalen Streifen entlang der libyschen Küste, über Ägypten und in einem schmalen Küstenstreifen über Ägypten, Israel, Libanon und Syrien bis in die Türkei rein, beschränkt. Sie meidet dabei ganz offensichtlich die Wüstengebiete. Dabei kommt sie aber in zwei kleinen Verinselungen in Westsahara und Mauretanien vor, was ich als Überbleibsel aus einer Zeit werten würde, als die Sahara eben noch Steppe war.

    In der Regel rühren aus meiner Sicht solche Verinselungen aus Zeiten, in denen Arten weiter und flächendeckender verbreitet waren. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Laufkäferart Dromius meridionalis, die bis in die beginnenden 2000er z.B. in Deutschland nur auf Fehmarn gefunden wurde. Das kann man wohl als Relikt aus einer Zeit, vermutlich im 19. Jahrhundert, werten, wo sie +/- Flächen deckend wenigstens über West- und Norddeutschland verbreitet vorkam. Als die Jahresmitteltemperatur im Laufe des 19. Jahrhunderts sich verschlechterte, wurde die Art immer weiter nach Süden zurück gedrängt und hielt sich lediglich auf der Wärmeinsel Fehmarn. Nächste Vorkommen waren hunderte Kilometer entfernt. Inzwischen, im Zuge der globalen Erderwärmung, wird sie aus den Niederlanden und Belgien, sowie wenigstens NRW und Niedersachsen gemeldet und ist wieder flächig verbreitet von Fehmarn über Westdeutschland und die Nachbarländer.

    Insofern gibt es heute sicherlich keinen natürlichen Austausch mehr. Aber Verschleppungen über unser gesamtes Transportwesen halte ich auch heute noch für extrem wahrscheinlich. Also vermutlich eine Unterart, deren Genetik immer wieder mal ein klitzekleines Bisschen von verschleppten Tieren gestört wird. Meines Wissens bestehen auch Möglichkeiten die einzelnen genetischen Veränderungen über die Genetik zu kontrollieren. Ist wohl nur sehr aufwendig und Kosten intensiv.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Ich weiss leider nicht, ob das da die 2. Eiche ist von ursprünglich 12, die auf der Weide überlebt haben.

    Nein, ist es nicht. Der Baum ist sehr viel jünger, als die Wintersinger Eiche. Da fehlen etwa 100 bis 150 Jahre. Auch gut daran erkennbar, dass der Baum nie geschneitelt wurde. Es ist einfach ein solitär stehender Baum, der aber vom Grundprinzip die gleiche Wuchsform zeigt, also sein Geäst sehr dicht ausbildet.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Draußen ist grundsätzlich schon mal richtig. Problem ist, wenn das Terrarium in der prallen Sonne steht, dass es sich erwärmen wird. Die Helligkeit spielt keine Rolle. Aber tagsüber kann es in so einem Terrarium dann durchaus 10 °C und mehr warm werden, obwohl draußen Frost herrscht. Auf dem Balkon wäre ok, wenn Du eine Ecke hast, wo den ganzen Tag keine Sonne hin kommt, oder wenn Du das Terrarium durch irgendwelche Aufbauten (z.B. ein Brett davor stellen) davor schützen kannst, dass die Sonne direkt drauf scheint. Ggfs. musst Du prüfen, in welchem Rahmen sich der Balkon erwärmt, um zu verhindern, dass die Wärme aus der direkten Umgebung, über Luft oder Boden auch auf das Terrarium einwirken.

    Liebe Grüße

    Klaas

    09.49h blauer Himmel kommt aus Westen

    Die Wahrscheinlichkeit, dass man erneut eine derart auffällige Eiche dort zu stehen bekommt, geht gegen null. An exakt dem gleichen Standort noch näher gegen null. Was mich erstaunt, siehe Zitat, das Bild, dass dort offensichtlich zwei Bäume stehen, die alle Ansätze zeigen, die der Wintersinger Eiche entsprechen. Der linke Baum sehr viel deutlicher, als der rechte Baum. Sie haben ungewöhnlich dicht gewachsenes Geäst. Um daraus eine (oder zwei) neue Wintersinger Eichen zu machen, müsste man diese freilich erstmal auf den Kopf setzen. Ich schätze die beiden Bäume auf um die 50 Jahre im Alter. Um diese auf den Kopf zu setzen, würde ich mal grob 50 Jahre veranschlagen. Dann hätte man sie so weit geschneitelt, dass der Stamm in seiner Höhe beschränkt wäre. Es dürfte weitere 50 Jahre dauern, bis der Kopf, durch Wuchs von Ästen, erneutes schneiteln und wieder neuer Astwuchs, sich richtig schön entwickelt hat. Dann müsste man aufhören zu schneiteln und es würde wohl nochmal etwa 100 Jahre dauern, bis man ein Aussehen erreicht hat, dass dem der Wintersinger Eiche entsprechen könnte. Wir reden also von grob 200 Jahren!!! Die dritte oder vierte Generation wäre dann wohl die erste, die das "alte Bild" wieder genießen könnten.

    Auffällig ist ja der sehr dichte Wuchs des Baumes. Ich ahbe schon viele Eichen in meinem Leben gesehen. Eichen im Wald, Solitäreichen auf dem Feld, Kopfbäume und normale Bäume, aber keiner entspricht auch nur in Ansätzen dem Aussehen der Wintersinger Eiche, weil keiner von ihnen so ungewöhnlich dicht gewachsen ist. Man müsste also die Genetik des Baumes sichern (Eicheln sammeln, Bäume groß ziehen), um vergleichbare Bäume zu erhalten. Wenn der Baum links auf dem Bild eine Eiche ist, wird diese sicherlich auch schon Eicheln abwerfen. Da sollte man dann wohl einige sichern und, wenn es gewollt ist, dass auf der offenen Fläche Eichen stehen, in größeren Abstände etwa 10 Bäume setzen, wenn sie so weit sind. Die nächsten 50 Jahre würden dann zeigen, ob sie das Erscheinungsbild der Wintersinger Eiche hergeben könnten. Und dann würde man anfangen zu schneiteln und den Rest der Geschichte kennst Du. ;)

    Interessant ist auch zu sehen, dass die Äste der Wintersinger Eiche sehr ausladen gewachsen sind (typisch für einen Solitärbaum - keine Konkurrenz, also Höhe unwichtig und lieber Stück für Stück in die Breite wachsen und damit Konkurrenz verhindern oder ausschalten). Dann wachsen die unteren Äste wunderschön im Bogen. Also nicht einfach nach oben, sondern weit ausladend nach außen, möglichst viel des Bodens unter sich deckend. Das ist ein Ergebnis daraus, dass der Baum einerseits seine Äste bewusst ausladend getrieben hat und andererseits das Gewicht dieser weit ausladenden Äste, diese auch ein Stück weit nach unten zogen. Hier ist einiges an Spiel zusammen gekommen, was erst den Baum ausgemacht hat. Sowohl Eigenarten des Baumes, genetische, (dichter Wuchs), wie Überlebensstrategie (ausladend wachsen), als auch menschliches Dazutun (Schneiteln, um Brennholz zu gewinnen) und irgendwann der Wegfall des Schneitelns, weil andere Heizmöglichkeiten besser waren.

    Tolle Bilder und wirklich schade um einen mehr als ungewöhnlichen Baum.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Liebe Bea,

    es ist für mich erstmal schwer zu beurteilen, was in der Schweiz Denkmalschutz und was Landschaftsschutz bedeutet. In Deutschland bezieht sich Landschaftsschutz nicht auf ein "Objekt" eines Gebietes, sondern auf das Gebiet selber. Ist ein Gebiet unter Landschaftsschutz gestellt, gelten hier besondere Regeln für unterschiedlichste Bereiche. Das heißt, dass dort stehende Gebäude ggfs. bestimmten Auflagen unterliegen. Möglicherweise auch, dass ein Gebäude, das abgerissen wurde oder wird, nicht durch ein neues ersetzt werden kann, da im Landschaftsschutzgebiet meines Wissens Bauen verboten ist. Auch der weitere Umgang mit solchen Gebieten, auch für den Wanderer am Wochenende, hat seine Einschränkungen. So müssen Hunde an der Leine geführt werden und Wege dürfen, wie in NSG's, nicht verlassen werden. Die Litanei ist lang.

    Im Gegensatz dazu bedeutet Denkmalschutz für einen Baum, dass dieser zu pflegen ist. Pflegen heißt, dass ein Dendrologe in regelmäßigen Abständen den Baum auf seinen Gesundheitszustand prüfen muss. Kann in Deutschland z.B. bedeuten, dass ein hohler Stamm mit Zement/Beton gefüllt wird, um einerseits den Schädlingsbefall zu vermindern und andererseits die Standfestigkeit zu erhöhen. Im Falle der Wintersinger Eiche hätte es bedeutet, dass schwere Äste gestützt und ggfs. auch gegeneinander abgesichert/gestützt werden müssen. Wird der im Denkmalschutz festgelegte Umgang mit dem Baum vernachlässigt und führt nachweislich zu einem erheblichen Schaden, der ggfs., wie in obigem Fall, das Aus für den Baum bedeutet, würde es empfindliche Strafen für die zuständige Kommune nach sich ziehen. Da würden Köpfe rollen und im Zweifelsfall würde der vertraglich gebundene Dendrologe einerseits regresspflichtig, andererseits seinen Vertrag mit sofortiger Wirkung verlieren, so der Schaden auf eine Nachlässigkeit in seiner Arbeit zurück zu führen wäre.

    Ich könnte hier jetzt fabulieren, bis die Schwarte raucht. Bringt aber nichts. Deshalb...

    liebe Grüße

    Klaas

    Ein ausgesprochen ungewöhnlicher (Kopf-)Baum, die Wintersinger Eiche. Und um so bedauerlicher, dass sie einem Sturm zum Opfer fiel. Wer sie kennt, dürfte für die nächsten Jahre oder gar Jahrzehnte das Naturbild als gestört empfinden, wenn er oder sie dort lang wandert. Wirklich ausgesprochen schade. Ich mag ungewöhnliche, alte Bäume. ;(

    Sieht man sich den Baum aber genauer an, kann man sich denken, dass genau so was passieren würde. Ich weiß nicht, ob der Baum, wie es in Deutschland manchmal üblich ist, unter Denkmalschutz stand. Wenn ja, haben die Denkmalschützer gepennt. Und zwar massiv. Es handelt sich aus meiner Sicht offensichtlich um eine sogenannte Kopfeiche. Das sind Eichen, die alle 10 Jahre geschneitelt wurden, um das Feuerholz der Äste zu gewinnen, ohne den ganzen Baum fällen zu müssen. Erkennbar daran, dass der Stamm ausgesprochen kurz ist, für eine solch alte Eiche und vom Stamm aus die Krone wie ein Pilz gebildet ist. Mit den modernen Heizmethoden entfiel der Bedarf an Feuerholz und man hörte auf die Eiche zu schneiteln. Mit Blick auf die massiven Äste, geschätzt vor ca. 70 Jahren */-. Dieser Auswuchs zu den Seiten bedeutet eine ungeheure Last für den Stamm. Das wiederum bedeutet, dass diese Last sich potenziert, wenn ein Sturm auftritt, der an den Ästen rüttelt. Es ist aus meiner Sicht absehbar gewesen, dass da früher oder später was passiert. Zumal der Baum ungewöhnlich dicht gewachsen ist und somit für einen Sturm deutlich mehr Angriffsfläche bietet, als üblich.

    Aber auch ohne Sturm wäre irgendwann was passiert. Vielleicht nicht mehr in meinem Leben (ich bin jetzt 58, gehen wir von 80 Jahren Lebenserwartung aus, dann wären das noch 22 Jahre), aber ich denke, dass sie noch dieses Jahrhundert auseinander gebrochen wäre, weil die mächtigen Äste von allen Seiten ziehen und zerren. Hier hätte es nur zwei Möglichkeiten gegeben:

    1. Eiche wieder auf den Kopf setzen. Also langsam zurück schneiteln. Sprich: alle 10 Jahre etwa 3 bis 4 m runter schneiden. Es hätte dann etwa 100 Jahre gedauert, bis sie wieder auf den Kopf gesetzt wäre, aber möglicherweise hätte man das geschafft, bevor die eigene Last sie auseinander reißt.

    2. Wie man es seinerzeit bei der Kaiserbuche in Moers-Schwafheim gemacht hat: die massiven Äste (nach den Bildern geschätzt 10 bis 15) mit starken Stahlstützen abstützen und über Metallgurtband die massiven Äste gegeneinander absichern. Hätte das Bild an sich wohl gestört, aber der Baum würde wohl noch stehen.

    Liebe GRüße

    Klaas

    Wir werden hier nicht weiter kommen. Zum einen fehlt mir die Erfahrung für die Balearen, zum anderen ist Timarcha in Südeuropa nicht so einfach und ich würde einen Bestimmungsversuch am Tier wagen, jedoch nicht am Foto. Ich kann zwar spekulieren, dass das Tier auf dem zweiten Foto tatsächlich Timarcha balearica sein dürfte, aber leider gibt es am Mittelmeer eine Unterart der tenebricosa (ich meine sie müsste pauperata? heißen), die sehr ähnlich aussieht und noch eine weitere Art (Namen nicht im Kopf), die hier durchaus für Verwechslungen sorgen kann. Da ich die Fauna der Balearen nicht kenne, kämen also theoretisch zwei Verwechslungsarten der Untergattung s. str. in Frage. Die andere Art würde ich vorsichtig zu Untergattung Timarchostoma stellen wollen (unsere goettingensis gehört hier auch rein). Und da wartet die iberische Halbinsel mit einigen Arten auf, so dass ich hier sehr vorsichtig bin, was eine Zuordnung betrifft. Neben den dort ursprünglich vorkommenden Arten ist, aufgrund des Tourismus auf den Balearen, eine Verschleppung anderer Arten durchaus möglich. Es bräuchte also einen profunden Kenner der Balearen und ihrer Käferfauna oder einen Blattkäferspezialisten. Beides bin ich nicht.

    PS: Ich habe keinerlei (außer Schule) biologische Vorbildung und versuche mich seit Corona autodidaktisch „Versuch und Irrtum“ an dieses Thema heranzutasten.

    Ich auch nicht. Ich kann Dir aber aus meinen über 30 Jahren Beschäftigung mit den Käfern und rund 48 Jahren Beschäftigung mit der Invertebraten Natur versichern, dass mit der Zeit das Wissen kommt. Ich gebe aber zu bedenken, dass es wesentlich besser mit den Käfern unter dem Bino und in der Vergleichs- und Belegsammlung geht, als mit der derzeitigen Fototechnik. Darüber hinaus müsste man alles im Kopf haben, was man fotografieren muss, um eine sichere Bestimmung zu haben, was schon nicht zu leisten ist. Und letztendlich wird man all zu oft am fehlenden Genital des Käfers scheitern. ;)

    Also Fazit: ob es Sinn macht diesen Teilthread zu löschen und in einen neuen zu überführen, kannst nur Du entscheiden. Derzeit fehlt es hier meines Wissens am entsprechenden Experten. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. ;) Abgesehen davon gehören die Timarcha schon zum Thread dazu. Es ist ja ein weiterer Schritt auf dem Wege der Erklärung, wie wichtig oder unwichtig Färbung bei Käfern sein kann. ;)

    Liebe Grüße

    Klaas