Posts by Klaas Reißmann

    Das hat was mit dem gesamten Kleinklima unter dem Stein zu tun. Hohe Luftfeuchtigkeit, deutlich wärmer als im Boden, durch die Bauarbeiten der Ameisen gelenkte Luftströme. Da spielt alles mit rein. Die Ameisen schleppen Eier, Larven und Puppen immer dahin, wo die günstigsten Entwicklungsbedingungen gegeben sind. Der Schutz vor "was wäre wenn" ist zweitrangig. Das Kleinklima ist wichtig, weil das falsche Kleinklima den Tod des wertvollsten bedeuten kann, was sie haben, des Nachwuchs'. Dafür wird alles getan und alles wir der Königin und dem Nachwuchs untergeordnet. Auch das eigene Leben. Und so schnell unterspült es einen Stein nicht, dass sie nicht die Zeit hätten, alles woanders hin zu tragen. ;) Manchmal müssen sie natürlich auch solch einen Verlust verkraften. Es passiert aber nicht so oft.


    Wenn Du mal in einem Sumpf oder Moor warst, auf Schwingböden, oder in Bereichen mit dichtem Pflanzenbewuchs, wirst Du Dich wundern, wo Ameisennester überall Platz haben und wo sie völlig unerwartet auftauchen können. Wenn man auf der Käfersuche ist, geht man auch auf Schwingböden und lässt sich mit diesen leicht absacken. Da geht es dann schon mal 20 bis 50 cm runter. Das drückt die Torfmoose des Schwingbodens dichter zusammen, so dass die Luft aus dem Kapillarsystem entweicht und die bisher vorhandenen Luftblasen durch Wasser ersetzt werden. Wer nicht ertrinken möchte, sucht den Weg nach oben an die Wasseroberfläche. Du kannst Dir nicht vorstellen, wie oft da Ameisen dabei sind. Und Du kannst Dir vermutlich auch nicht vorstellen, dass in solchen Bereichen, die völlig nass sind, völlig unerwartet auf einmal ein kleines Myrmica-Nest auftaucht. Und dann zu sehen, wie so ein Ding schwimmt. Königin in der Mitte, die Brut ebenso und die Arbeiterinnen außen drum herum. Die Viecher sind abgefuckt. Ameisen gibt es praktisch überall. Du suchst sie nur im Meer, bzw. in großen, offenen Wasseransammlungen (See, Teich etc.) und im ewigen Eis vergeblich. Ansonsten leben Ameisen auch an der Schneegrenze, in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Gletscher, in Gewässernähe oder sogar auf dem Gewässer, wenn ausreichend Pflanzenbewuchs vorhanden ist. Ich würde vermuten, dass Du sie sogar in Bereichen an Vulkanen findest, wo der Boden nicht zu heiß ist, und sie die Temperaturen nutzen können. Und sie können schwimmen. Und schwimmend locker über das Meer treiben und unbewohnte Inseln erreichen und diese besiedeln. Und, und, und...


    Liebe Grüße

    Klaas

    Die Wahrscheinlichkeit unter liegendem Totholz oder anderen, auf dem Boden liegenden, den Boden deckenden Dingen (Steine, Fußmatten etc.) ein Ameisennest zu finden ist sehr groß. Ich habe so was noch nie gezählt, aber ich würde mal sagen, dass man im Schnitt spätestens nach 5 umgedrehten Dingen ein Ameisennest findet.


    Sich einen Kopf zu machen, dass man die Ameisen unnötig stört, ist hier eigentlich fehl am Platze. Ich kann den Grundgedanken dahinter verstehen, aber das Handeln danach macht wenig bis keinen Sinn. Der Punkt ist einfach der, dass Strukturen, die sich unter dem Gegenstand befinden, mit dem Umdrehen so oder so zerstört sind. Da man den Gegenstand nicht 100%ig wieder hingedreht bekommt, wie zuvor, sind Teile der Strukturen eh nicht reparabel. Ebenso ist das Kleinklima unter dem Stein erstmal stark verändert und für die Ameisen für einen gewissen Zeitraum minder optimal. Wenn Du den Gegenstand wieder zurück drehst, was grundsätzlich die richtige Vorgehensweise ist, schaffst Du zwar die Bedingungen den vorherigen Status quo wieder herzustellen, wenn nicht komplett, so doch nahezu komplett. Jedoch spielt es keine Rolle, ob die Ameisen für den Abtransport der Entwicklungsstadien und die anschließende, bzw. gleichzeitig einsetzende Reparatur der Strukturen, fünf Minuten länger brauchen oder nicht. Der Schaden wird nicht größer und besteht in der Regel eigentlich nur in der Reparatur. Ähnlich wenn an unseren Häusern was kaputt geht. Nur das die Ameisen, weil einfach gebaut, bei weitem nicht so lange dafür brauchen. Ich schätze, dass der Status quo nach ein bis zwei Stunden wieder hergestellt ist. Oder, bei Arten wie z.B. Myrmica rubra, die nur kleine Nester haben und sehr empfindlich auf Veränderungen, besonders im Kleinklima, reagieren, sorgt das Umdrehen eh dafür, dass das komplette Nest abwandert.


    Liebe Grüße

    Klaas



    • Sabine Flechtmann
    • 21. Februar 2016


    • das mit dem Spoiler geht so: In der Bearbeitungsleiste (wo auch fett, kursiv etc. sind), klickst du auf das Symbol mit dem durchgestrichenen Auge (bei mir ist es das Icon das letzte in der ersten Zeile). [*spoiler][/spoiler] Hier zwischen schreibst zu den zu maskierenden Text. Oder du markierst einen vorhandenen Text und klickst anschließend auf das Spoiler-Symbol.

    Danke für die Ausführungen, aber das war nicht mein Problem. Ich kann dem Faden nicht folgen. Ich weiß nicht, worum es geht.


    Addi Vielen Dank. Jetzt kann ich dem Faden folgen.


    Herr Wiese Zumindest aus meiner Sicht ist das nicht nötig. Was ein Spoiler ist, also um die Bedeutung des Wortes "Spoiler", weiß ich Bescheid. ;)


    Liebe Grüße

    Klaas

    Das Verhalten der einen Ameise kann ich Dir nicht erklären. Parasitiert war oder ist sie aber wohl eher nicht. Das Verhalten mit der anderen Ameise gehört zum sozialverhalten dazu. Ameisen müssen, je nach Art, mehr oder weniger intensiven Kontakt pflegen. Dabei betrillern sie sich gegenseitig und tauschen verschiedene Stoffe aus. Zum Beispiel gibt die Königin täglich, eigentlich ohne Unterbrechung, Pheromone an die Arbeiterinnen ab, die sie den ganzen Tag betüddeln. Diese Arbeiterinnen geben die Pheromone an andere Ameisen ab und durch dieses Dominosystem verbreiten sich die Pheromone der Königin den ganzen Tag im Staat. Damit wird "kund getan", dass die Königin noch lebt und im Staat alles ok ist. Zeitgleich wird über dieses Pheromon der Wille der Arbeiterinnen unterdrückt, sich selbst vermehren zu wollen. Immerhin sind Arbeiterinnen nichts weiter als Weibchen, die trotz vorhandener Ovarien, nicht befruchtet wurden, deren Ovarien aber arbeiten würden, würde es nicht unterdrückt.


    Exakt das Gleiche läuft auch bei Bienen und Hummeln, bzw. bei allen Staaten bildenden Hymenoptera ab. Bei den Hummeln ist das besonders spannend. Da die Männchen immer aus unbefruchteten Eiern hervorgehen, muss die Königin eben zum Ende ihrer Existenz, auch unbefruchtete Eier legen. Ob sie das tut, weiß ich nicht. Die Arbeiterinnen kümmern sich jedenfalls um den heranwachsenden königlichen Nachwuchs. Zu dem Zeitpunkt ist die alte Königin aber bereits geschwächt, so dass sie nur vermindert entsprechende Pheromone abgibt, welche die Arbeiterinnen in Schach halten sollen. Das führt dazu, dass die Arbeiterinnen immer renitenter werden und anfangen, sich gegen die Königin aufzulehnen. Das wiederum führt zu einer weiteren Schwächung der Altkönigin, so dass die Produktion der Pheromone immer weiter nachlässt und schließlich die Arbeiterinnen beginnen unbefruchtete Eier zu legen. Aus diesen Larven kommen ausschließlich Drohnen, also Männchen hervor. Vermutlich ist die Königin bereits tot, wenn Neuköniginnen und Drohnen schlüpfen und sich in die Lüfte erheben. Hummeln erfüllen gewissermaßen unseren Gedanken des Aufstiegs vom Lakaien zu einer königlichen Person. Denn im Grund genommen sind die Nachkommen der neuen Generation, die dann im Folgejahr unsere Blumen besuchen, nichts weiter, als eine Verbindung der Gene der Königin, mit irgendeinem Männchen, dessen Mutter eigentlich der untersten Kaste angehörte. Und somit werden auch die neuen Königinnen im nächsten Jahr exakt dieselbe Herkunft haben. Blaues Blut vereint mit bürgerlichem Blut. So ganz stimmt das natürlich nicht, da die Arbeiterinnen ja auch zur Hälfte königliches Blut besitzen.


    Um zu den Ameisen wieder zurück zu kommen: ich kann hier leider nicht sagen, ob die unbefruchteten Eier von der Königin stammen. Der Logik folgend müssten sie das aber, da die Königin bei Ameisen deutlich älter wird, als die der Hummel. Bei einigen Ameisenarten hat man in Gefangenschaft zumindest ein Alter im Rahmen von bis zu 20 Jahren dokumentieren können. Das heißt aber auch, dass bis zum Ende der Königin, die Pheromon Weitergabe funktionieren muss. Ergo kommen die Arbeiterinnen hier nicht, oder nur im letzten Jahr der Königin zum Zuge. Und das nur bei Arten, deren Nest nur eine Königin beinhaltet. Formica rufa hat nur eine Königin. Formica polyctena ist ein Nest, in das die neuen Königinnen sehr oft zurück kehren und das Nest bereichern. Man kann hier etliche Königinnen finden. In solchen Fällen kommt es dann auch zu Nestgrößen, die in der Höhe zu Spitzenzeiten durchaus auf knapp 2 m hoch gehen können und dann ggfs. eine Grundfläche eines großen Wohnzimmers hat. Die Bewohnerzahl bewegt sich dann im siebenstelligen Bereich. Das muss man zusammen halten und das geht nur über ein ausgeprägtes Sozialverhalten.


    Liebe Grüße

    Klaas

    Keine Chance. Als Korrektur: es geht nicht um das zweite Fühlerglied, das auf der Unterseite aufgehellt ist, sondern um die ersten zwei Fühlerglieder (auch wenn Lompe nur vom 2. spricht). Die Arten sind alle ausgesprochen variabel. Ich habe bei einer Tour in den bayerischen Alpen auf kleinem Raum mal jeden Oreina mitgenommen, weil ich mutmaßte, dass es zwei Arten sein könnten, obwohl die alle gleich aussahen. Zuhause unter dem Bino hatte ich schlussendlich sechs Arten. Ein Kollege hatte eine weitere Art, die ich nicht gefunden hatte, dafür hatte ich zwei, die er nicht gefunden hatte. Also waren es sogar sieben Arten.


    Im Endeffekt heißt das, dass ich unterm Bino eventuell ohne Genital ans Ziel komme, aber das Genital ist tatsächlich der absolute Ruler. Das heißt aber auch, dass Du einen Käfer einer Art fotografiert hast, dort aber möglicherweise weitere Arten vorhanden waren, die Du gar nicht als andere Art registriert hattest. Von mir kein Artname und ich halte den Versuch der Bildbestimmung auch absolut unseriös, wenn es sich nicht um eine der wenigen Bilderbucharten handelt.


    Liebe Grüße

    Klaas

    Der Poecilus cupreus sollte eher Poecilus versicolor sein. Lässt sich aus der Perspektive aber nicht so 100%ig fest machen.


    Und was Colias palaeno betrifft, der kommt in der Umgebung von Lüneburg leider nicht vor. Das ist richtig. Ist auch fraglich, ob er da überleben würde. Ich denke eher nicht. Und wenn er bei Paderborn (noch) vor kommt, könnte ich mir vorstellen, dass auch dort seine Tage gezählt sind. :(


    Liebe Grüße

    Klaas

    Ich weiß nicht, wo Deine Fotos entstanden sind, aber wenn ich es nicht völlig falsch im Kopf habe, ist die Rauschbeere eine Pflanze, die im Moor, oder in unmittelbarer Nähe zum Moor wächst!? Wenn ich das richtig im Kopf habe, müsste eigentlich eine gewisse Chance bestehen, dass es bei Dir Colias palaeno gibt!??


    Liebe Grüße

    Klaas

    Zum eigentlichen Thema: Du kannst es Dir sicherlich so oder so denken, dass mich natürlich die Käfer begeistern. Und, wie Du vemrutlich inzwischen mitgekriegt hast, begeistern mich die Mutillidae sehr. Sie hätten das Potenzial mich von den Käfern wegzulocken, wenn es mehr davon gäbe. :love:


    Was den Weberknecht betrifft, so ist die Alge sicherlich nicht parasitisch, sondern, wie Du schon richtig vermutest, der Weberknecht ins Wasser gefallen und dort ertrunken. Die Alge wächst nur so schön entlang des Weberknechtes, weil dieser eben sehr viel Stickstoff bietet, von dem die Alge lebt. Folgerichtig wächst sie an ihm entlang, um möglichst viel des Stickstoffs abzuschöpfen.


    Liebe Grüße

    Klaas