Torcal - alleine! So hatte ich mir das zumindest vorgestellt, als ich gelesen habe, dass die Zufahrtsstraße neu asphaltiert wird und deshalb am 23., 24. und 25. September die Anfahrt per Auto gesperrt ist.
Also habe ich mich am Donnerstag, 24.9. auf den Weg gemacht. Ist ja immer ein bisschen mühsam: erst ca. 3 km laufen bis zur Hauptstraße, von dort versuchen zu trampen. Immerhin gibt es nur diese eine Straße und wer überhaupt hält, fährt auch am unteren Parkplatz vorbei. (mein Trip bei komoot). Schon auf dem ersten Teil des Weges habe ich eine Neuentdeckung gemacht. Seit diesem Jahr sehe ich hier wirklich häufig das Neozoon Vespa orientalis, die Orientalische Hornisse. Ich habe mich immer gefragt, warum ich keine Nester sehe. Weil sie Erdlöcher benutzen!

Das Trampen hat auch ganz gut geklappt, allerdings musste ich feststellen, dass viele ausländische Touristen von der Sperrung nichts wußten/ oder es sie nicht störte/ oder sie nicht wußten, was sie erwartet und die 3,7 km Wanderweg hoch zum Visitor's Center war so frequentiert, wie schon lange nicht mehr. Das waren alles Wanderer, die ohne rechts und links zu schauen, an mir vorbeizogen.
Ich habe geschaut; wo es Eichen gibt, gibt es auch Gallen - hier von Gallmücken Dryomyia lichtensteinii an Quercus rotundifolia.

Der Anblick ist ja doch immer wieder schön.

Endlich oben angekommen, es hat mich diesmal besonders angestrengt. An der Veranda vor dem geschlossenen Visitor's Center habe ich mich hingesetzt. Da kam ein Rotschwänzchen auf mich zu gehüpft. Ich habe ihm gesagt, Ja, du Armer, heute gibt's nicht viele Krümel und einen Keks zerkrümelt.

Ich wollte gerade noch bessere Fotos machen und auf sein Weibchen warten, das im Hintergrund zu sehen war, da läuft so ein blöder Touri genau da vorbei und verscheucht mir alles.
Und genau solche Erlebnisse hatte ich gehofft zu vermeiden.
Ich habe dann einen Teil des kleinen, grünen Rundwegs gemacht. Da kommt man in ein geschütztes "Tal", in dem es eigentlich immer Schmetterlinge gibt. Diemal allerdings nur das Große Ochsenauge, Maniola jurtina.

Auf dem Rundweg war ich tatsächlich ziemlich alleine. Aber richtig viel zu sehen gab es nicht. Die üblichen Verdächtigen: Gänsegeier - Gyps fulvus

Die sind immer verdammt schnell ohne eine Feder zu bewegen. Ich habe mich auch nicht bemüht, sie zu verfolgen.
Und auf jedem Pinnökel lag ein Steinbock - Capra pyrenaica - und ich musste sie alle fotografieren! Immer wieder schön! 

Aber bei Gallen gab es noch Neues zu finden. An Pistacia terebinthus gleich zwei verschiedene Gallen:
halbmondförmige Forda formicaria und rote rundliche Geoica urticularia
- beides Tribus Fordini von Blattläusen.

Und wieder an Eiche Andricus quercustozae - kugelig mit "Krone"
Leider habe ich erst am Computer gesehen, dass daneben noch eine urige Struktur war - wurde mir als Andricus grossulariae bestimmt.

Zwischen den Felsen und Gräsern hüpfte eine noch unbestimmte Grasmücke rum.

Und immerhin auch ein Nachtfalter: Hospitalia flavolineata - das Krankenhaus mit der gelben Linie ist so einfach zu merken, dafür habe ich keine Eselsbrücke gebraucht.

Ein mir völlig unbekannter Fruchtstand, von dem es sich rausstellte, dass es sich um die Pfingstrose Paeonia broteri handelt. Die hatte ich Frühjahr zusammen mit Sonja blühend gesehen.

Als ich wieder am Parkplatz ankam, war ich wirklich alleine. Die Touristen sind alle nur hoch- und wieder runter gelaufen, ohne sich länger aufzuhalten.

Bis auf eine Zippammer - Emberiza cia. Auch sie gehört zu den üblichen Verdächtigen.

Wei entfernt in einem Baum sah ich einen Vogel sitzen, den ich nicht erkannte - wahrscheinlich irgendein Steinschmätzer, dachte ich.

Mittlerweile war die Tagesarbeit an der Straße beendet und ich beschloß so runter zu laufen - ist ja doch einfacher, als ein steiniger Pfad.

Unterwegs konnte ich dann doch noch ein paar Vögel sehen. Die Blaumerle war zu weit weg und die Alpen.... (das lerne ich nicht, ob -krähe oder -dohle, jedenfalls die mit rotem Schnabel und Füßen) Pyrrhocorax pyrrhocorax sind nur über mich geflogen. Aber die Theklalerche - Galerida theklae blieb schön sitzen.

Da sah ich nochmal so einen unbekannten Vogel sitzen, diesmal etwas näher.

Das Rätselraten nahm kein Ende; kein Steinschmätzer, weibliche Blaumerlen sind ja auch braun gewellt, aber nicht so hell am Bauch und schon gar nicht mit rötlichem Schwanz.
Schließlich war ich ziemlich kaputt wieder zu Hause, habe mich aber sofort auf mein Vogelbuch gestürzt und geblättert. Nach den Steinschmätzern kommen die Merlen, nein, keine Blaumerle, sondern ein Steinrötel - Monticola saxatilis!






Ich dachte, das sind richtige Hochgebirgsvögel. Bei iNat gibt es auch nur vier Beobachtungen aus der Provinz Málaga. Ansonsten vor allem in den Pyrenäen, um Madrid und natürlich in der Sierra Nevada. Vielleicht sind sie jetzt auf dem Zug? Weiß jemand mehr?
Unterwegs hatte ich ja gedacht, Torcal ist ja immer wieder nett, aber so richtige Highlights waren nicht dabei. Das hat sich ja dann doch grundlegend geändert!