So ein toller Pilzherbst 2023

  • Hallo Sabine

    Beim Lesen war ich dann doch etwas "verwirrt". Wandelbarer Hallimasch - Armillaria lutea, den Namen kannte ich überhaupt nicht. Ist das identisch mit dem Fleischfarbenen Armillaria gallica? Für mich wäre das der Fleischfarbene, der auch etwas "Gelb" daherkommen kann. Jedenfalls eine interessante Sache!

  • Lieber Werner,
    die vierbeinigen Düngerlinge habe ich dort noch nicht beobachtet, es kommen nur viele Fahrzeuge zur Altglasentsorgung.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde,
    auf einer meiner Falter-Kontrollgänge habe ich vergangene Woche neben dem schmalen Weg zwischen den Hochhäusern riesige Pilze entdeckt.

    Sie hatten einen Hutdurchmesser von 10 cm und eine Stiellänge von 6 cm. Der hut war glockig wie bei einer Tasse verkehrtherum, nur ganz alte Exemplare zeigten eine Tendenz, den Hut auszubreiten. Die Lamellen ließen sich nicht (wie bei Rötelritterlingen) verschieben, sondern wurden beim Bereiben sofort matschig. Geruch vorhanden, eher unspezifisch, aber nicht lecker.

    Der Stiel rötete zur Basis hin., Wachstum büschelig.

    Meinen Bestimmungsversuchen hat er sich hinreichend widersetzt, die Vorschläge der KI waren nicht zutreffend bis vollkommen unbrauchbar. Gute Pilzkenner haben diese Pilze als
    Üppiger Büschel-Rübling - Collybiopsis luxurians #Neu4me
    (Synonym Gymnopus luxurians) bestimmt, die Abbildungen im Web
    https://www.pilze-deutschland.de/organismen/collybiopsis-luxurians-peck-rh-petersen-2021
    und die im neuen Pilzbuch von Andreas Gminder hätte ich nie mit meinem Fund überein gebracht. Offenbar ein Zuwanderer aus Nordamerika, zu dem pilze-deutschland Stand heute 89 Funde verzeichnet hat:https://www.pilze-deutschland.de/organismen/col…h-petersen-2021
    Für mich ein persönlicher Erstfund und der 4. für Schleswig-Holstein.

    Am Parkplatz vom Getränkemarkt gab es wieder zwei neue Fruchtkörper vom
    Braunschwarzen Birkenpilz - Leccinum melaneum
    Allerliebst direkt nebeneinander stehend, und einer war in der Stielmitte in zwei Stiele gespalten, hat aber einen gemeinsamen Hut ausgebildet.

    Und überraschenderweise habe ich mindestens 5-6 weitere Rosetten vom
    Kröten-Öhrling - Otidea bufonia
    entdeckt. Sehr im Laub versteckt und so perfekt getarnt. Je länger ich guckte, desto mehr wurden es. Einen habe dann doch mitgenommen zum Trocknen, vielleicht finde ich jemanden, der mir den mikroskopiert. Edit am 12.05.2024: Zwei Belege wurden mikroskopiert und der Krötenöhrling bestätigt.

    Glimmertintling - Coprinus cf. micaceus
    Ein Riese mit einer Huthöhe von 6 cm. Bei der Größe kann der Weidentintling nicht ausgeschlossen werden.

    Heute Nacht hattes es Luftfrost, da wird die Herbstpilzsaison wohl zu Ende gehen.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Gratulation zum Üppigen Büschel-Rübling, Sabine. Deine Recherchen vor Ort und zu Hause fand ich interessant zu lesen und gibt mir Hinweise, worauf zu achten ist.

    Und überraschenderweise habe ich mindestens 5-6 weitere Rosetten vom
    Kröten-Öhrling - Otidea cf. bufonia
    entdeckt. Sehr im Laub versteckt und so perfekt getarnt. Je länger ich guckte, desto mehr wurden es. Einen habe dann doch mitgenommen zum Trocknen, vielleicht finde ich jemanden, der mir den mikroskopiert.

    Hier stellte sich mir spontan die Frage, ob es nicht "besser" ist, einen Pilz sofort (frisch) zu mikroskopieren? Geht durch das Trocknen nicht irgend etwas verloren, was man dann nicht mehr sieht? (Ich weiß ja sehr wenig über Pilze und nichts über das Mikroskopieren...).

    Was ist der Unterschied zwischen dem "Handbuch für Pilzsammler" und "Welcher Pilz ist das" von Andreas Gminder - außer dem Preis?

    Viele Grüße

    Addi

    _______________________________________________________________________________________________________________________

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Liebe Adelheid,

    Hier stellte sich mir spontan die Frage, ob es nicht "besser" ist, einen Pilz sofort (frisch) zu mikroskopieren? Geht durch das Trocknen nicht irgend etwas verloren, was man dann nicht mehr sieht?

    "Pilze mikroskopieren" ist eine stark verkürzte Formulierung und für praktisch jeden klar, der sich schon länger mit Pilzen beschäftigt. Ein eindeutiges Merkmal einer Pilzart sind die Sporen und deren Beschaffenheit wie u.a. Form (rund, rundoval, spitzoval), Größe (Länge x Breite), ggf. Ornamentierung oder chemische Reaktion (auch dies ist stark verkürzt), und diese Eigenschaften kann man mikroskopisch untersuchen. Sofern ein Pilz schon Sporen ausgebildet hat (Sporenreife), sind die Sporen dauerhaft, und wenn man nicht selbst mikroskopieren kann sondern die zu untersuchenden Fruchtkörper per Post verschicken muss, dann ist es mehr als sinnvoll, den Pilz zuvor zu trocknen. Andernfalls könnte der Pilz auf dem Postweg anfangen zu schimmeln, und Schimmel ist nichts anderes als wiederum ein Pilz, der Sporen bildet, so dass sich die beiden verschiedenen Sporen vermischen.

    Ich habe auch gelesen, dass manchmal Merkmale der Huthaut mikroskopisch untersucht wird, dafür braucht man dann (vermutlich) den Frischpilz, aber hier kann ich inhaltlich nichts beitragen.

    Was ist der Unterschied zwischen dem "Handbuch für Pilzsammler" und "Welcher Pilz ist das" von Andreas Gminder - außer dem Preis?

    "Handbuch für Pilzsammler" beschreibt 340 Arten, "Welcher Pilz ist das" beschreibt 85 Arten. Beide Bücher wenden sich an Speisepilzsammler. Mit dem neuen Pilzbuch von Andreas Gminder meine ich "Das Kosmos Handbuch Pilze" mit über 2500 Zeichnungen (vom genialen Erhard Ludwig) zu über 1500 Arten und mit Sporenabbildungen für die mikroskopische Bestimmung. Von diesem Buch bin ich sehr begeistert.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Addi,

    Was ist der Unterschied zwischen dem "Handbuch für Pilzsammler" und "Welcher Pilz ist das" von Andreas Gminder - außer dem Preis?

    Sabine hat das Wesentliche bereits geschrieben.
    Es folgen ein paar Leseproben - urteile selbst.

    Welcher Pilz ist das?

    Handbuch für Pilzsammler

    Das Kosmos Handbuch Pilze

    Das besondere am Kosmos Handbuch sind die genialen Zeichnungen von Erhard Ludwig, die viele Details besser als manches Foto wiedergeben können. Ich hatte das Glück, Erhard bei so mancher Tagung beim Aquarellieren über die Schultern schauen zu dürfen.

    LG, Nobi

  • Vielen Dank, Sabine für Deine ausführliche Erklärungen.

    Ein eindeutiges Merkmal einer Pilzart sind die Sporen und deren Beschaffenheit wie u.a. Form (rund, rundoval, spitzoval), Größe (Länge x Breite), ggf. Ornamentierung

    Das ist ganz neu für mich, wieder etwas gelernt! :alright:

    Danke auch für die Buchtipps, Nobi.

    Das besondere am Kosmos Handbuch sind die genialen Zeichnungen von Erhard Ludwig, die viele Details besser als manches Foto wiedergeben können. Ich hatte das Glück, Erhard bei so mancher Tagung beim Aquarellieren über die Schultern schauen zu dürfen.

    Auf Amazon ist eine sehr gute Rezension über dieses Buch. Neben einer guten Beschreibung (so, dass man wirklich eine Vorstellung bekommt), werden auch einige der Zeichnungen gezeigt. Der Preis von 48 Euro ist auf den ersten Blick zwar teuer, aber für ein Fachbuch (mit meiner Meinung nach sehr guter Qualität) noch sehr günstig.
    Schade, dass Erhard Ludwig schon verstorben ist.

    Viele Grüße

    Addi

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    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde,
    noch ein paar Pilzfunde, hier vom Parkplatzbiotop am Getränkemarkt vom 08.11.2023.

    Gemeiner Wirrkopf, Struppiger Risspilz - Inocybe cf. lacera
    Dieser Pilz gehört auf jeden Fall zu den Risspilzen, und die sind nach Foto maximal eingrenzbar, aber nicht wirklich auf Artniveau bestimmbar. Es scheint bei den Risspilzen nicht so viele Arten mit so stark überfaserten Hüten zu geben. Mir hat sich der so sehr gebuckelte Hut zu Fotografieren aufgedrängt. Drei Fruchtkörper eingesammelt, die werden von einem Freund von uns mikroskopiert.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Und ein paar Funde von der Wiese zwischen den Hochhäusern 14.-18.11.2023

    Blaugrüner Reiftäubling - Russula parazurea

    Graugrüner Milchling - Lactarius blennius
    unter Buche

    Der nächste hat mich vor erhebliche Schwierigkeiten gestellt, ich bin auch nur bis zu einer Arbeitshypothese gekommen und beileibe noch nicht durch mit dem. An der Wiese wachsen Rotbuche, Kiefer und Stieleiche. Alle Fruchtkörper waren dunkel graubraun und schon ganz jung am Hut eingerissen.
    evtl. Brauner Camembert-Täubling - Russula cf. amoenolens

    Diesen geriffelten Hutrand fand ich sehr auffällig und fand dazu eine gute Beschreibung bei fundkorb.de. Dort wird dieses Aussehen bei den Kammtäublingen beschrieben: Die Lamellen sind von oben betrachtet am Hutrand höckerig gerippt bzw. gekörnelt. Diese Beschreibung fand ich hierfür recht zutreffend. Also bei den Kammtäublingen suchen.

    #

    Der Camembert-Täubling soll nach Camembert riechen. Nun ja, nach ein paar Stunden Ruhe im Warmen kam ein Geruch zustande, den man mit äußerst viel Phantasie als Camembert einordnen könnte.
    Bei den Kammtäublingen scheint es nur 4 "gute" Arten zu geben. Und immer bekommt man Beschreibungen als durchlaufenden Text, also habe ich eine Tabelle angefertigt, weil ich da die Merkmalskategorien selbst festlegen kann und die gefundenen Aussagen dazu immer nebeneinander in eine Zeile stecken kann. Das ist viel unübersichtlicher. Hier die Tabelle, falls sie für jemanden von Nutzen ist.
    Kammtäublinge.pdf

    Es gibt zwei häufige Arten und zwei seltene. Sie unterscheiden sich im Geschmack, aber allen gemeinsam ist, dass sie im Alter einen gekammerten bis vollständig hohlen Stiel haben.

    Schlussendlich hat mich auch die Tabelle nicht zu einem befriedigenden Ergebnis gebracht. Alle Abbildungen von Kammtäublingen zeigen Hüte, bei denen die Huthaut bis zum Rand geht, aber diese Pilzchen hier haben alle einen von sehr jung an aufgerissenen Hut. Ich bin dann doch noch zu einer Geschmacksprobe losgezogen: Huthaut abgeschnitten und ein Stück vom Hutfleisch zerkaut. Das war recht scharf. Da ein Freund von uns nächstes Jahr einen Mikroskopierkurs machen wird, sind einige Fruchtkörper jetzt zum Trocknenen im Warmen.

    Da bin ich sehr gespannt, was das ergibt.

    Am 16.11.2023 im Fichtenwald.
    Geflecktblättriger Flämmling - Gymnopus penetrans
    an Holz wachsend.

    Ockertäubling - Russula ochroleuca
    Im Alter werden die Stiele grau, hier recht intensiv. Die Lamellen sind am Grund queradrig verbunden (siehe Pfeil), im Fachjargon nennt sich das Anastomosen.

    Und zuletzt noch drei Mini-Mini-Mini-Pilzchen an Lärchenzapfen. Ich fand sie einfach nur hübsch und so zart und zierlich. Die Hüte waren vielleicht 3 mm hoch, für meine Pilzwaldkamera definitiv zu klein. Das könnte in diese Richtung gehen: Helmling, Scheinhelmling, Schwindling. Die Lamellen scheinen recht weit auseinander zu stehen, und es sieht nach Zwischenlamellen aus.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
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    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Meine Güte, Sabine, welch eine Recherche und viel Arbeit! Beeindruckend. Und dazu alles mit wunderbaren Fotos bebildert. Erstaunlich, was Du auch an Orten findest, die nicht Wald oder Waldrand sind. Hoffentlich wird der evtl. Camembert-Täubling bestimmt werden können.

    Im Alter werden die Stiele grau, hier recht intensiv.

    im Alter einen gekammerten bis vollständig hohlen Stiel haben.

    Mit der Frage schlage ich mich schon länger herum. Sie bezieht sich nicht auf einen bestimmten Pilz, sondern auf Pilze im allgemeinen. Pilze unterliegen ja, wie alles in der Natur, der Veränderung der Zeit. Was heißt, sie werden ihr Aussehen verändern und oft in den letzten Stadien kaum dem jungen Pilz ähnlich sehen. Und wie Du am Beispiel des Täublings zeigst, gehen auch Veränderungen im inneren des Pilzes vor sich.
    In den Pilzbüchern, die ich kenne oder auf der Suche im Netz, werden die Pilze nur in ihrer vollen Schönheit vorgestellt, einen Verlauf vom sehr jungen Pilz über den reifen zum alternden und "gammeligen" Pilz bei einer Pilzart, habe ich noch nie etwas gefunden. Warum ist das so?
    Bei den Schmetterlingen werden oftmals die einzelnen Raupenstadien im Bild gezeigt (die ja auch sehr unterschiedlich sein können), oder auch für Wanzenlarven gibt es Bildmaterial.

    Viele Grüße

    Addi

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    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • einen Verlauf vom sehr jungen Pilz über den reifen zum alternden und "gammeligen" Pilz bei einer Pilzart, habe ich noch nie etwas gefunden. Warum ist das so?

    Weil sich normalerweise kein Speisepilzsammer dafür interessiert.

    Weil man manchmal nur ein Alter findet.

    Weil du noch nicht auf meine Webseite geschaut hast, bei vielen Arten versuche ich das wenigstens.

  • Liebe Naturfreundinnen und Naturfreunde,

    Der Krötenöhrling Otidea bufonia konnte inzwischen mikroskopiert und bestätigt werden.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

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