Wer wohnt in diesen Löchlein? Larve des Sandlaufkäfers

    • bestimmt bis zur Gattung

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    • Wer wohnt in diesen Löchlein? Larve des Sandlaufkäfers

      Heute bin ich auf dem Friedhof gewesen, um nach den Ameisen zu schauen (sie haben das Unwetter relativ gut überstanden).
      Dort gibt es mitten auf einer Wiese, den ich "Sand-Heide-Bereich" nenne, eine interessante Stelle. Sehr sonnenexponiert und somit ideal für Grabwespen und Konsorten. Es sind alte leere Grabfelder, die sowieso schon abgesackt waren und denen der Starkregen nun den Rest gegeben hat. Man musste da also wirklich aufpassen, nicht eine Etage tiefer zu rutschen...





      Bei meinem letzten Besuch dort, habe ich schon diese seltsame Bewohner gesehen, die nur für einen Bruchteil einer Sekunde aus dem Loch gucken und gleich wieder verschwinden. Heute sind mir einigermaßen vernünftige Bilder gelungen. Ich würde gerne wissen, w e r da in dem Loch sitzt und ob die Löcher im Inneren vielleicht sogar verbunden sind. Es kamen mal ein, mal zwei Köpfe heraus und ich wurde irgendwie an Puppen erinnert, die aus- und wieder eingezogen wurden...
      Aber sie kommen nur bis zum Lochrand hoch und kein Stückchen weiter. Ich wusste nie, aus welchem Loch der nächste guckte, da war das Fotografieren ein Glücksspiel...

      Hier die Löcher im Überblick. (Löcher gab es dort übrigens viele, in ganz verschiedener Bau- und Machart).



      Links guckt...



      Links und ein wenig rechts guckt...




      Nun ist rechts weiter oben...



      Ich habe keine Idee, was ich da genau sehe. Nur Kopf, Kopf und ein Stück Körper oder oder oder...

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Vielen Dank, Sabine.
      Damit konnte ich nun weitersuchen und hatte den Eindruck, dass dies die Larve des Sandlaufkäfers sein könnte. Die Larve sieht ja eher speziell aus, das Imago ist dann ein hübsches Kerlchen!
      Der Lebensraum würde stimmen.

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Friedhof Reuschenberg in Leverkusen-Küppersteg.
      Er ist ziemlich groß. Wenn ich gleich ein wenig wacher bin... :57: , schicke ich Dir eine Skizze per Konversation wie man zu dieser Stelle hinkommt. Ich habe mir selber eine Karte erstellt, weil ich oft dort bin von wegen der Ameisen.
      Vor dem großen Regen gab es dort auch einen Sandhügel. Entweder hat es denn abgeschwemmt oder er wurde normal abgetragen. Aber auch so ist dort so einiges zu sehen...
      Die Beiden waren dort gestern u. a. auch unterwegs...



      Und schwer bei der Arbeit...



      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Glückwunsch zu Deiner Geduld. Die Larven der Cicindeliden lassen sich bei der geringsten Erschütterung des Bodens einfach in ihren Gang runter fallen und man muss schon ein Stück warten, bis sie wieder hoch kommen. Der Fläche nach zu urteilen, sollte es Cicindela hybrida sein, ich kann es aber nicht sicher sagen. Musst Du mal schauen, denn die Käfer dürften noch unterwegs sein.

      Die Larven der Cicindela-Arten haben einen Feind, eine kleine Wespenart. Methocha ichneumonides. Weibchen kleiner als die Männchen und ohne Flügel (Männchen mit Flügeln). Die Weibchen sind, wenn man sich Bilder im Net mal ansieht, sehr schlank gebaut und nutzen aus, dass die Larven der Cicindeliden einfach alles erbeuten, was an ihnen vorbei latscht. Das Weibchen von Methocha geht also gezielt in die Nähe der Larven. Die Larve stürzt hervor und packt das Weibchen mit den Kiefern. Das Weibchen reagiert blitzschnell. Da sehr schlank, können die Kiefer sie nur halten, aber nicht verletzen. Im Moment des Zugriffs stößt das Weibchen der Larve ihren Stachel in die Kehle und paralysiert die Larve mit einem Gift. Die Larve reagiert sofort und lässt sich entweder in ihr Loch zurück fallen oder kommt aus dem Loch raus und hastet einige Zentimeter vor, bevor das Gift wirkt und die Larve komplett lähmt, so dass sie nach wenigen Zentimetern zusammen bricht. Methocha packt die Larve, zerrt sie in den Ganz zurück, legt ein Ei an die Larve, verlässt den Gang und verschließt ihn. Die aus dem Ei schlüpfende Larve frisst erst das Fettgewebe, dann die Muskulatur, dann die unwichtigen Organe und schließlich den Rest. Die Cicindelen-Larve stirbt also erst ganz am Ende dieses Schmauses.

      Interessant ist auch das Paarungsverhalten. Die Männchen haben, wie oben erwähnt, im Gegensatz zum Weibchen Flügel. Sie sind nicht ganz doppelt so groß. Das Weibchen wird regelrecht überfallen. Heißt, das Männchen fliegt an, packt sich das Weibchen mit den Beinen und verschleppt es einfach, um sich dann mit ihm zu paaren. Die Verbreitung der Art auf neue Sandflächen mit Cicindelen erfolgt also letztendlich über das Paarungsverhalten der Männchen, weil diese die Weibchen durchaus auch recht weit wegschleppen können, bevor sie sich an geeigneter Stelle verpaaren und das Weibchen dann dort zurück lassen.

      Es lohnt sich auf Flächen mit Cicindelen-Besiedlung Ausschau zu halten, ob man Methocha findet. Allerdings ist Methocha nicht so arg häufig und kommt nicht in jeder Fläche vor.

      Liebe Grüße
      Klaas
    • Stimmt, es brauchte wirklich einiges an Geduld, um die Larven zu erwischen. Hätte ich gewusst, dass sie so empfindlich auf Vibrationen reagieren, hätte ich mich noch vorsichtiger verhalten.
      Ich stand, so tief es meine rheumatischen Knochen zuließen, nach vorne gebeugt, Kopf unten, den Allerwertesten oben - zum Glück war das am Ende des Friedhofs, wo sich nicht viele Leute herumtreiben...
      und wartete... (jetzt weiß ich, wie sich die "Nähmaschine" der Biathleten am Schießstand anfühlt!), der Sucher beschlug, da ich ja in der knalligen Sonne stand.
      Aber es hat sich mehr als gelohnt für mich und war aller Mühen wert! Ich fühlte mich nur leicht genarrt, weil die Köpfchen nur Bruchteile nach oben kamen und dann wieder verschwanden, wieder kamen, dann länger verschwanden... Würden sie denn auch länger an der Oberfläche bleiben (also ein paar Sekunden), wenn nicht gerade ein Fotograf auf sie lauert? Fasziniert hat mich ihr Löchlein. Kein Bißchen zu groß, so dass es dann mit dem Kopf verschlossen wird, wenn sie hochkommt.
      Dort waren einige Goldwespen unterwegs, teils recht neugierig, nicht nur immer wieder in die Löcher guckend, sondern auch mal ganz hinein... - die, die ich gesehen habe, kamen aber alle wieder raus!
      Wie tief ist denn in etwa so ein Loch?

      Die Methocha ichneumonides ist ja ganz raffiniert! Schon irre, was sich die Natur da "ausgedacht" hat, um die eigene Art überleben zu lassen! Für die Larve ist es natürlich nicht das schönste Ende, da es ja auch noch so lange herausgezögert wird...
      Ich habe gerade nachgeschaut, wie sie aussehen und sie ähneln doch sehr den Ameisen, zumindest auf den ersten Blick. Ich habe auch Ameisen (oder Ameisenartiges) dort herumlaufen sehen, aber mich nur auf die Löcher konzentriert. Ich werde auf jeden Fall baldmöglichst wieder hinfahren und sowohl nach den Käfern, als auch nach der Wespe Ausschau halten!
      Absolut spannend!

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Addi schrieb:

      Aber es hat sich mehr als gelohnt für mich und war aller Mühen wert! Ich fühlte mich nur leicht genarrt, weil die Köpfchen nur Bruchteile nach oben kamen und dann wieder verschwanden, wieder kamen, dann länger verschwanden... Würden sie denn auch länger an der Oberfläche bleiben (also ein paar Sekunden), wenn nicht gerade ein Fotograf auf sie lauert? Fasziniert hat mich ihr Löchlein. Kein Bißchen zu groß, so dass es dann mit dem Kopf verschlossen wird, wenn sie hochkommt.
      Ja, Addi ,das hat sich wohl gelohnt !

      Nimm doch nächstes Mal einen Klappstuhl .Da kannst du wackelfrei,bequem nach unten fotografieren .
      Hier zum xten mal die Larve vom Bergsandlaufkäfer und der verfestigte Eingangsbereich.


    • Addi schrieb:

      Stimmt, es brauchte wirklich einiges an Geduld, um die Larven zu erwischen. Hätte ich gewusst, dass sie so empfindlich auf Vibrationen reagieren, hätte ich mich noch vorsichtiger verhalten.
      Ich stand, so tief es meine rheumatischen Knochen zuließen, nach vorne gebeugt, Kopf unten, den Allerwertesten oben - zum Glück war das am Ende des Friedhofs, wo sich nicht viele Leute herumtreiben...
      und wartete... (jetzt weiß ich, wie sich die "Nähmaschine" der Biathleten am Schießstand anfühlt!), der Sucher beschlug, da ich ja in der knalligen Sonne stand.
      Aber es hat sich mehr als gelohnt für mich und war aller Mühen wert! Ich fühlte mich nur leicht genarrt, weil die Köpfchen nur Bruchteile nach oben kamen und dann wieder verschwanden, wieder kamen, dann länger verschwanden... Würden sie denn auch länger an der Oberfläche bleiben (also ein paar Sekunden), wenn nicht gerade ein Fotograf auf sie lauert? Fasziniert hat mich ihr Löchlein. Kein Bißchen zu groß, so dass es dann mit dem Kopf verschlossen wird, wenn sie hochkommt.
      Dort waren einige Goldwespen unterwegs, teils recht neugierig, nicht nur immer wieder in die Löcher guckend, sondern auch mal ganz hinein... - die, die ich gesehen habe, kamen aber alle wieder raus!
      Wie tief ist denn in etwa so ein Loch?

      Die Methocha ichneumonides ist ja ganz raffiniert! Schon irre, was sich die Natur da "ausgedacht" hat, um die eigene Art überleben zu lassen! Für die Larve ist es natürlich nicht das schönste Ende, da es ja auch noch so lange herausgezögert wird...
      Ich habe gerade nachgeschaut, wie sie aussehen und sie ähneln doch sehr den Ameisen, zumindest auf den ersten Blick. Ich habe auch Ameisen (oder Ameisenartiges) dort herumlaufen sehen, aber mich nur auf die Löcher konzentriert. Ich werde auf jeden Fall baldmöglichst wieder hinfahren und sowohl nach den Käfern, als auch nach der Wespe Ausschau halten!
      Absolut spannend!

      Viele Grüße
      Addi
      Du wirst es eher nicht schaffen, Dich den Löchern so zu nähern, dass Du keinerlei Erschütterung erzeugst, die die Larven nicht spüren können. Unser Körper ist dafür zu schwer.

      Die Goldwespen können da problemlos rein kriechen. Zum einen passen sie nicht in das Beuteschema der Larven, zum anderen die Larven nicht in das Beuteschema der Goldwespe. Diese inspiziert das Loch nur, weil es einem potentiellen Wirt gehören könnte. Und diese gehören bei den Goldwespen meist zu den Hymenoptera und graben halt auch Löcher in den Boden.

      Tiefe der Löcher, wenn ich es richtig im Kopf habe, bis zu 30 cm. Die Larven haben am Rücken einen Haken, mit dem sie sich in der Wand des Ganges verankern können, so dass sie bestimmen können, wie tief sie drin sitzen. Haben sie Beute gemacht (in der Regel Ameisen), sitzen aber ganz unten zum Fressen.

      Liebe Grüße
      Klaas
    • Vielen Dank, Werner. Das sind ja eindrucksvolle Fotos! Wie hast Du denn das Portrait der Larve so gut hinbekommen... (mit dem Klappstuhl?) Respekt!

      Danke, Klaas. Das erklärt mir, dass die Goldwespen in diesem Falle schadlos wieder rauskamen! An einem anderen Ort vor einiger Zeit ist ja auch eine Goldwespe in so ein Loch gekrabbelt, kam dann aber wieder postwendend raus, da dort eine Grabwespe (denke ich...) wohnte und sie hinausbeförderte.
      30 cm tief buddeln sie die Löcher, ganz schön tief!

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Addi schrieb:

      30 cm tief buddeln sie die Löcher, ganz schön tief!

      Man achte auf das kleine Wörtchen "bis". Bis zu 30 cm tief. Das heißt nicht, dass sie pauschal so tief sind. Meist eher deutlich weniger. Nach meiner Erfahrung hat man Maximalwerte mal gemessen, aber unter vielen Werten sind es dann einzelne, die miest stark abweichen.

      Liebe Grüße
      Klaas
    • Nun, auf jeden Fall finde ich es immer eine große Leistung, was kleine Tiere wie Insekten an "Räumlichkeiten" anlegen können oder auch z. B. die Uferschwalbe, die Ameisen, Maulwürfe, Biber... Der Vergleich hinkt zwar, aber wenn man diese Arbeit im Verhältnis zum Menschen stellen würde, da müssten wir ganz schön ackern (alleine!, ohne schweres Gerät...).

      Dann werde ich beim nächsten Versuch einmal schauen, ob ich mit meiner "Aufstehhilfe" mehr Erfolg haben werde...

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Die Leistungen von Insekten sind so oder so erstaunlich. Was sie bauen, mit wieviel Fleiß und wie akkurat, das verlangt wohl jedem ein Staunen ab. Wenn es um Tiefe geht und das "bis", passt Typhaeus typhoeus, der Dreihorn-Mistkäfer gut ins Bild. Dieser Käfer legt für den Nachwuchs einen Gang an. Optimal wäre einfach senkrecht in den Boden, aber wer denen mal mit dem Finger hinterher gepopelt hat, der weiß, dass der nie senkrecht wird. Dafür gehen vom Gang aber links und rechts kleine Kammern ab, welche der Käfer, je nach Örtlichkeit, mit Kaninchen- oder Schafskot füllt (laut Literatur). Im Endeffekt ist die Kotart aber wohl völlig schnuppe und eher der sandige Untergrund von entscheidender Bedeutung, denn ich habe sie zumindest auch schon massenhaft auf Rinderweiden angetroffen, wenn diese auf Sandboden angelegt waren.

      Nun der Punkt, auf den ich hinaus wollte: Untersuchungen haben ergeben, dass dieser Brutgang bis zu 150 cm tief in den Boden reichen kann. Aber auch hier wieder das Extrem. In Abhängigkeit vom Untergrund und in Abhängigkeit von der Masse Brutsubstrat, die zur Verfügung steht. Findet der Käfer nur ein paar Kaninchenköttel, die ausreichen, drei oder vier Brutzellen anzulegen, dann macht es wenig Sinn noch tiefer zu buddeln, auch wenn der Untergrund es zuließe. Hat er seinen Gang auf einer Rinderweide angelegt, ist das Brutsubstrat sicherlich in ausreichender Menge vorhanden, um deutlich mehr Brutkammern anzulegen, klappt aber nicht, wenn nach 30 cm lehmiger Boden kommt. Lange Rede, kurzer Sinn: in der Regel reichen die Gänge ca. 50 cm tief in den Boden. Auch hier die 150 cm erreichbar, aber wohl in einem von tausend Fällen oder noch geringer. ca. 50 cm ist der Standard.

      Erstaunlich ist und bleibt es trotzdem...

      Liebe Grüße
      Klaas
    • Addi schrieb:

      Nun, auf jeden Fall finde ich es immer eine große Leistung, was kleine Tiere wie Insekten an "Räumlichkeiten" anlegen können oder auch z. B. die Uferschwalbe, die Ameisen, Maulwürfe, Biber... Der Vergleich hinkt zwar, aber wenn man diese Arbeit im Verhältnis zum Menschen stellen würde, da müssten wir ganz schön ackern (alleine!, ohne schweres Gerät...).
      Ja,Addi diese Leistungen der Arten bzw.einer Gattung sind es ,welche mich besonders begeistern.
      Die Unterscheidung der Arten einer Gattung ,manchmal nur an inneren Merkmalen unterscheidbar,ist für mich eher nebensächlich.
      Das haben Wissenschaftler längst niedergeschrieben,und auch manchmal wieder umgeschmissen.

      Deine Neugier diesbezüglich ,gefällt mir !