Mein tägliches Viech 2021

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    • Wochenrückblick 19. - 25.7.2021

      So, jetzt will ich euch nicht weiter warten lassen. Hier kommt nun die letzte Woche.

      Montag, 19.7.
      Dies ist Tag und Tier 200, ich bin doch ganz angenehm überrascht - über die Vielfalt der Viecher und über mich, dass ich tatsächlich so weit durchghalten habe.
      Im Pinienwald gibt es einfach zu viel Sand, als dass die Grab- oder Sandwespen Kolonien machen würden, wo es "brummt". Man sieht zwar eine ganze Menge Löcher, aber ohne Aktivität.
      Aber dann brauste etwas Schwarz-gelbes an und liess sich praktisch in ein Loch fallen, das ging so schnell, dass ich nichts genaues erkennen konnte. Nach einiger Zeit gab es tatsächlich Aktivität im Loch, kurzzeitig schaute das Etwas heraus und grub dann das Loch von innen zu.



      Ich bin dann bewegungslos stehen geblieben und hoffte auf weitere Aktiviäten. Währenddessen flog in der Nähe etwas, landete hier und da und machte "Probegrabungen". Ein Bienenwolf Philanthus triangulum. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass der erste auch einer ist. Was der allerdings da machte, weiß ich nicht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er (sie, das Graben machen ja nur die Weibchen) mit Biene so schnell im Loch verschwunden wäre... aber gesehen habe ich eben nichts. Nach über 20 Minuten habe ich aufgegeben.



      Dienstag, 20.7.
      Nun ist das endgültig die letzte der "Joker-Wanzen" Spilostethus pandurus - auf Deutsch der Pandur laut wikipedia. Aber, @Sabine Flechtmann auch wenn ich sie häufig sehe, mag ich Wanzen auch gerne. So habe ich meine Insekterei angefangen: sie sind relativ groß und bunt und nicht so schnell weg wie Schmetterlinge. Und dieses scheints unerschöpfliche Thema mit Variationen: rot mit schwarz ist einfach faszinierend.



      Die Bienenfresser unterhalten sich schon über ihre Abreise.



      Mittwoch, 21.7.
      Auch eher ein Joker, jedenfalls sieht man den Kleinen Feuerfalter Lycaena phlaeas doch recht häufig.



      Und diese hübsche Wespe - Braconidae kann man leider nicht bestimmen. Der lange Legestachel deutet jedenfalls daraufhin, dass sie ihre Eier tief versteckt legt - in eine Raupe im Holz???



      Donnerstag, 22.7.
      Und jetzt muss ich leider eine Korrektur anbringen. Am 20.6. (hier, oder zumindest auf dieser Seite) hatte ich eine Grabwespe als Bembix rostrata gezeigt. Das ist falsch, vielleicht ist es Bembix zonata, aber sicher eben nicht zu sagen.
      Das Viech dieses Tages wird deshalb der Europäische Fransenfinger (die "Rotschwanzeidechse") Acanthodactylus erythrurus.



      Für diesen heutigen Tag kann ich eine sicher bestimmte Bembix Grabwespe angeben: Bembix oculata. Die hatte ich letztes Jahr "gelernt", als ich das Spinnenopfer mit dem Flügelöffner fand und mich über die Lebensweise informierte. Die Männchen brauchen den Flügelöffner, weil sie Weibchen von der Blüte pflücken und als "Überfall-Kopula" praktisch vergewaltigen.
      Hier sieht man zwei Männchen beim Anflug an ein Weibchen - wenn man genau schaut, sieht man links ein bisschen von der Antenne und einem Bein eines Weibchens. Es gab mehrere Anflüge, aber keiner war erfolgreich, vielleicht weil die Minze doch mehr Versteckmöglichkeiten biete, als wenn das Weibchen auf einer Einzelblüte säße.


      Meist hat die Art einzelne Flecken "oculata", die können manchmal aber auch mit dem schwarzem Band verschmelzen - wie hier. Die Männchen sind eher silbergrau, die Weibchen gelb.



      Freitag, 23.7.
      Auch eine Wanze, allerdings kein Joker, denn so häufig sehe ich die nicht. Camptopus lateralis heißt auf Deutsch angeblich Sichelbein (das erinnert mich eher an einen Pirat :19: ) Familie: Alydidae, Krummfühlerwanzen.



      Samstag, 24.7.
      Wieder mal im Pinienwald. Als erstes sah ich ein winziges Zweiglein, das sich seltsam bewegte. Eine Nymphe der Haubenfangschrecke Empusa pennata. Da hatte ich ja schon mal eine, die war wenigstens nicht ganz so winzig. Unfotografierbar. Bei der Art überwintern die Adulten, d.h. Jungtiere kann man das ganze Jahr über finden.



      Und noch ein Baby, von der Wespenspinne Argiope lobata. Hier warte ich als Tier des Tages auf eine größere.



      Das Viech des Tages ist das Weibchen der Südlichen Heidelibelle Sympetrum meridionale. Ich habe gelesen, dass gerade Weibchen, bevor sie reif zur Paarung sind, sich weit weg vom Wasser aufhalten und so den Männern aus dem Weg gehen.


      Sonntag, 25.7.
      Ich war "weit weg" am Strand von Málaga (ca. 50 km). Ein ausführlicher Bericht folgt noch. Hier nur das Viech des Tages, eine Krabbe Pachygrapsus marmoratus. Da war ich sicher nicht das letzte Mal.

      Liebe Grüße
      Susanne
    • Deine Fotos mit den erklärenden Berichten haben mir heute morgen viel Freude gemacht und weitere Anstöße gegeben, das ein und andere nachzulesen! Toll, danke!
      Die Wespen hast Du wunderbar getroffen und das Ausharren vor den Löchern habe ich in der letzten Zeit ja auch ein paar Mal praktiziert... 20 Minuten sind allerdings eine Menge Geduld! :78:
      Die Bembix oculata hast Du so klar im Flug getroffen, gar nicht so einfach! Das Verhalten der Männchen ist allerdings sehr "fragwürdig"... 8o
      Die rote Wespe mit dem langen Legestachel hat mich auch beeindruckt! Der muss doch beim Fliegen ziemlich hinderlich sein.
      Die Wespenspinne ist also ein Baby... Aus der Perspektive sieht sie allerdings schon sehr groß aus, was natürlich täuschen kann. Mir würde das schon reichen! :42:
      Wanzen haben es mir auch angetan. Die Farben- und Formenvielfalt... Stimmt, sie sind nicht so schnell weg wie Schmetterlinge oder Ameisen. Aber wenn sie keine Lust auf ein Foto haben, können sie auch ganz schön aufdrehen...!
      Die Haubenfangschrecke hat eine tolle Tarnung! Wenn sie sich nicht bewegt hätte, wäre sie wahrscheinlich kaum auszumachen gewesen.
      Und dazu noch die anderen Tiere... - ein wunderschöner Bericht für den Morgen.

      Viele Grüße
      Addi
      Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
      Ich hob ihn auf. Er war so schön!
      Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.

      (Calvin O. John, Ute-Navajo)
    • Liebe Addi,
      schön, dass du meine Berichte immer gleich liest und auch kommentierst!

      Ja, dass die "Bembix-Kampfbomber" so gut geworden sind, hat mich auch überrascht. Ich habe noch gar nicht rausgekriegt, was für Beute sie eigentlich vergraben. Aber ich hoffe ja immer noch, dass ich das auch mal sehen kann.
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Liebe Susanne,
      auch diese Folge liest und schaut sich wieder spannend und vor allem auch unterhaltsam. Mir gefällt die Krummfühlerwanze gut, die hat ja ganz dicke Stacheln an der Unterseite der Hinterbeine, wozu sie die wohl braucht? Klasse auch die im Flug erwischten Bembix oculata. Bei der Haubenfangschrecke ist eigentlich am überraschendsten, dass du sie überhaupt entdeckt hast, die ist perfekt getarnt, nicht nur in der Farbe, sondern auch als Gestrüpp getarnt. Argiope lobata, eine der schicksten Spinnen überhaupt, die würde ich auch gern mal sehen. Wenn du zu deinem Strandtag einen eigenen Beitrag planst, dann bin ich gespannt, was du da alles entdeckt hast.
      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)