rätselhafte Fliegenmaden (Vorsicht: hoher Ekelfaktor)

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    • rätselhafte Fliegenmaden (Vorsicht: hoher Ekelfaktor)

      Liebe Naturfreunde,
      mich ekelt es ja nur sehr selten, nicht die Wurmlarven, die die Fühler von Bernsteinschnecken zum Pulsieren bringen und auch nicht hungrige Mäuler. Aber das ist selbst für mich mit hohem Ekelfaktor belegt. Mein regelmäßig besuchter "Leuchtplatz" ist die konventionell beleuchtete Garagenzeilenfront zwischen zwei Hochhäusern. Neben dem Treppchen befindet sich die Mülltonnengarage mit Großraummülltonnen.



      Schon am Samstag Abend war dieser Durchgang voller Fliegenmaden. Sie krabbeln die Wand hoch und stürzen irgendwann wieder zu Boden.



      Am nächsten Morgen ist alles wieder picobello, keine Maden mehr zu sehen. Die größte Konzentration der Maden ist vor der Mauer.



      Letztes Jahr war es einmal noch viel doller. Sie schienen prozessionsartig von den Mülltonnen zu kommen und zum Licht zu robben.



      Nun habe ich gelesen, dass Fliegenmaden nicht nur an vergammelnden Fleischresten leben, sondern auch im Boden leben können. Für die Herkunft aus den Mülltonnen waren es auf dem Weg dorthin eigentlich nicht genügend Individuen. Aber zwischen den Bodenfliesen, mit grünem Pfeil markiert, da ist Erde und eben keine Oberflächenversiegelung. Letztes Jahr konnte ich beobachten, wie die Maden von Minute zu Minute mehr wurden, es war hinterher regelrecht weiß am Boden.

      Sind Fliegenmaden nachtaktiv? Kommen sie nun aus den Mülltonnen oder aus dem Boden? Streben sie ans Licht? Warum sind sie am nächsten Morgen alle wieder weg? Sind sie wieder in den Boden zurück? Haben Vögel ein reich gedecktes Büffet kahlgefressen? Derzeit scheinen aber keine Vögel Küken zu versorgen zu haben.

      Tut mir leid, dass das Thema so ekelig ist, aber auch das ist Natur, und ich würde gern verstehen, was ich da beobachte.
      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)
    • Liebe Sabine,
      da ich im Augenblick alles unter dem Aspekt der Futterbeschaffung für Jonathan sehe, ist der Ekelfaktor gerade nicht so hoch.

      Soviel ich weiß, leben Fliegenmaden von faulenden eiweißhaltigen Stoffen und haben es da gerne feucht und warm. Eine Mülltonne ist also ideal. Ich hatte mal welche in der Katzenscheiße-Tonne. Zum Verpuppen wollen sie es dann gerne trockner - bei mir am Mülleimerdeckel. Warum die bei dir allerdings so weit laufen, die Mülltonne runter, über den Weg und die Wand wieder hoch, kann ich mir auch nicht vorstellen. Und ausserdem müsste man dann ja die braunen Puppen an der Wand sehen.
      Oder dass plötzlich das Klima in ihrem Substrat nicht mehr stimmt und sie geflüchtet sind? Auch das erklärt nicht, warum sie am nächsten Morgen wieder weg sind.
      Ich weiß nicht, ob es Fliegenarten gibt, die sich im Boden entwickeln, ich weiß auch nicht ob jemand ausser einem forensischen Entomologen Fliegenmaden bestimmen kann, aber ein Makrofoto hätte ich schon gerne gesehen...
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Liebe Sabine,

      Bekanntschaft mit Fliegenmaden habe ich auch immer mal gemacht. Besonders hier in der Bio-Tonne sind sie schon herumgekrabbelt - vermutlich entstanden in Fleisch- oder Knochenresten. Ich finde sie live sehr eklig. Auf deinen Bildern sind sie ja nur sehr klein zu sehen. Also komme ich damit gut klar. Ich schalte einfach meine Fantasie aus...

      Leider habe ich auch keine Erklärung für dieses eklige Phänomen.
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Ich denke, da alle in so ziemlich der gleichen Größe, dass es verpuppungsreife Tiere sind. Eine Verpuppung in der Mülltonne finde ich nicht obligatorisch, sondern eher fakultativ. soll heißen, dass es einzelne Exemplare gibt, die sich in der Mülltonne verpuppen, das Gros aber von der Mülltonne abwandert und einen anderen Verpuppungsplatz sucht. Möglicherweise würde man in der Erde zwischen den Steinen fündig, aber nicht zwingend, denn die Nacht ist lang und die Maden können sonst wo hin krabbeln.

      Das Besteigen der Mauer ist nichts anderes, als das, was wir machen, wenn ein großes Hindernis im Weg steht. Um einen Berg herum latschen ist viel zu Zeit aufwändig und kostet unter Umständen Tage, während drüber latschen einfach nur ein paar Stunden kostet. Für die Larven ist dieser "Berg" zu hoch, und im Schwierigkeitsgrad wesentlich zu kompliziert. Sie fallen wieder runter, begreifen das aber nicht sofort und versuchen es immer mal wieder. Im großen und ganzen wirst Du eher die Tendenz beobachten können, dass sie unterhalb der Wand lang krabbeln. Auf diese Art und Weise werden sie sich im Laufe der Nacht verteilen.

      An sich sind Fliegenmaden lichtscheue Gesellen. Durch die pralle Sonne über den Boden krabbeln, auf der Suche nach einem Platz für die Verpuppung, wird wohl in nahezu 100% der Fälle eher zum Tod der Larve führen, als dass sie sich verpuppt. Ich habe mich vor gut 40 Jahren mal mit einem Geologen am Kaiserstuhl unterhalten, der mir sagte, dass dort im Sommer die Temperatur unmittelbar am Boden bis zu 100 °C (!) betragen kann. Wird bei Euch in SH nicht der Fall sein. Aber 50 °C oder 60°C werden bei Euch garantiert auch erreicht. Da verbruzelt jede Fliegenmade, oder vertrocknet zumindest, wenn sie sich längere Zeit in der Sonne aufhält. Also weichen sie dem Sonnenlicht aus, was bedeutet, dass, sobald der Deckel der Mülltonne geöffnet wird, sie die Flucht ins Dunkle antreten. Genau so wie Asseln oder andere Tiere, die sich tagsüber unter Steinen und anderen Gegenständen verstecken, die man umdreht. Hat bestimmt jeder schon mal beobachtet. Nachts sind aber alle Katzen grau. Es ist zappenduster, die Sonne brät nicht auf das Land und die Organismen nieder, sondern die Kühle und Feuchte der Nacht ist zu spüren. Die Maden haben alle Zeit der Welt und können sich in aller Seelenruhe bewegen, wie sie wollen. Als Orientierungshilfe dürfte auch bei ihnen das Mondlicht fungieren (Theorie, ich weiß es nicht, würde ihr Verhalten aber erklären), so dass sie, kommen sie näher an die künstliche Lichtquelle, das Mondlicht nicht mehr sehen können, weil es vom Lampenlicht überdeckt wird, und sich am Lampenlicht orientieren und somit zwangsläufig erstmal auf die Lampe zu krabbeln, sich aber wohl im Laufe der Morgendämmerung dann verlieren werden.

      Drei Dinge dürften hierbei schlussendlich Fakt sein:

      1. Die Tierwelt weiß um das Phänomen und wird sich dort einfinden und von den Mengen Fliegenmaden profitieren. Alles, was nachtaktiv Jagd auf andere Organismen macht, wird sich dort seinen Teil holen und somit für mehr oder weniger große Verluste unter den Maden sorgen.
      2. Die Maden verteilen sich letzten Endes über die Beete und Wiesen in denen sie sich verpuppen, so sie diese erreichen. aufgrund des großen Flächenangebots und der Verluste durch Räuber, wird man aber nur wenige Puppen pro m² haben, so dass diese selbst, wenn man den Boden umgräbt, nicht auffallen.
      3. Die Abwanderung aus den Mülltonnen wird an dieser einen Stelle offensichtlich, da die Tiere, durch das Licht angelockt, dort in großer Anzahl erscheinen. Es wird aber nur ein Prozentsatz dessen sein, was aus den Mülltonnen raus kriecht, da ein noch größerer Teil der Maden in alle anderen Richtungen weg krabbelt und dem geneigten Beobachter gar nicht auffallen wird.

      Meine Gedankengänge. Ob es der Realität entspricht, lasse ich dahin gestellt.

      Liebe Grüße
      Klaas
    • Liebe Naturfreunde,
      danke für eure Gedanken und Antworten. Susanne hätte für Jonathan II reiche Beute einfangen können.
      Die Maden waren gar nicht so klein, alle ca. 1 cm. Susanne wollte eine Makroaufnahmen. Geht nicht mehr, die Maden waren gestern nicht mehr da, nicht eine einzige.
      Das würde prima zur Theorie von Klaas passen, dass die Maden zur Verpuppung ausschwärmen.
      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)