Pilze im November

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    • Pilze im November

      Liebe Naturfreunde,
      gestern waren wir wieder im Naturschutzgebiet Duvenstedter Brook im Norden von Hamburg. Der Wald ist noch voller Pilze und bietet Fotomotive ohne Ende.

      Ganzjährig zu finden ist der
      Pflaumen-Feuerschwamm - Phellinus tuberculosus #ungeniessbar


      Beutelstäubling - Calvatia excipuliformis


      Rosa Rettichhelmling - Mycena rosea #giftig


      Nebelkappe - Lepista nebularis #giftig


      Grauer Faltentintling - Coprinus atramentarius, in Verbindung mit Alkohol #giftig


      Die letzten Spechte hocken im Wald
      Specht-Tintling - Coprinus picaceus #ungeniessbar


      Die Hutoberfläche jüngerer Exemplare sieht aus wie Rührei:
      Rotrandiger Baumschwamm - Fomitopsis pinicola #ungeniessbar
      Die Guttationstropfen sehen aus wie Wassertropfen.



      Laubholz-Harzporling - Ischnoderma resinosum #ungeniessbar , vergesellschaftet mit dem
      Orangeroten Kammpilz - Phlebia radiata #ungeniessbar


      Die Guttationstropfen vom Laubholz-Harzporling sind goldgelb, und wenn sie eine Weile auf einem darunterliegenden Fruchtkörper verweilt haben, werden sie dunkel weinrot und trocknen wie eine Tintenschicht schwarz ein.



      Geweihförmige Holzkeule - Xylaria hypoxylon #ungeniessbar


      Judasohren - Auricularia auricula-judae
      #essbar
      für Werner ( @Albwanderer )





      Der nächste Baumpilz war für mich eine Zweitbegegnung und bescherte mir die ersten anständigen Fotos der Art:
      Gelbstieliger Muschelseitling - Panellus serotinus #ungeniessbar









      Er fruktifizierte vergesellschaftet mit dem
      Krausen Adernzähling - Plicatura crispa #ungeniessbar





      Zum Schluss fanden wir noch einen Baumstubben mit einem Durchmesser von ca. einem Meter, vermutlich Eiche, an dem 6 Arten fruktifizierten: Schmetterlings-Tramete, Geweihförmige Holzkeule, Herber Zwerg-Knäueling, Gallertfleischiger Fältling, Stockschwämmchen und Eichen-Wirrling.




      Gallertfleischiger Fältling - Phlebia tremellosa #ungeniessbar









      Herber Zwerg-Knäueling - Panellus stipticus #ungeniessbar





      Stockschwämmchen - Kuehneromyces mutabilis #essbar
      Den sollte wirklich nur derjenige sammeln, der den giftigen Doppelgänger Gift-Häubling (Galerina marginata) absolut sicher vom Stockschwämmchen unterscheiden kann! Die beiden Arten können auch gemeinsam auf einem Holzstück wachsen, wie man im Pilzforum sehr gut sehen kann:
      pilzforum.eu/board/thread/4234…3%A4mmchen-oder/?pageNo=1


      Eichen-Wirrling - Daedalea quercina #ungeniessbar
      Diese jungen Exemplare waren zusammen 5 cm breit.


      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)
    • Liebe Naturfreunde,
      am 11.11.2019 waren wir nochmal im Wald unterwegs und haben einige Fotos von Pilzen gemacht.



      So viele Holzkeulen habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
      Geweihförmige Holzkeule - Xylaria hypoxylon


      Eichen-Wirrling - Daedalea quercina
      Diese tolle Lila-Färbung kann man gelegentlich an Eichen-Wirrlingen sehen, sie sollen möglicherweise von Bakterien verursacht werden.


      Beutelstäubling - Calvatia excipuliformis
      Ein Exemplar hatte einen doppelten Kopf, ein Doppelkopf-Spieler?


      Es folgt ein absoluter Freufund:
      Zitterling bisher ohne deutschen Namen - Phaeotremella frondosa
      an Haselnuss (Corylus avellana)



      Zunächst hatte ich den etwa frauenfaust-großen Fruchtkörper als Rotbraunen Zitterling (Tremella foliacea) bestimmt und so auch an die schleswig-holsteinischen Kartierer gemeldet. Die Korrektur kam zeitnah. Die Zitterlinge der Gattung Tremella wurden 2017 nach Genuntersuchungen revidiert und stehen aktuell in der Gattung Phaeotremella. Alle Arten parasitieren auf Schichtpilz-Arten (Gattung Stereum).
      Der ursprüngliche Rotbraune Zitterling Tremella foliacea parasitiert ausschließlich auf dem Blutenden Nadelholz-Schichtpilz (Stereum sanguinolentum) und kommt daher auch nur auf Nadelholz vor.
      An Laubhölzern kommen in Mitteleuropa zwei Arten vor:
      Zitterling ohne dt. Namen - Phaeotremella fimbriata parasitiert auf dem Runzeligen Schichtpilz (Stereum rugosum), der Wirt "blutet" bei Verletzung (anfeuchten und mit dem Fingernagel drüberstreichen).
      Zitterling ohne dt. Namen - Phaeotremella frondosa parasitiert auf dem Runzeligen Schichtpilz (Stereum rugosum, "blutet") und auf dem Striegeligen Schichtpilz (Stereum hirsutum, "blutet" nicht bei Verletzung).
      Heute Abend erreichte mich die Nachricht, dass das der zweite Fund für Schleswig-Holstein ist.


      Und der Wirt (wohl Striegeliger Schichtpilz Stereum hirsutum, blutete nicht)

      Weiterführende Links:
      pilzforum.eu/board/thread/4142…-phaeotremella-fimbriata/
      Bestimmungsschlüssel pilzforum.eu/board/thread/4142…-phaeotremella-fimbriata/

      Auch der Gallertfleischige Fältling ist dieses Jahr besonders häufig zu finden:
      Gallertfleischiger Fältling - Phlebia tremellosa


      Testaufnahme mit dem (nach 8 Jahren endlich!) neuen Telefon


      Den nächsten habe ich bisher nur in Österreich und im Solling gefunden:
      Gemeiner Orange-Becherling - Aleuria aurantia


      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)
    • Liebe Sabine,

      es ist ein Genuss, durch dich in Ruhe schauen zu können, was es jetzt noch so alles an Pilzen im Wald gibt. In der Realität war mir das genaue Anschauen der hiesigen kleinen Männlein einfach schon zu kalt (bin aber auch sehr erkältet).

      Mich faszinieren immer wieder die wunderschönen Details der von dir gezeigten Pilze. Besonders aber schätze ich deine fundierten Erklärungen. Z.B eine solche:

      Sabine Flechtmann schrieb:

      Die Guttationstropfen vom Laubholz-Harzporling sind goldgelb, und wenn sie eine Weile auf einem darunterliegenden Fruchtkörper verweilt haben, werden sie dunkel weinrot und trocknen wie eine Tintenschicht schwarz ein.
      Merken kann ich mir das alles zwar nicht mehr. Aber es bereichert mich dennoch enorm, etwas von der Vielschichtigkeit dieser Lebewesen erklärt zu bekommen.

      Was das Stockschwämmchen und den Gift-Häubling anbelangt, ist dein Hinweis auf den Beitrag im Pilzforum Gold wert. Das dort gezeigte Bild der zwei fast identisch aussehenden Pilze nebeneinander, dürfte jeden erschrecken.
      Treffend und eingängig finde ich den dort von Ralf geäußerten Satz: "Da kann man sehn wie nah lecker oder Leiche beisammen steht."

      Dankeschön! :)
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Liebe Rosmarie und lieber Uwe,
      herzlichen Dank für deine so wohlwollende und umfassende Antwort, Rosmarie. Du machst dir immer besonders viele Gedanken, die du dann für uns aufschreibst. Darüber freue ich mich immer ganz besonders.
      Tja, Uwe, auf geschotterten Wegen habe ich den Orangebecherling auch schon gefunden, aber noch nie hier im Norden.
      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)
    • Liebe Sabine,

      schöne Impressionen aus herbstlichen Tann zeigst du uns, deinen Fred hab' ich gerade noch am Rockzipfel zu fassen gekriegt.

      Da sind einige Funde dabei, die noch auf mich warten, zB das Stockschwämmchen. Unter's Mikro würde ich es mir legen, mehr nicht. Bedingt durch den Respekt vor seinem Verwechslungspartner, dem Gifthäubling. Das alles bestimmende Unterscheidungsmerkmal kenne ich auswendig, ich bleib' trotzdem lieber auf der sicheren Seite ;)

      LG
      Peter
    • Lieber Peter,
      du hast tatsächlich noch nie Stockschwämmchen gefunden? Die sind doch auch in deiner Ecke vertreten, das wundert mich nun doch reichlich.
      Was hast du denn noch auf deiner Noch-nicht-gefunden-Liste?
      Liebe Grüße

      Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
      aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
      Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)