Mein Schneckental

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    • Mein Schneckental

      Mein „Schneckental“ ist das Berntal, ein besonderes Biotop, das unter Naturschutz steht. Es ist ein Quertal zwischen dem Rheintal (NördlicheWeinstraße) und dem Pfälzerwald.





      Die geologische Besonderheit dieses Tales besteht darin, dass es von Kalkfelsen begrenzt wird. Kalk kommt im Pfälzerwald mit seinen Sandböden und Sandsteinfelsen nur extrem selten vor.
      Aber Gehäuseschnecken brauchen Kalk für ihre Häuschen. Kein Wunder also, dass hier in diesem Tal verschiedene Arten Gehäuseschnecken zufinden sind, die ich sonst noch nirgendwo entdeckt habe.
      Hier meine Ausbeute dieses Ausflugs.



      Im Uhrzeigersinn:
      1.Weinbergschnecke (junge)
      2.Bänderschnecke (schräg darüber, sehr verblichen)
      3.Schließmundschnecken
      4.Steinpicker
      5.Weiße Turmschnecke
      6.Riemenschnecke
      7.Weiße Heideschnecke
      8.Große Laubschnecke (nur vermutet, es könnte auchdie Genabelte Strauchschnecke sein)
      9.Glanzschnecke (in der Tellermitte)

      Ausgerechnet vor diesem gnadenlos trockenen und heißen Sommer wurde von Naturschützern ein Teil der Trockenmauern vom Bewuchs befreit.
      Das hat vielen, der dort lebenden Schnecken das Lebengekostet.





      Am besten mit Trockenheit und praller Sonne kommt wohl dieWeiße Heideschnecke (Xerolenta obvia) zurecht. Sie hängt sich gern anGrashalmen auf.



      Diese hier hatte wohl eine bessere Überlebenschance. Sie hat sich in eine Felsspalte verkrochen und lebte noch.



      Die anderen, die ich fand, waren vertrocknet.



      Die im Laufe des Tages auch schattigen Tal-Ecken scheinen die nach innen gewölbten Riemenschnecken zu bevorzugen.





      Wo der Bewuchs über den Kalksteinmauern noch wild wuchert, kommt auch der platte Steinpicker gut zurecht. Er hat mit seiner niedrigen, flachen Form die optimale Figur, um z.B. unter wucherndem Efeu reibungslos durchzukommen.
      Dort habe ich auch die zwei Gehäuse der spitzen, dünnen Schließmundschnecken gefunden.



      Auch diesmal habe ich einige Gehäuse einer runden, kugeligenSchnecke mit großem Nabel (kleiner als die allseits bekannten Bänderschnecken) gefunden.
      Seitdem ich mich mit Gehäuseschnecken befasse, schwanke ich, ob ich sie als Große Laubschnecke (Euomphalia strigella) oder als besonders kompakte Form der Genabelten Strauchschnecke (Fruticicola fruticum) einstufen soll.



      Auch ein paar Glanzschneckengehäuse habe ich gefunden. Sie glänzen tatsächlich stärker als die anderen Gehäuse.



      Ganz besonders hübsch finde ich die Weiße Turmschnecke (Zebrina dedrita) mit ihrem porzellanartigen Glanz. Auch sie hat ein sehr stabiles Gehäuse und hält die pralle Sonne gut aus. Allerdings ist in diesemJahr der Kahlschlag um die Kalksteinmauern vielen Jungtieren zum Verhängnisgeworden.



      Doch für mich hatte er denn doch etwas Gutes. Ich konnte dadurch viele leere Häuschen finden.
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rosmarie ()

    • Hallo Rosmarie

      das ist ein interessantes Thema. So viele unterschiedliche Schneckenhaeuser!
      Dankeschoen fuer deine Fotos und die Erklaerungen zu den Schnecken.

      Ich hatte mal Schneckenhaeuser am Strand gefunden und mitgebracht, Vermutlich sind das Achatschnecken, aber ich weiss das nicht genau.
      Lieber Gruss Annette

      Fachwissen ist keine Entschuldigung fuer schlechtes Benehmen!

      Ignoranz tötet!
    • Liebe Anette,

      danke für deine liebe Antwort! Mich faszinieren auch diese unterschiedlichen Formen der Häuschen. Und überhaupt empfinde ich deren Spiralform als etwas Wunder-, Wunderschönes.

      Mit Meeres- oder überhaupt mit Wasserschnecken kenne ich mich leider nicht aus.
      Allerdings würde ich auch solche Gehäuse sammeln, wenn ich sie fände. :)
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Liebe Rosmarie ,

      Vielen Dank für die Mitnahme auf diese ergiebige Schneckentour.

      Rosmarie schrieb:

      Ausgerechnet vor diesem gnadenlos trockenen und heißen Sommer wurde von Naturschützern ein Teil der Trockenmauern vom Bewuchs befreit.
      Das hat vielen, der dort lebenden Schnecken das Lebengekostet.
      Mit so einem Sommer haben sie bei der Putzete wohl nicht gerechnet.

      Rosmarie schrieb:

      Am besten mit Trockenheit und praller Sonne kommt wohl dieWeiße Heideschnecke (Xerolenta obvia) zurecht. Sie hängt sich gern anGrashalmen auf.
      Schon auf Trockenrasen war es denen zu heiss ,sie hingen von winzig bis centgroß an den Halmen .Wie heiss mag es da in der Mauer gewesen sein ?

      Deine Schneckensammlung ist gleichernmaßen gewachsen wie dein Wissenstand über diese Schleimer. Steinpicker und Schließmundschnecken scheinen bei euch seltener als hier.
      Daß die Schnecken gern in die Höhe steigen galt in diesem Sommer aber auch für kühle und feuchte Schluchten,da waren es aber die Strauchschnecken.

      Schnecken haben anderen Tieren was voraus -sie sind noch im Tode schön.
    • Ich bin platt, liebe Rosmarie. Die hast du alle an einem Tag gesammelt? Jui, da scheint man ja Schneckenhäuschen sammeln zu könen wie ich Muscheln am Rhein. Allerdings nur eine Art.

      Ich finde das Klasse, wie du sie alle bestimmen kannst. Ich versuche die Lebenden oft erst gar nicht zu bestimmen. Ein schönes Foto muß reichen.

      Liebe Grüße
      Sabine II
      Solange es Menschen gibt die denken, dass Tiere nicht fühlen,
      müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
      (Noah)
    • Liebe Rosmarie,
      ich bin schwer beeindruckt, wie viele Schneckenhäuser du gefunden hast. Du hast dieses Biotop sehr schön und interessant präsentiert, und die Vielfalt an verschiedenen Schneckenarten ist klasse. Traurig zu lesen ist, dass die "Pflegemaßnahmen" die Schnecken gar nicht berücksichtigt haben.

      Tigerface schrieb:

      Gibt es hier im Forum die Moeglichkeit, PNs zu schreiben? Ist das Konversation?
      @Tigerface Ja, Private Nachrichten heißt hier "Konversation". Und es gibt auch noch den Hilfebereich, wo alles dargestellt wird.
      Liebe Grüße

      Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
      aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
      Immanuel Kant (1724 - 1804)
    • Liebe Rosmarie,

      sag bloß, du wohnst da in der Ecke? Das Berntal kenn ich selber schon und die Kalkfelsen habe ich auch schon besucht. Die Familie meiner Freundin wohnt quasi in direkter Nachbarschaft und weil die Vogelwelt des Berntals auch viel zu bieten hat, war ich schon häufiger da. Die tollen Turmschnecken habe ich trotz ihres Glanzes allerdings einfach übersehen. Sowas! Aber beim nächsten Besuch werde ich nach denen schauen und bestimmt auch die eine oder andere finden.
      Beste Grüße,
      Stefan

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      Lifelist:
      Vögel (D):225, Kurzschnabelgans
      - (Welt): 248, Kurzschnabelgans
      - (Garten): 92, Löffelente
      - (2018): 209, Raubwürger
      Wirbeltiere (außer Vögel): 60, Schweinswal
      Wirbellose (nur extern bestätigte Lebendfunde): 338, Großer Frostspanner
    • Werner schrieb:

      Mit so einem Sommer haben sie bei der Putzete wohl nicht gerechnet.
      Lieber Werner,

      ja, dass solch eine Mauerputzaktion genau vor solch einem extremen Sommer angesetzt würde, damit haben die Einsatzkräfte sicher selbst nicht gerechnet. Die Umgebung der Weinstraße ist ja immer heiß. Aber dass monatelang kein oder fast kein Regen käme, wer sollte damit schon rechnen?
      Der Einsatz dürfte in diesem geradezu tropisch wuchernden Tal sowieso mühsam gewesen sein. Erstens ist der Bewuchs wirklich extrem und zum anderen dürften auch jede Menge Brombeeren darunter gewesen sein.
      An sich ziehe ich den Hut vor den Leuten (oft ja ehrenamtliche Naturschützer).

      Werner schrieb:

      Schon auf Trockenrasen war es denen zu heiss ,sie hingen von winzig bis centgroß an den Halmen .Wie heiss mag es da in der Mauer gewesen sein ?
      Verstehe ich dich richtig, dass du meinst, dass es in der Mauer vielleicht noch heißer war als davor an den Halmen?
      Ich habe mich auch gefragt, warum gerade dieses Schneckchen noch gelebt hat. Ich dachte, dass es nachts und morgens vielleicht Kondenswasser an den Steinen gab, das zum Überleben ausgereicht hat?

      Werner schrieb:

      Steinpicker und Schließmundschnecken scheinen bei euch seltener als hier.
      Daß die Schnecken gern in die Höhe steigen galt in diesem Sommer aber auch für kühle und feuchte Schluchten,da waren es aber die Strauchschnecken.
      Ja, da hast du Recht! Steinpicker finde ich nur ganz selten (zwei lebende in der Rhön), hier in der Südwestpfalz überhaupt noch nie. Schließmundschnecken scheint es hier auch zu geben. Aber wie alle Gehäuseschnecken nur sehr selten.

      Die Genabelten Strauchschnecken brauchen meiner Meinung nach feuchteren Lebensraum als den im Berntal. Hier habe ich vor Jahren einige in Bachnähe gefunden. Auf dem Trockenen scheinen sie nicht gut zurecht zu kommen.

      Ich denke noch an deine tollen Bilder aus der Schlucht. Vor allem ist mir der Schneckenfresser mit seinem Opfer noch eindrucksvoll in Erinnerung! :eek:

      Werner schrieb:

      Schnecken haben anderen Tieren was voraus -sie sind noch im Tode schön.
      :79: Wo du Recht hast, hast du Recht! :79: (Nur - nutzen tut das den Schnecken auch nichts.)
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Rosmarie ()

    • Natura schrieb:

      Ich bin platt, liebe Rosmarie. Die hast du alle an einem Tag gesammelt? Jui, da scheint man ja Schneckenhäuschen sammeln zu könen wie ich Muscheln am Rhein. Allerdings nur eine Art.

      Ich finde das Klasse, wie du sie alle bestimmen kannst. Ich versuche die Lebenden oft erst gar nicht zu bestimmen. Ein schönes Foto muß reichen.
      Liebe Sabine,

      die habe ich in nur ca. zwei Stunden gesammelt. Da die Sonne ziemlich knallte und mein Kreislauf bei dem ständigen Bücken ein bisschen schwächelte und ich Angst hatte, plötzlich umzukippen, bin ich noch nicht mal bis ans Ende des Tales gelaufen und auch nicht oben am felsigen Rand zurück. Eigentlich sind dort hauptsächlich die Heideschnecken auf den Trockenrasen.
      Mir haben meine Funde gelangt. Ich hatte sogar noch viele Turmschnecken mehr, habe aber alle, die keinen Glanz mehr haben, vorher schon aussortiert.
      Leider sehe ich jetzt auf den Fotos, dass nicht alle Gehäuse sauber sind.
      Dabei unterziehe ich die Guten einer ziemlichen Tortur. Erst werden sie - Tipp von Klaas - mit Gebissreiniger eingeweicht. Dann halte ich jede Gehäuseöffnung unter den schwachen Strahl meines Wasserhahnes. Am besten "springt" der Dreck heraus, wenn der Strahl ins Tropfen übergeht... Danach muss alles tagelang trocknen.
      Aber Dreck ist Dreck und hält sich eisern.

      Dass du Schnecken überhaupt fotografierst, finde ich ganz große klasse! :ups:
      Wenn ich lebende Schnecken bestimmen möchte, geht das nicht, ohne ihnen unters Röckchen zu gucken. Ich meine, ohne ihren Nabel anzuschauen. Aber viele lebende Exemplare ziehen sich auch bei Schreck nicht vollständig in ihr Haus zurück und bedecken dabei den Nabel teils mit Körper, so dass man ihn nicht erkennen kann. Pech für mich. Glück für den Datenschutz der Schnecke. :19:
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Sabine Flechtmann schrieb:

      die Vielfalt an verschiedenen Schneckenarten ist klasse. Traurig zu lesen ist, dass die "Pflegemaßnahmen" die Schnecken gar nicht berücksichtigt haben.
      Liebe Sabine,

      deine Anerkennung freut mich riesig. Tatsächlich habe ich noch an keinem anderen Ort so viele verschiedene Schneckenarten gefunden wie dort. Ergiebig waren allerdings auch meine früheren Althrein- und Rheinauen.

      Ja, die Pflegemaßnahmen zu diesem Zeitpunkt haben sich halt ziemlich dumm für die Schnecken ausgewirkt.
      Aber Hellseher ist halt niemand. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob sich selbst unter Naturschützern jemand über Gehäuseschnecken Gedanken macht.
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • _Stefan_ schrieb:

      sag bloß, du wohnst da in der Ecke? Das Berntal kenn ich selber schon und die Kalkfelsen habe ich auch schon besucht. Die Familie meiner Freundin wohnt quasi in direkter Nachbarschaft und weil die Vogelwelt des Berntals auch viel zu bieten hat, war ich schon häufiger da.
      Lieber Stefan,

      das ist ja ein Ding! :thumbsup:
      Ja, Vögel gibt es dort auch jede Menge. Ich hatte im September Besuch von einem großen Vogelfreund, ja geradezu Vogelbesessenen, hier aus dem Forum. Mit dem wollte ich eigentlich auch mal in mein Schneckental fahren. Aber inzwischen wohne ich 80 km weiter südlich im Pfälzerwald. Und hier in meiner neuen Wohnumgebung hat er an den vielen kleinen Seen so viele Entdeckungen gemacht, dass wir zum Berntal nicht mehr gekommen sind.

      Als ich jetzt dort war, habe ich neben vielem "normalen" Gezwitscher (leider kann ich die Vögel nicht erkennen) auch über ca. zehn Minuten einen lauten eigenartigen Ruf gehört, der mir neu schien.
      Der hätte dich sicher gefreut!

      Das Berntal kenne ich, da ich früher in Lampertheim bei Mannheim wohnte und wir öfters an die Weinstraße gefahren sind.
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Liebe Rosmarie,

      aus deiner Antwort höre bzw. lese ich richtig deine Begeisterung für Schnecken heraus. Das freut mich richtig, denn Schnecken haben nicht so viele Freunde. Ich kann mir vorstellen, daß du eine ordentliche Sammlung von Schneckenhäuschen dein Eigen nennst.

      Da habe ich für dich mal ein Foto aus meiner Sammlung heraus gesucht, was man nicht alle Tage sieht. Es ist eine Posthornschnecke Planorbarius corneus mit Eiern. Der Name war Programm, denn die Eier wurden in Form ihres Schneckenhäuschen abgelegt.



      Das Foto ist leider nicht so toll, entschuldige bitte.

      Liebe Grüße
      Sabine II
      Solange es Menschen gibt die denken, dass Tiere nicht fühlen,
      müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
      (Noah)
    • Liebe Sabine,

      deine Posthornschnecke freut mich ganz, ganz arg! :ups: Werner hat nämlich schon welche gefunden und fotografiert, jemand anderes aus dem Forum auch schon mal, aber mir ist bisher nicht die kleinste Entdeckung einer Wasserschnecke gelungen - von einer Posthornschnecke ganz zu schweigen.

      Und du hast sie sogar nach der Eiablage fotografiert! Das Tollste ist wirklich, dass sie ihre Eier in Form einer Schneckenhausspirale abgelegt hat! Damit hätte ich nie gerechnet!

      Ob die Posthornschnecken das immer so machen - oder ob dir diese nur eine Freude machen wollte? :D

      Auf jeden Fall, vielen, vielen lieben Dank für deine tolle Beobachtung und dein interessantes (und sicher seltenes) Foto! :71:

      Schade, dass du so weit weg wohnst. Mit dir wäre ich wirklich mal gern unterwegs!
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)