Mein neues Lieblingstier

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    • Mein neues Lieblingstier

      Na, ja, ob man überhaupt so einen Titel vergeben könnte - vielleicht sollte ich lieber sagen: mein neuer Avatar - der natürlich mein neues Lieblingstier darstellt. Also, ich denke, Alphasida holosericea war jetzt lange genug mein Bild; es wird Zeit für was Neues.
      Und da ich im Dezember in Neuseeland war, gibt es viel Neues. :D
      Ich bin auch am Überlegen, ob ich nicht einen allgemeinen NZ-post schreibe, aber wo da anfangen? Allein Naturschutz in Neuseeland wäre ein Thema wert.
      Aber nun zu dem Tier, wie man unschwer feststellt eine Libelle. Ich hatte natürlich vorher ein bisschen recherchiert und festgestellt, dass es nur 17 Libellenarten gibt; wennn man nur die regelmäßig auf den Hauptinseln vorkommenden nimmt, sogar nur 12. Das ist doch übersichtlich!
      Dabei stachen 2 Tiere dann auch gleich als etwas Besonderes hervor aus der Familie Petaluridae, die weltweit nur 11 Arten hat und die als besonders ursprünglich gelten. Die zwei Neuseeländer heißen Uropetala carovei und U. chiltoni, Giant Bush und Giant Mountain Dragonfly. Sie sind mit über 80 mm Länge noch größer als unsere Königslibelle. Eine weitere Besonderheit ist, dass ihre Larven nicht im Wasser leben, sondern sich im Schlamm Löcher graben, von denen aus sie nachts auf Beutefang gehen. Die kamen also auf meine Wunschliste.
      Und am vorletzten Tag meines Aufenthalts ist es tatsächlich wahr geworden! Ich kam aus dem "bush" an die Grenze zwischen Wald und Kuhweide und da flog etwas Großes - und setzte sich auf meine ausgestreckte rechte Hand, in der ich die Kamera hielt! Ein tolles Erlebnis, aber unfotografierbar! Dann düste sie wieder ab und landete auf einem Zaunpfahl.


      Ein beeindruckendes Tier! Auf Englisch heißt die Familie "petal-tails", also "Blütenblatt-Schwänze", was man hier deutlich sehen kann. Das sind übrigens nur die Männchen, die diese Blütenblätter haben.
      Dann bin ich vorsichtig näher geschlichen - es gibt mehrere Fotos, die alle gleich aussehen ;) - und habe ihr/ihm! schließlich meinen Finger hingehalten. Und wie ein zahmer Wellensittich ist er tatsächlich umgestiegen!




      Wie man sieht, ist er fast so lang wie ein Kugelschreiber. Lange hat er es aber doch nicht auf meinem Finger ausgehalten - ich hätte zum Beispiel noch ein Foto von vorme machen können, auf dem man die schwarze Lippe sieht. Das ist nämllich ein Unterscheidungsmerkmal zwischen carovei und chiltoni. Letztere hat eine gelbe Lippe. Allerdings kommt auf der Nordinsel nur carovei, also die Giant Bush Dragonfly vor, die wir damit hier vor uns haben.
      Diese hautnahe Begegnung verdient es im Avatar verewigt zu werden.
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Tja, was habe ich noch gefunden.... ich bin noch am Bestimmen, glaube aber, ich kriege die 100 Viecher für mein nächstes Buch zusammen. :)

      Ich bin zuerst für 10 Tage mit einem Freund und seinem Campervan die Ostküste der Südinsel runtergefahren, anschließend war ich für 2 Wochen im Norden der Nordinsel bei einem Kiwi-Schutzprojekt als Volunteer. Jeweils am Anfang, am Ende und zwischendrin für einen Tag in Auckland (selbst da kann man was sehen!). Es war also ein ziemlich straffes Programm und - wie immer - viieel zu wenig Zeit. Vor allem bei dem Projekt, bis man sich richtig eingewöhnt hatte, war die erste Woche schon vorbei.

      @Silke: 50 Vogelarten von Papageien bis Pinguinen, aber der seltenste war eindeutig der Black Stilt (Himantopus novaezelandiae), laut meinem neuen Buch gab es 2013 noch 70 Brutpaare!

      Bei den Vögeln habe ich mir natürlich oft Werner's Kamera gewünscht (aber ob ich dann auch so mit ihr umgehen kann??)
      Gesehen habe ich auch den Brown Kiwi, sogar dreimal, das waren schon besondere Erlebnisse, aber nachts nur mit Rotlicht ohne Fotografiermöglichkeit.

      @Werner, diese "Färner" im Hintergrund waren nur Adlerfarn, aber es gab natürlich auch Baumfarne!


      ein sich "entwickelndes" Farnblatt


      5 Säugetiere, dabei immerhin auch die zwei einheimischen Robbenarten; 4 Reptilien, der Rest dann Insekten, Spinnen und Schnecken.

      Die urigste Spinne war sicher die Leaf-tailed Spider, Arachnura feredayi


      Kann fortgesetzt werden...
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Hallo Susanne ,

      Danke für die " kapitalen Färner" - diese Tier und Pflanzenwelt würde ich auch gerne in Augenschein nehmen .

      Kasimir schrieb:

      Kann fortgesetzt werden...
      Kann nicht - muß ! :D

      Diese Farne sind schon gewaltig ,da haben die Botaniker ,damals auf der Endeavour ,wohl auch gestaunt .
      Kuriose Spinne .

      Kasimir schrieb:

      Bei den Vögeln habe ich mir natürlich oft Werner's Kamera gewünscht
      Das ist ja auch mein Problem ,mit dieser Kamera müßte ich alle meine Reisen wiederholen ! :D
    • Teile der Südinsel - und Teile ihrer Bewohner:

      Ashburton River, Hakatere Conservation Area


      Banded Dotterel (Charadrius bicinctus)


      Kettle Hole (Toteissee), Hakatere Conservation Area; hier war der Black Stilt


      Katiki Point, Otago


      NZ fur seal (Arctocephalus forsteri)


      Yellow-eyed Penguin (Megadyptes antipodes)
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Liebe Susanne,

      dass gerade du diesen unglaublichen Neuseeland-Trip machen konntest, freut mich über die Maßen!
      Neuseeland war bisher das einzige, sehr weit entfernte Land, das ich liebend gern mal besucht hätte.

      Die riesige Libelle auf deinem Finger ist wunder-, wunderschön und natürlich total verblüffend.

      Aber auch jedes andere deiner gezeigten Tiere ist ein ganz besonderes Erlebnis. Wie schön, dass DU dies alles erleben konntest! :ups:
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)
    • Hallo Susanne,

      andere Länder, andere Tierarten. das finde ich immer so interessant und spannend. Das dir die Libelle so gefällt, kann ich verstehen. Die gefällt mir auch sehr gut. Bei der Spinne kann ich dir auch nur zustimmen. Da ist die weiße "Raute"-Spinne (wegen der Form) mit den roten Spitzen, die ich auf Hawaii entdeckt habe, gar nichts dagegen. Wunderbare Tarnung. Bis gespannt, was du noch einstellst.

      Liebe Grüße
      Sabine II
      Solange es Menschen gibt die denken, dass Tiere nicht fühlen,
      müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
      (Noah)
    • Liebe Susanne,
      die Geschichte mit der Libelle ist lebhaft erzählt, und man sieht, wie intensiv du dich bereits im Vorweg mit den zu erwartenden Gegenden und Tier- (und Pflanzen?) Arten auseinandergesetzt hast. Das Glück, dann tatsächlich auch ein Wunschtier zu entdecken, ist groß - die Fotos von der Libelle sind großartig. Diese "Blütenblätter" der Männchen sind aber auch echt faszinierend.

      Kasimir schrieb:

      Kann fortgesetzt werden...
      Meinetwegen kann dieser Faden noch sehr, sehr lang werden!
      Liebe Grüße

      Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
      aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
      Immanuel Kant (1724 - 1804)
    • Liebe @Rosmarie, wie schön du das gesagt hast (ich glaube, ich wäre nicht so selbstlos, sondern eher grün vor Neid ;) )
      Liebe @Sabine Flechtmann, ich hatte ja auch ein Jahr Zeit mich vorzubereiten. Mit Pflanzen habe ich mich aber eher nicht beschäftigt; das kriege ich schon hier in Spanien kaum auf die Reihe.
      Liebe @Natura, wie heißt denn die Hawaii-Spinne? Die würde ich gerne mal sehen.
      Lieber @Werner. Der Botaniker auf der Endeavour war Joseph Banks, nach dem die Banks Peninsula bei Christchurch genannt ist. Ob er allerdings auch die Baumfarne bestimmt hat, weiß ich nicht. ;)

      Jetzt muss ich wohl doch erzählen, wie ich überhaupt dazu kam. Vor 35 Jahren (so alt bin ich schon!) war ich schon mal in Neuseeland. Damals, 1982, habe ich ein halbes Semester sausen lassen und bin vier Monate durch Neuseeland getrampt. (Und das eigentlich auch nur, weil ich es einem Ex-Freund beweisen wollte. Wir wollten immer zusammen nach Brasilien, da er dort aufgewachsen war und als es dann vorbei war, habe ich gesagt, jetzt fahre ich eben alleine irgendwo hin, wo man englisch spricht und als Frau alleine reisen kann.)
      Das war die erste große Reise/ das erste große "Alleinsein" in meinem Leben und eine wichtige Zeit, in der ich Banalitäten über mich und das Leben gelernt habe. Dort, beim Trampen auf einer als sehenswert markierten Nebenstrecke, habe ich einen Schaffarmer kennengelernt, der mich eingeladen hat ein paar Tage Ferien mit ihm zu verbringen. Das war so ein richtiger Outdoor-Typ, machte alle möglichen Sportarten, war Ranger, kannte sich mit Tieren, Natur, Geologie etc aus. Nach einem Wochenende Bedenkzeit habe ich zugesagt und wir hatten ein paar tolle Tage. Wir haben uns noch lange danach geschrieben, er war mal in Europa und wir sind zusammen durch Frankreich gefahren. Dann habe ich geheiratet und den Kontakt einschlafen lassen. Nach dem Tod meines Mannes habe ich angefangen, alte Freunde auszugraben und nach ihm gegoogelt. Und siehe da, einen Zeitungsartikel gefunden, in dem er eine Auszeichnung für die Entwicklung eines Wanderwegs bekommen hat. Mit Bild; er sah aus wie damals, bloß grauer - er ist 20 Jahre älter als ich. Daraufhin habe ich einfach an David H., Ashburton, Neuseeland geschrieben und tatsächlich nach ein paar Monaten eine Antwort bekommen! Als er mir dann an Weihnachten 2016 schrieb, er hätte ein bisschen schlechte Neuigkeiten, er hätte nämlich Leukämie, habe ich beschlossen, wir müssen uns nochmal sehen. Ich habe dann nach "hairy cell leucemia" gegoogelt und festgestellt, dass man sie zwar nicht heilen aber wohl in den Griff kriegen kann. Es ging ihm wohl auch zeitweise nicht besonders gut, er hatte auch eine Chemotherapie, aber als ich da war, war er fit wie eh und je. Ich hatte also das unverdiente Glück auf diese South-Island-Tour eingeladen zu werden und einen Fahrer und Führer zu haben, der es sich auch noch in den Kopf gesetzt hatte, mit mir möglichst viel Viehzeug zu finden. :love: Er raste immer mit dem Fernglas vorneweg und ich mit der Nase am Boden hinterher.



      Mein schönster Sandlaufkäfer; ich habe mich mittlerweile auf Neocicindela latecincta geeinigt.

      Übrigens macht mir das Spaß, die ganze Reise mit euch nochmal zu erleben. Da ich auch kein Tagebuch, sondern nur Artenlisten geschrieben habe, ist es auch für mich eine Nachbereitung.
      Liebe Grüße
      Susanne
    • Kasimir schrieb:

      Der Botaniker auf der Endeavour war Joseph Banks, nach dem die Banks Peninsula bei Christchurch genannt ist.
      Ich sehe Du kennst dich aus ! :78:

      Der Sandlaufkäfer ähnelt von der Form her schon sehr ,den bei uns vorkommenden .

      Falls du jetzt beim gehen etwas Widerstand verspürst ,ist es mein <X zäher,grüner Neid <X der sich um deine Beine geschlungen hat . :D :D
      (musch aber nedd ällas glauba was i schreib)
      Übrigens ,den echten Neid sieht man nur von Angesicht zu Angesicht .
    • Danke für eure lieben Kommentare. Ja, das ist eine so aussergewöhnliche Freundschaft, dass ich dachte, die kann man auch öffentlich würdigen.
      @Sigurd, Pinguine in Gras und Sand, daran musste sich mein Gehirn auch erstmal gewöhnen. ;)

      Weiter gehts. In der Nähe von Dunedin gibt es das Orokonui ecosanctuary, ein 300 ha großes, gegen Säugetiere ("pests") eingezäuntes Gelände. Hier nennt man sie nicht beschönigend Neozoen, sondern gleich Pest, und meint damit vor allem Ratten, Mäuse, Hermeline, Wiesel, Frettchen und Possums (auf deutsch heißen sie wohl offiziell Fuchskusus). Die Musteliden hatte man eingeführt, um der Kaninchen Herr zu werden, die man als Zeitvertreib zum Schießen mitgebracht hatte. Es gab um 1860 "acclimatisation societies", die versuchten aus Neuseeland so eine Art zweites England zu machen, mit, wie man sich denken kann, desaströsem Erfolg für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt. Aus europäischer Sicht ist Neuseeland gekennzeichnet durch "das Fehlen von..." ... Säugetieren, ... Blumenwiesen. Und erst auf den zweiten Blick fällt einem auf, wie diese freien Nischen besetzt werden. Igel durch Kiwis, z.B.- Selbst Igel hat man eingeführt, wozu auch immer. Und diverse Singvögel aus Heimweh. Und die Einführung der Regenbogenforelle wird immer noch gefeiert, dabei mag ich mir gar nicht vorstellen, wieviele endemische Süßwasserfischarten die ausgerottet hat.

      Aber ich schweife ab. In Orokonui kann man eben sehen, wie ein nicht von Possums abgefressener Wald aussieht und welche Vögel man dort viel einfacher sehen kann. Gut, sie werden z.T. auch gefüttert, die meisten könnten aber über den Zaun drüberfliegen. Jedenfalls gibt es so von mir auch mal Vögel in groß.

      Kaka (Nestor meridionalis). Sie wurden in Orokonui wieder angesiedelt.


      Tui (Prosthemadera novaeseelandiae), ca. dohlengroßer Singvogel, ernährt sich von Nektar und ist einer der wichtigsten Bestäuber einheimischer Bäume. Den habe ich auch im wirklichen Freiland gesehen.


      NZ Pidgeon (Hemiphaga novaeseelandiae), meist hört man sie eher als dass man sie sieht, das wusch-wusch des Flügelschlags ist charakteristisch.

      Nun noch ein bisschen "Kleinzeug", das niemand ansiedeln musste..


      Red Admiral (Vanessa gonerilla) Eine von nur ca. 20 Tagfalterarten (das ändert sich allerdings gerade, da die Lycaenidae revidiert werden.)


      Blue Damselfly (Austrolestes colensonis) - So einfach ist das, es gibt eine rote und eine blaue :D


      Common skink (Oligosoma polychroma) An Reptilien gibt es nur Geckos und Skinke - und natürlich die Tuatara, die Brückenechse.
      Liebe Grüße
      Susanne