Ein besonderer Fund: Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea)

    • Ein besonderer Fund: Rosenroter Baumschwamm (Fomitopsis rosea)

      Liebe Naturfreunde,
      ich möchte euch heute einen besonderen Pilzfund aus Österreich vorstellen: Den Rosenroten Baumschwamm (Fomitopsis rosea). An der Bestimmung war ein Mitglied dieses Forums entscheidend beteiligt.

      Funddaten: Österreich, Bundesland Salzburg, Pinzgau, Salzburger Schieferalpen, Maria Alm, Berg Natrun, 1100 m, 12. August 2017.

      Rosenroter Baumschwamm - Fomitopsis rosea (Albertini & Schweinitz) P. Karsten 1881
      In Österreich werden die Berghänge nur noch in selteneren Fällen mit dem traditionellen sog. Krainerwerk [1] befestigt, eine Handwerkskunst, die nur noch wenige Betriebe beherrschen. Dabei werden schlanke Baumstämme waagerecht mit Hammerschlägen in den Hang getrieben und zwischen die herausguckenden Enden weitere Stämme quer gelegt. Also ähnlich wie beim Flechten. An unserer Unterkunft gibt es noch ein solches Krainerwerk, es ist gut 30 Jahre alt und besteht aus behandeltem, inzwischen vermorschendem Lärchenholz. In den letzten Jahren sind dort immer wieder und immer häufiger Pilze zu finden, so auch dieser Fruchtkörper: 8,5 cm breit und 2,5 cm vom Substrat abstehend.


      Die Hutoberfläche sah einem braunen Exemplar vom Flachen Lackporling (Ganoderma applanatum) ähnlich, die farbige Zuwachskante, die Guttationstropfen und der intensiv säuerliche Geruch erinnerten eher an den Rotrandigen Baumschwamm (Fomitopsis pinicola). Was nicht passte, war diese intensiv rosa-lila Färbung der vom übrigen Hut gut abgesetzten Zuwachskante. Da der Fruchtkörper im Vorjahr noch nicht vorhanden war, ist ein Fruchtkörper im ersten Jahr zu unterstellen, und ich vermutete auch, dass es sich um eine eher mehrjährige Art handeln dürfte. Der Streichholztest war negativ. Beim Streichholztest versucht man, die Hutoberfläche anzubrennen; beim Rotrandigen Baumschwamm verschmurgelt das Harz in der Hutoberfläche und riecht deutlich nach verbrennendem Kunststoff. Mit diesem kleinen, aber effizienten Test war der Rotrandige Baumschwamm auszuschließen.

      Vor der Heimfahrt habe ich versucht, den Fruchtkörper vom Holz zu lösen. Er war sehr hart und äußerst fest am Substrat angewachsen, ich musste den mit Hammer und Meißel abhauen. Und nun konnte ich auch die farblich geradezu spektakuläre Porenschicht aufnehmen:


      Mein Freund Holger ( @Holger ) konnte dem Beleg dann auch den richtigen Namen geben: Rosenroter Baumschwamm. An dieser Stelle nochmal ein herzliches Dankeschön an dich! Der Fund ist inzwischen an die Österreicher gemeldet.

      Nach der Datenbank der Pilze Österreichs gibt es dort 150 Funde. Leider lässt sich die Artseite (immer noch) nicht aufrufen, so dass die Verteilung der Fundorte auf die einzelnen Bundesländer unklar bleibt. Nach der neuesten Roten Liste 2016 [4] gibt es die Art in allen Bundesländern bis auf Wien. Bis 1990 waren 49 Fundorte bekannt, seit 1990 sind es nach Roter Liste inzwischen 85 Fundorte. Der Hauptanteil liegt in den alpinen Regionen. Die Gefährdungseinstufung liegt bei 4 = Potentiell gefährdet, aber für die Alpen ist die Art mit "häufig" angegeben.

      In Deutschland ist die Art sehr viel seltener. Bei pilze-deutschland.de sind 37 Funde registriert [5].

      Nach Gminder [2] ist diese Pilzart in Europa als "(sehr) selten und wird als Signalart der natürlichen Fichtenwäder angesehen." Nur selten findet man den Pilz an anderen Baumarten als Fichte, manchmal an verbautem Holz z.B. an hoch-montan gelegenen Almhütten. Weiters stellt er die Art als konkurrenzschwach dar und als Spezialisten für schwer besiedelbare Holzarten.

      "Mein Natrun" hatte wieder etwas Besonderes im Angebot.



      [1] Historische Holzbautechniken für Wildbachverbauten im Salzkammergut. Friedrich Idam & Günther Kain, 2015, Seite 60-61
      researchgate.net/publication/3…erbauten_im_Salzkammergut
      [2] Zur Ökologie und Verbreitung von Fomitopsis rosea (Alb. & Schwein.) P. Karst. Mykologische Berichte aus deutschen Nationalparks, Teil 1 (Berchtesgaden). Gminder et. al., Zeitschrift für Mykologie 83(1), 2017, S. 3–21.
      researchgate.net/publication/3…Berchtesgaden?ev=prf_high
      [3] Österreichische Mykologische Gesellschaft, 2015: Datenbank der Pilze Österreichs. Bearbeitet von Dämon, W., Hausknecht, A., Krisai-Greilhuber, I. - [ austria.mykodata.net ] [zuletzt besucht am 11.10.2017].
      [4] Die Pilze Österreichs. Verzeichnis und Rote Liste 2016. Wolfgang Dämon & Irmgard Krisai-Greilhuber, Österreichische Mykologische Gesellschaft, 609 Seiten
      [5] Deutsche Mykologische Gesellschaft, pilze-deutschland.de/organisme…b-schwein-fr-p-karst-1881
      Liebe Grüße

      Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
      aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
      Immanuel Kant (1724 - 1804)
    • Lieber Harry,
      danke vielmals für deine nette Antwort und das enthaltene Lob. Da habe ich tatsächlich etwas Besonderes gefunden, wenn du diese Art noch nirgends ansehen konntest. Und du kennst gnadenlos viel mehr Arten. Ich sage ja immer, dass die interessanteren Pilzarten die sind, die man nicht essen kann.
      Liebe Grüße

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    • Liebe Wiltrud, Silke und Uwe,
      danke für die interessierten Zuschriften. Wer die Augen offen hält, findet auch mal Selteneres.
      Aber bis in den Norden, Uwe, wird der Pilz wohl eher nicht kommen.
      Liebe Grüße

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