Trommelsignale bei Steinfliegen

    • Trommelsignale bei Steinfliegen

      Hallo Forumer,

      der Beitrag von Sabine über das Trommeln der Sängerin (Diurnea fagella) hat mir eine interessante Eigenschaft der Steinfliegen in Erinnerung gerufen, die möglicherweise vielen von euch unbekannt ist, nämlich das "Trommeln" bei der Partnersuche.

      Dem Paarungsakt geht in vielen Fällen das sogenannte "Trommeln" der Männchen voraus, bei dem diese durch schnell aufeinanderfolgendes Aufschlagen des Hinterleibes auf die jeweilige Unterlage ein klopfendes Geräusch erzeugen. Dieses Trommeln wird in regelmäßigem Abstand alle 5-10 Sekunden wiederholt. Die paarungswilligen Weibchen antworten mit einer ähnlichen Folge von Trommelgeräuschen. Klaus Enting, ein guter Bekannter von mir, hat sich in seiner Dissertation mit diesem Phänomen beschäftigt und einige Sequenzen verschiedener Arten aufgenommen und auf seiner Homepage veröffentlicht, darunter auch ein kurzes Video des Trommelns der Steinfliege Taeniopteryx nebulosa. Hier gehts zu seiner Seite.

      Viele Grüße
      Jürgen
    • Lieber Jürgen,
      nö, das Phänomen war mir nicht bekannt. Das kurze Video auf der Seite von Herrn Enting ist - wie ich finde - sehr eindrucksvoll. Auch wenn das Trommelgeräusch eventuell verstärkt wurde, es ist so was von deutlich zu hören, einfach unglaublich. Schön, dass dir das wieder eingefallen ist.
      Liebe Grüße

      Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
      aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
      Immanuel Kant (1724 - 1804)
    • Lieber Jürgen,

      danke, dass du dich an dieses interessante Verhalten erinnert hast und es mit uns teilst! Das ist etwas, was man als Laie mit seinen normalen Informationsquellen niemals erfahren hätte. Umso begeisterter bin ich, wenn mich mal derartiges fachmännisches Wissen beleckt - bzw. wie in diesem Falle beklopft! :28:
      Herzliche Grüße Rosmarie

      "Sollte man nicht überhaupt begeistert sein über die Welt, in der man lebt?" (Ausspruch von Kasimir hier im Naturforum)

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    • Werner schrieb:

      Ist dieses Trommeln wohl auch ohne Verstärkung zu hören ?
      Hallo Werner,

      wenn ich das nächste Mal wieder Kontakt mit Klaus Enting habe, werde ich nachfragen. Ich gehe aber davon aus, dass der Herr Newport, der 1851 erstmals dieses Phänomen beschrieben hat, sicherlich noch nicht über ein großes technisches Equipment verfügte, wenn er überhaupt so etwas hatte. Also sollte man unter bestimmten Umständen das Trommeln auch ohne Hilfsmittel hören können. Ich versuche mal, dieses Dokument aus dem Jahr 1851 zu beschaffen.

      Herzliche Grüße
      Jürgen
    • Jürgen Gaul schrieb:

      Ich gehe aber davon aus, dass der Herr Newport, der 1851 erstmals dieses Phänomen beschrieben hat, sicherlich noch nicht über ein großes technisches Equipment verfügte, wenn er überhaupt so etwas hatte.
      Diese Annahme ist plausibel. Damals hat wohl außer dem in der ferne fahrenden Dampfross oder den Kirchenglocken kaum ein technischer Laut
      die "Natur Ruhe"gestört ,obwohl die Natur an sich ,viel lauter gewesen sein dürfte .(Insekten,Vögel)
    • Hallo Jürgen,

      ich muß mich da leider den anderen ahnungslosen anschliessen und mich brav für die Neuigkeit bedanken.
      Was die Aufnahmetechnologie anbelangt kann man definitiv sagen, dass das Mikrofon bestenfalls in der Laborreife bei einzelnen Erfindern des Telefons vorhanden war aber erst ab 1860 herum in ersten Telefonen Anwendung fanden. An eine Verstärkung oder gar eine Aufzeichnung war damals noch nicht zu denken. Zur Verstärkung geeignete Röhrenverstärker tauchten erst um 1912 auf, um weite Strecken in der Telephonie zu realisieren.

      Das Hörrohr, heute Stetoskop genannt war jedoch im Jahre 1816 von Rene´Laännec entdeckt und könnte beim Zuhören geholfen haben.

      LG Lohar
      Die Erfahrung ist wie eine Laterne im Rücken; sie beleuchtet stets nur das Stück Weg, das wir bereits hinter uns haben. >Konfuzius<
    • Hallo Insektenfreunde,

      ich habe heute einmal einen Blick in die zitierte Arbeit von Newport aus dem Jahr 1851 ("On the anatomy and affinities of Pteronarcys regalis[/i]") geworfen, und es sieht so aus, dass das Phänomen des "Trommelns" erstmals an gefangenen Tieren beobachtet wurde. Newport berichtet von einem Mr. Barnston, der ihm seine Beobachtungen an einem gefangenen Tier mitgeteilt hat, welches er in einem kleinen Behältnis gehalten hat. Pteronarcys regalis (heute ein Synonym von Pteronarcys dorsata) ist eine nordamerikanische Steinfliegenart, im Vergleich zu unseren heimischen Arten ein wahrer Gigant mit Körperlängen von 7-8 cm. Ich denke, dass das "Trommeln" eines solchen "Geräts" zumindest in der Gefangenschaft gut zu hören ist ^^ !


      Auch die Audioaufzeichnungen auf der Seite von Klaus Enting scheinen von Tieren in der Gefangenschaft zu stammen, so dass ich doch recht skeptisch bin, ob diese Signale auch in "freier Wildbahn" vernommen werden können. Für Interessenten über weitere Details hier ein Link auf die Arbeit von Rainer Rupprecht aus dem Jahr 1965: "Trommeln als Verständigungsmittel bei Steinfliegen (Plecoptera)".


      Liebe Grüße

      Jürgen
    • Lieber Jürgen,
      der verlinkte Artikel ist ja hochspannend. Trommelschläge im Abstand von 1/100 Sekunde kann kein menschliches Ohr mehr als Einzelschläge hören. Und dass nur unbefruchtete Weibchen mit Trommeln antworten - die Natur hat da wieder etwas Spezielles auf Lager zur Arterhaltung. Wirklich hochinteressant.
      Liebe Grüße

      Der Mensch muss sich in die Natur schicken;
      aber er will, dass sie sich in ihn schicken soll.
      Immanuel Kant (1724 - 1804)