Kleiner Ausflug zum Rhein
Nachdem mein Rodelberg mich so schmählich abserviert hatte, fand ich es nur gerecht, dass ich noch einmal fremdgehe. Mein Weg führte mich dieses Mal zur Baumberger Rheinpromenade, wo der Wasserstand eine kleine Erholung erfahren hatte und damit einige Schiffsführer glücklich machte.
Zu Anfang begrüßten mich Gänse (das Gänseliesel ist Monheims Stadtwappen) in Form von Bänken und eine Überraschung: Das hässliche Betonbauwerk vom Wasserwerk hatte statt der vorherigen unschönen Schmierereien plötzlich ein fröhliches Gesicht. Man konnte sich jetzt von der Gänsebank aus in ein beschauliches Baumberg am Stromkilometer 715 träumen. Das macht natürlich den Rhein ein bisschen eifersüchtig, weil er in diesen Momenten nicht die erste Geige spielt.
Zum Sitzen war ich sowieso nicht nach hier gekommen. Ich wollte meinem Rodelberg beweisen, dass es andere Stellen gibt, die mehr zu bieten haben. Doch es war auch entlang des Fahrradwegs, den ich fußgängerisch mit Fahrrad entlang gehen musste, um überhaupt in die lückige Vegetation an der eingezäunten Weide sehen zu können, nichts zu finden. Auf der anderen Seite des Weges war der Randstreifen bis zur Böschung penibel gemäht.
Dann sah ich einen glänzenden Punkt an einem trockenen Zweig, der so klein war, dass man ihn eigentlich übersehen müsste. Doch in Ermangelung größerer Objekte fing ich an zu fotografieren. Erst zu Hause in der Vergrößerung sah ich, was für einen lustigen Knirps von zwei Millimetern ich gefunden hatte: eine Sonnenspringspinne, noch dazu mit einer recht großen Fliege in den „Klauen“.
So, der Anfang war gemacht. Nach Schlehen und Hopfen kamen dann eine Deutsche Wespe, ein „Rosenapfel“, der die Arbeit der Gemeinen Rosengallwespe ist, ein Goldzünsler, der sich partout nicht fotografieren lassen wollte und somit lediglich als Belegfoto reichen muss, und dann wurde es interessant. Plötzlich wuselten fünf Goldwespen auf der Goldrute herum. Zwei Komponenten waren allerdings hinderlich: einerseits war das Grüppchen sehr mobil, andererseits ließ der Wind Pflanze und Gäste so wild herumwirbeln wie auf der Kirmes. Nach vielen Versuchen war nur ein Foto dann passabel.
Und auf einmal wurde es doch noch spannend. Da kam mit großer Grandezza eine Dame mit einer unwahrscheinlich schlanken Taille angeschwebt. Mir war so zumute wie einem Entdecker, der nach vergeblichem Suchen plötzlich Land entdeckt. Wind und Beweglichkeit waren auch hier wieder da, doch die Stahlblaue Grillenjägerin (Name erst später ermittelt!) war mit ihren etwa zwei Zentimetern so groß, dass dieses Mal doch mehrere Fotos gelangen. Zwischendurch gesellte sich noch eine zweite dazu, die sicherlich der schöne Partner der feinen Dame war.
Eigentlich müsste ich jetzt nach dieser netten Geschichte hier Schluss machen. Doch dann erlebte ich noch vom Optischen her genau das Gegenteil, aber genauso interessant. Ich machte auf dem Rückweg bei einer kleinen Gruppe von Schafen Halt, die hinter einem Zaun in einiger Entfernung grasten. Da gab es zwei Widder, die unförmige schmuddelige Wollmäntel trugen. Da musste ich direkt an das australische Schaf denken, das sich dem Scheren verweigerte und sechs Jahre unerkannt im Verborgenen lebte. Es wurde weltweit berühmt und bekam den Namen Shrek. Plötzlich waren die Schafe wie elektrisiert und sausten zum Tor im Zaun. Der Halter war gekommen mit einem Eimer voll Körnern. Ich verwickelte ihn in ein Gespräch und erfuhr, dass im Vorjahr auch im Distrikt die gefährliche Blauzungenkrankheit bei Schafen aufgetreten war. Da habe er letztes Jahr die Tiere nicht scheren wollen, weil er hoffte, dass die Mücken dann weniger Chancen hätten, das Virus zu übertragen. Es sind kleine Schafe, die der aussterbenden Rasse der Skudden angehören. Ihre Wolle ist hart und nicht brauchbar. Sie werden als Landschaftspfleger eingesetzt, die jeden ungewollten Bewuchs niedermachen, sogar wohl auch die Herkulesstauden.
(P.S. Hier im Forum gibt es viele Zeugnisse aus so wunderbaren Gebieten, dass mein mickriges Ergebnis sicher ein bisschen lächerlich wirkt. Aber Neid bringt nichts, deshalb kann ich auch im Wenigen noch Freude empfinden, zumal das Jahr vorzeitig seinen Rückzug angekündigt hat.)
Liebe Grüße – Ingrid – 25. August 2026