Notizen aus dem Regenwald: Buch-Vorschau

  • Gestern wollte ich einen "längeren" Spaziergang machen, bin aber auf halber Strecke umgedreht, weil der Nebel kam - und mit ihm die Kälte, nachdem ich vorher ordentlich geschwitzt hatte. Der Regen kam zum Glück erst, als ich wieder "zu Hause" war, dafür hielt er den ganzen Nachmittag und die Nacht an. Jetzt ist es immer noch kühl und neblig, also habe ich ein bisschen Zeit hier am Laptop zu sitzen.

    Dafür brachte die mondlose Nacht - überhaupt bewegen wir uns ja wieder auf Neumond zu - allerhand Viecher.

    Nur eine der vier Lampen. Ich picke mir allerdings immer nur ein paar besondere raus.

    Wie z.B. dieser Nachtfalter, der aussieht wie ein Weihnachtspulli (Ich hätte Lust mir so einen zu stricken...) Cf. Rhodirphia carminata (Saturniidae)

    oder dieser Käfer, Gattung Agra (Carabidae)

    Jetzt gehe ich schauen, was meine "Kinderchen" machen. Ich beobachte eine Gruppe Raupen (von Methona confusa) seit dem Tag des Eier-legens und mache täglich ein Foto.

    Demnächst mehr

    Liebe Grüße
    Susanne

    “You cannot get through a single day without having an impact on the world around you. What you do makes a difference, and you have to decide what kind of difference you want to make.”
    ― Jane Goodall

    Tierartenliste 2026 bestätigt (Stand 29.05.26) gesamt: 460, neu: 26, Vögel: 82, Nachtfalter: 77, Tagfalter: 28, Liste gesamt bei iNat

  • Klasse Einblicke in Dein derzeitiges Leben Susanne!
    Ein offenes Büro mitten im Regenwald, das hat schon was.
    Ihr scheint "Uniform" tragen zu müssen.

    Dafür brachte die mondlose Nacht - überhaupt bewegen wir uns ja wieder auf Neumond zu - allerhand Viecher.

    Da wird Jonas Brimstone mit Sicherheit neidisch werden...

    der aussieht wie ein Weihnachtspulli (Ich hätte Lust mir so einen zu stricken...)

    Darauf bin ich schon jetzt gespannt!

    oder dieser Käfer, Gattung Agra (Carabidae)

    Was für ein langer "Hals" (Brustbereich) und im Verhältnis zum Körper sehr kleinen Kopf...
    Viel Spaß für die restlichen Tage.

    Viele Grüße

    Addi

    _______________________________________________________________________________________________________________________

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Liebe Susanne,
    wie schön, von deiner Fernreise zu lesen. Es ist an mir vorbeigegangen, dass und wohin du genau aufgebrochen bist. Inzwischen musst du schon mindestens drei Wochen weg sein. Diese Appetitanreger lassen ahnen, dass du superviele Viecher gefunden hast mit einer Farben- und Formenvielfalt, als wären sie nicht von dieser Welt. Der Weihnachtspulli-Falter sieht einfach grandios aus! Ich wünsche dir dort noch einen erlebnisreiche Zeit.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Mittlerweile ist meine Zeit hier schon fast vorbei, nächsten Dienstag geht's zurück nach Quito, am Mittwoch in den Flieger und am Donnerstag Abend bin ich wieder zu Hause.

    Ihr scheint "Uniform" tragen zu müssen.

    Nein, das trage ich ganz freiwillig. Meinen alten Overall aus Schiffs-Werft-Zeiten habe ich gefunden und gedacht, damit kann ich mich hier im Schlamm wälzen. Vor allen Dingen geht durch diesen Stoff kein Stechrüssel durch, muss ich also nur Hände und Gesicht einsprühen.

    wie hoch seid ihr denn dort ?

    1.400 m, hoch genug, dass es keine Malaria oder Dengue-Fieber etc. gibt.

    Was genau wird denn auf dieser Station erforscht?

    Hier ist ein ganz guter Überblick: https://www.regenwald.org/projekte/14143…ropischen-anden

    Es geht in erster Linie darum, den Wald mit den vier dort entspringenden Flüssen zu schützen und die Bevölkerung der umliegenden Dörfer zu sensibilisieren. Letzte Woche war eine Gruppe Studenten einer lokalen Uni (?) da, die auch alle aus der Gegen kamen und ein Projekt mit den Dorfbewohnern - also ihren Nachbarn - gemacht haben, wie sie zu dem Wald stehen, wie man den Tourismus in der Gegend fördern kann etc. Bergbau ist nach wie vor eine Bedrohung.

    Es geht auch immer noch darum, ein Arteninventar zu erstellen. Eine Professorin aus Oregon, die früher regelmäßig hier war, hat das Projekt bei iNat ins Leben gerufen und schaut fast täglich meine Fotos an. Vor einiger Zeit hatte Alex, der "Leiter" hier, eine Videokonferenz mit ihr und da sagte sie: "ihr habt da zur Zeit jemand auf der Station, die dauernd Fotos einstellt. Danke ihr mal für ihren Einsatz." Das ging mir natürlich runter wie Öl! :redface: Insofern hat sich mein "Freiwilligen-Einsatz" auch dahingehend geändert, dass ich vor allem draußen rumkreuche und alles fotografiere, was lange genug stillhält. Und wenn ich dann noch einen Kommentar von ihr (@bit) bekomme mit: new for Los Cedros List", kann es eigentlich gar nicht besser gehen. Wie z.B. hier:

    https://www.inaturalist.org/observations/378165825

    Wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich mich ein bisschen intensiver mit der Bestimmerei beschäftigen.

    Liebe Grüße
    Susanne

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    ― Jane Goodall

    Tierartenliste 2026 bestätigt (Stand 29.05.26) gesamt: 460, neu: 26, Vögel: 82, Nachtfalter: 77, Tagfalter: 28, Liste gesamt bei iNat

    Edited once, last by Kasimir: Rechtschreibung (July 9, 2026 at 11:42 PM).

  • Liebe Susanne,
    ich freue mich jetzt richtig dolle für dich, du bist im Team offenbar eine ungeheure Bereicherung. "Neu für die Gegend" ist eine wunderbare Beobachtung. Dass die verlinkte Beobachtung ein Kurzflügler sein soll, darauf wäre ich im Leben nicht gekommen. Habe noch eine gute und erfolgreiche Zeit dort, ich bin sehr gespannt, welche skurrilen Viecher du hinterher auf der Liste haben wirst. Das alles schreit nach einem extra Buch.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Toll, dass sie dort Dein Potential erkannt haben Susanne! Wer weiß, vielleicht laden sie Dich einmal ein, und Du kannst, darfst ausschließlich im Regenwald herumkriechen. Und die Anerkennung einer Professorin, die früher dort gearbeitet hat, das tut natürlich richtig gut!. :thumbup:

    Viele Grüße

    Addi

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    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Dafür brachte die mondlose Nacht - überhaupt bewegen wir uns ja wieder auf Neumond zu - allerhand Viecher.

    Allerhand Viecher, was für eine Untertreibung. ^^
    Und das nur an einer von vier Lampen, Wahnsinn!

    Jetzt gehe ich schauen, was meine "Kinderchen" machen. Ich beobachte eine Gruppe Raupen (von Methona confusa) seit dem Tag des Eier-legens und mache täglich ein Foto.

    Ach deshalb die vielen Bilder auf iNaturalist, ich hatte mich schon gewundert.
    Es ist ein tolles Erlebnis, deine täglichen Funde bestaunen zu dürfen. Diese unglaubliche Vielfalt an Formen und Farben, ich bin total begeistert. :ups: :alright::alright::alright:

    Mittlerweile ist meine Zeit hier schon fast vorbei, nächsten Dienstag geht's zurück nach Quito,

    Wie schnell die Zeit vergeht, der Abschied wird sicher alles andere als leicht ...
    Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass dies nicht dein letzter Besuch dort war.:91: ;)

    am Donnerstag Abend bin ich wieder zu Hause.

    Das wird ein krasser Wechsel. Vom feuchten,grünen Nebelwald ins heiße und vermutlich ausgetrocknete Spanien.

    Ich wünsche dir noch einige schöne Stunden,weitere tolle Funde und eine angenehme Heimreise.

    Viele Grüße
    Uwe

    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • liebe Susanne,

    Ich beobachte eine Gruppe Raupen (von Methona confusa)

    Das wird aber ein ganz hübscher. Im Lepiforum haben sie noch keine Raupenbilder.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Jetzt will ich doch sehen, wie das aussieht. Man merkt ja immer erst hinterher, ob man auch alle Fotos so hat, wie man sich das vorstellt.

    Lebenszyklus des Tagschmetterlings Methona confusa (Nymphalidae)

    Am 14. Juni habe ich auf dem Gelände der biologischen Station Los Cedros im Nordwesten Ecuadors einen Schmetterling dieser Art bei der Eiablage beobachtet. Daraufhin habe ich beschlossen, jeden Tag ein Foto zu machen und die Entwicklung zu dokumentieren.

    Diese Collage habe ich wochenweise angeordnet, damit man einen leichten Überblick hat.

    Wie man vielleicht erkennen kann, war Mama Methona etwas "konfus", denn sie hat ihre Eier nicht auf der Nahrungspflanze abgelegt, sondern auf einer Bromelie daneben. Als die Raupen am 23.6. geschlüpft waren, habe ich mir daher erlaubt ein Blatt von Brunfelsia grandiflora an der Bromelie festzubinden, damit die Eiraupen den "Umzug" schaffen. Ansonsten habe ich nicht eingegriffen.

    Aus 34 gelegten Eiern sind 19 Raupen geschlüpft. Am Anfang waren sie immer zusammen. Ich fand es spannend zu beobachten wie sie nebeneinander saßen und ein Blatt systematisch runter gefressen haben. Waren sie schließlich am Blattstiel angekommen, sah es immer so aus als wüssten sie nicht, wie es weitergeht und es hat meist auch einen halben Tag gedauert, bis sie das nächste Blatt in Angriff genommen hatten. Als sie größer wurden, haben sie sich (geplant oder ungeplant) über verschiedene Blätter verteilt, die sie aber auch innerhalb von einem oder zwei Tagen verspeist hatten. Seit der Zeit habe ich auch alle 19 nicht mehr wieder gefunden.Ich glaube, es waren zum Schluss 10 oder 11, wobei ich aber nicht weiss, was passiert ist. Vielleicht saßen sie ja irgendwo anders auf der gleichen oder einer Nachbarpflanze und ich habe sie nur nicht gefunden.

    Die gelb-schwarz geringelte aposematische Warnfärbung der Raupen hat natürlich ihren Grund, denn die Gattung Brunfelsia gehört zu den Nachtschattengewächsen und enthält wie andere ein giftiges Alkaloid, das die Raupen nutzen um sich selber ungenießbar zu machen. Brunfelsia grandiflora ist zwar in Ecuador heimisch, ich habe aber nicht rausgefunden, welche ökologischen Ansprüche sie stellt. Die Pflanzen habe ich nur auf dem Gelände der Station gefunden, sie schienen mir gepflanzt zu sein. ->Brunfelsia grandiflora bei wikipedia

    Zum Schluss noch den Lebenszyklus von Methona confusa als Abbildung. Das Puppenfoto ist von einer leeren Hülle, ich meine zwar ich hätte auch ganze Puppen gesehen - sie saßen gerne an Zement- und Holzwänden, aber nicht mehr, als ich fotografieren wollte.

    Unten links, in dem Bild vom 12. Juli ist neben der fast 3 Wochen alten Raupe noch eine von ca. 3-4 Tagen; da sieht man schön den Größenunterschied.

    Liebe Grüße
    Susanne

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    ― Jane Goodall

    Tierartenliste 2026 bestätigt (Stand 29.05.26) gesamt: 460, neu: 26, Vögel: 82, Nachtfalter: 77, Tagfalter: 28, Liste gesamt bei iNat

  • Wie spannend und klasse dokumentiert Susanne! Die leere Puppenhülle sieht genauso schick aus wie die Imago!
    Der Größenunterschied zwischen L1 und L5 ist schon beachtlich...).

    (Ich hoffe, Du bist in Deiner Region nicht von den Bränden betroffen...)?

    Viele Grüße

    Addi

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    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Eine sehr schöne Dokumentation. :alright: :ups:

    Unten links, in dem Bild vom 12. Juli ist neben der fast 3 Wochen alten Raupe noch eine von ca. 3-4 Tagen; da sieht man schön den Größenunterschied.

    Dieses Vergleichsfoto finde ich besonders toll.:97:

    Viele Grüße
    Uwe

    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Kasimir July 22, 2026 at 4:08 PM

    Changed the title of the thread from “Notizen aus dem Regenwald” to “Notizen aus dem Regenwald: Lebenszyklus von Methona confusa”.
  • Eine sehr schöne Dokumentation.

    Danke. :98. Deshalb die vielen Fotos von den "immer gleichen" Raupen.

    Ich habe noch einen Nachtrag. Eines Tages sah ich ein Gewusele am Boden - irgendwie zu viele Flügel :92:

    Ich habe sie hochgenommen - ja, eindeutig drei Schmetterlinge!

    Dass Schmetterlingsmännchen nicht verstehen, dass "nein" auch wirklich nein heißt, sieht man ja häufig. Aber das fand ich dann doch schon extrem (frech) - er hatte allerdings keinen Erfolg! :26::79:

    Liebe Grüße
    Susanne

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  • Dass Schmetterlingsmännchen nicht verstehen, dass "nein" auch wirklich nein heißt, sieht man ja häufig

    Nun, das gilt nicht nur für Schmetterlinge, leider ist das bei einigen Menschen nicht anders...

    Das sind so hübsche Tiere!

    Viele Grüße

    Addi

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    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Eines Tages sah ich ein Gewusele am Boden - irgendwie zu viele Flügel

    Dieses Verhalten haben die doch schon im Namen: Methona confusa. ^^
    So was sehe ich auch ab und zu mal, selten allerdings mit mehr als zwei Schmetterlingen.
    Tolle Beobachtung! :ups:

    Viele Grüße
    Uwe

    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Liebe Susanne,
    den Lebenszyklus von Methona confusa hast du wunderbar dokumentiert und gestalterisch hervorragend umgesetzt. Im Lepiforum gibt es zwei Lebendbilder, die würden sich bestimmt über deine Fotos freuen. Da ist alles dabei, Eiablage, Eier, Raupen, Puppe und sogar die Nahrungspflanze der Raupen. Suuuuper! :66:

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

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