Schnaken - so wurde uns im Unterricht von einer Bio-Nonne ein Bär aufgebunden

  • Liebe Alle

    Ich bin, wie so manch jemand aus meiner Generation, noch von katholischen Nonnen unterrichtet worden. Was die Aufklärung im zwischenmenschlichen betraf waren sie echt besch.....eiden. Um es mal milde auszudrücken.

    Was dann aber das Tierreich anbetraf, das schienen sie gut im Griff zu haben. Bei einem Thema aber kommen mir immer mehr Zweifel, ob die uns nicht doch einfach einen grossen Bären aufgebunden haben. Bei den Schnaken war das. Die Biologie-Nonne erklärte unserer Klasse, dass die grossen langen und schmalen, gut sichtbaren Mücken (analog Foto) alles Männchen seien, die nicht stechen würden. Wir sollten diese also nicht totschlagen, wenn wir die im Zimmer haben - die täten uns nichts. Die Weibchen seien nur nadelspitzengross (für mich sind die nur hörbar und nie sichtbar). Sie würden stechen, da sie das Blut auch für die Brut und für sich als Nahrung bräuchten. Soweit so gut.

    Nun habe ich schon mehrfach "Männchen" zusammen gesehen, zum letzten Mal erst gestern Nacht, wo ich unsere Wiese nach der rostroten Wegschnecke absuchte -mit der Taschenlampe bewaffnet. Überall im Gras turnten im Schein meiner Taschenlampe ebensolche langen, gut sichtbaren Schnaken herum in einer Art, die mich grad wieder an die Geschichte mit den männlichen Schnaken erinnerte und mich entsprechend irritierte, sah doch das Gebalge nach ziemlich viel Leidenschaft aus! Oder nach Eroberung.

    Sind die beiden auf dem Foto wirklich Männchen oder sind sie doch ein Paar aus je einem Weibchen und einem Männchen? Diese beiden traf ich an einer Kirchwand an einem Junimorgen an und am Nachmittag, als ich von der Wanderung zurückkam - (nach 6 Stunden) waren die immer noch zusammen. Und auch die vielen Paare gestern Abend, kurz vor 22.00h, waren um 23.00h noch immer zugange, man hörte es auch, da ihre Flügel (so meine ich) Surrgeräusche machten

    .

    Ich freue mich auf eine echte "Aufklärung" in Sachen Schnaken-Anatomie.


    Liebe Grüsse

    Bea

    "Gerade die Natur lehrt mich,

    dass einem Grossartiges

    durchaus auch in Fusssesnähe

    begegnen kann"

    Bea Pfister - Text aus eigener Gedichteküche vom 26.09.1996

  • Hallo Bea,

    da tanzt tatsächlich der Bär ...

    Schnaken (Kohl-, Wiesen-, etc-Schnake) ernähren sich von Säften wie Wasser, Blütennektar, etc. und zwar beide Geschlechter. Sie haben keine Stechwerkzeuge und sind absolut harmlos. Dein Bild zeigt tatsächlich eine Schnaken-Paarung. Das Weibchen ist oben, das Männchen hängt darunter.

    Die kleinen Biester, deren Weibchen Blut saugen und für die Entwicklung der Eier verwenden, sind klassische Stechmücken. Da sind Weibchen und Männchen etwa gleich groß (~1cm), die Männchen sind aber schlanker und haben gefiederte Antennen. Die Männchen stechen nicht, die Weibchen schon.

    Insofern stimmt in Deiner Erzählung zwar die Lebensweise in Bezug auf Stechmücken, die Sache mit der Größe ist aber Unsinn und wurde mit Schnaken verwechselt.

    LG, Jürgen

  • Hallo,

    "Schnake" ist leider Gottes z. B. im süddeutschen Raum nicht nur die Bezeichnung für Vertreter der Tipulidae, sondern auch für die der Culicidae (Stechmücken).

    Richtig ist, dass die Weibchen der Culicidae Blutmahlzeiten für die Bildung der Eier benötigen, wo hingegen die Männchen sich mit Nektar o. Ä. begnügen.

    Wegen dieser Eigenschaft, die (im Vergleich zu Samenzellen wesentlich größeren) Eier produzieren zu müssen, sind aber die Weibchen in der Regel die größeren, und dass nicht nur bei Culicidae und Tipulidae.

    Tipulidae benötigen keine Blutmahlzeit, sind darauf auch nicht angelegt und stechen keine Menschen mit ihren Mundwerkzeugen. Auf Deinem Bild kopulieren zwei Tipuliden, folglich ein größeres Weibchen (oben im Bild) und ein kleineres Männchen (unten).


    Viele Grüße

    Ziegelstein

    "Ah, connections, Son. That's the fateful key that Harriet missed, the key to understanding the natural world."

    Father Worm in "There's a Hair in My Dirt! - A Worm's Story" by Gary Larson.

  • Hallo,

    "Schnake" ist leider Gottes z. B. im süddeutschen Raum nicht nur die Bezeichnung für Vertreter der Tipulidae, sondern auch für die der Culicidae (Stechmücken).

    Lieber Jürgen, lieber Ziegelstein Danke für Eure aufschlussreichen Antworten. Der schweizerische Dialekt (Thurgau, Schaffhausen und St. Gallen) ist dem der süddeutschen Bevölkerung in vielem ähnlich. Wir verstehen uns in der Regel, ohne dass man anders reden muss als wie gewohnt. Und ein Schnoogg ist bei uns genau wie Ziegelstein das anmerkt einfach eine Stechmmücke und von denen hatten wir heuer jede Menge- entsprechend übersät von Stichen sind so ziemlich alle, die ich kenne.

    Ist jemand hier, dem es mal gelungen ist, die kleinen Biester namens Culicidae photographisch abzubilden - wie gesagt, die kann ich wegen ihrem dauernden Herumflug nie sehen, sondern immer nur hören oder eben spüren, was sie auf meinem Körper anrichteten.

    Übrigens - interessante Beobachtung meinerseits. Ich hatte als Jugendliche eine Krebserkrankung und brauchte Chemo, es war anno 1985 und das war auch so ein Mückenjahr - und im Übrigen gab es am Bodensee Entenflöhe, die ihrerseits alle Gäste am Ufer attackierten. Ich blieb in diesen eineinhalb Jahren von Stichen von Mücken wie von Entenflöhen verschont, kaum hatte die Zytostatika-Behandlung begonnen (dafür pieksten mich die Krankenschwestern dauernd wieder - aber ohne darauffolgenden Juckreiz)

    Offenbar sind Stechmücken in der Lage, die Ausdünstung von Chemo-Menschen so zu deuten, dass sie irgendwie wissen, dass der Saft, den sie hier gewinnen würden, ihnen nicht wirklich gut tut. Ob Mücken Übelkeit kennen? Keine Ahnung. Aber neben der Genesung brachte mir die Chemo einfach noch einen positiven Nebeneffekt mehr. In einem Camp verarbeiteten wir diese Begebenheit später zu einem Sketch, denn auch andere junge Menschen mit Chemo machten dieselbe Erfahrung wie ich.

    Mit herzlichem Gruss

    Bea

    Dem Sketch, den wir Deutschsprachigen als Theater im Camp in den USA aufführten, liegt ein gereimtes Gedicht zugrunde - vielleicht hat ja jemand Spass an dem Ulk:

    Der Mückensketch

    Eine Mückendame, nicht ganz helle,

    landet auf der Beinprothese von Pelle,

    will dort ihren Rüssel ins Bein drücken,

    zum Blutsaugen, doch s’will einfach nicht glücken.
    -
    Da fliegt grad ne andere Mücke vorüber,

    die ruft: „He, sind Sie bsoffe oder einfach hinüber?

    Sie sitzen auf dem falschen Bein,

    Oh sind Sie dämlich, ach nein, ach nein!“
    -
    Flink fliegt sie auf Pelles echtes Bein

    und drückt da ihren Saugrüssel rein,

    sie trinkt ganz gierig, in grossen Schlucken,

    doch plötzlich fängt sie an zu spucken.

    Ihr wird es elend und sie muss kotzen

    sie findet keine Zeit mehr, um noch was zu motzen!

    Und kurz bevor sie tot fällt um,

    kräht die andere auf der Prothese: „Oh nein, Sie sind dumm!

    -
    Da bohr ich lieber vergebens und verstauch meinen Schlauch,

    dafür hab ich keine Schmerzen in meinem Bauch!“

    Sie deutet auf Pelles Glatze und dann grööhlt sie:

    „Oh, der Bub hat doch Chemotherapie!“

    Ich flieg nun auf ein gesünderes Bein

    und komme am Morgen auch ganz wieder heim!!“
    -
    Doch just, als sie so lacht,

    ist der Pelle aus süssem Schlaf erwacht,

    hat gemerkt, was da passiert

    und hat nicht lang studiert.

    Er haut auf die Mücke, dass es nur so kracht,

    dann sagt er sich selber wieder Gute Nacht.

    Die toten Mücken auf seinen Beinen lässt er so liegen,

    so sehen sie alle Stechmücken, die vorbeifliegen.

    Die sind so für die andern eine Warnung,

    denn die, welche sie sehen, bekommen ne Ahnung.

    Die sehen, Pelles Blut tut keiner sehr wohl

    Und auf der Prothese zu landen, ist ja auch hohl.

    Und gibt’s keine Haare, die den Chemo-Jungen da stören,

    kann der auch ganz sachte Geräusche wie Mückenlachen hören.

    Bea P., Juli 1987

    "Gerade die Natur lehrt mich,

    dass einem Grossartiges

    durchaus auch in Fusssesnähe

    begegnen kann"

    Bea Pfister - Text aus eigener Gedichteküche vom 26.09.1996

    Edited once, last by Bea_aus der Schweiz (September 10, 2025 at 10:29 PM).

  • Klasse das Mückengedicht! ^^
    Ebenso habe ich mich über die Formulierung "Biologie-Nonne" amüsiert. Irre, was da für ein Unsinn verzapft worden ist! Mal davon abgesehen, dass "diese Spezies" mit gewissen zwischenmenschlichen Techniken nicht vertraut sind, schien sie aber auch mit der grundlegenden Biologie auf Kriegsfuß zu stehen...:33:

    Viele Grüße

    Addi

    _______________________________________________________________________________________________________________________

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Liebe Bea,
    bei deiner Schilderung habe ich ein bisschen Gänsehaut bekommen, du hast schon allerhand im Leben durchgemacht. Das Mückengedicht ist einfach köstlich, da ging beim Lesen ein Grinsen breit von rechts nach links bis an die Ohren. Danke für diese herrliche Unterhaltung.

    Die Biologie-Nonne hat euch ganz schönen Unfug erzählt, unglaublich.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Sabine

    Ich hoffe, die Gänsehaut ist wieder weg und es bleibt das Grinsen von rechts bis links. Mir gehts gut, vielleicht gewichte ich das Wohlbefinden einfach auch anders, weil ich es seit früher Kindheit erfahren habe (Ersterkrankung war 1975), dass es nicht selbstverständlich ist, Wohlfühltage geschenkt zu bekommen,

    Im Camp war das dann die Therapie, dass wir lernen sollten, wieder zu lachen und gerade auch über den Mist zu lachen, der uns passiert ist und das in etwas zu verwandeln, was uns in der Zukunft helfen kann. Humor ist da ein echtes Wundermittel. Als ich mein besseres Auge verloren habe- hat mir der Humor auch hier geholfen, aus dem traurigen Loch wieder rauszukraxeln und mich eben dem zuzuwenden, was immer noch ein Genuss ist - trotz des Verlustes. Und davon gibt es viel. U. a. eben die Welt der Insekten, der Blumen und der Landschaften, welche die Seele zum Hüpfen bringen.

    Und jeden Tag habe ich Grund zu danken - man stellte einst anno 1975 die Prognose, ich würde keine 10 Jahre jung. Und so viele meiner Weggefährten in den Kinderkliniken haben es nicht geschafft, obwohl sie kämpften wie Löwen. In der Jugend fragte ich mich, warum es mich wieder getroffen hat und ich wieder kämpfen muss. Reihum starben Freunde, ganz kleine Kinder teils. Aber ich habe überlebt mit ein paar wenigen anderen aus dieser Zeit. Ich darf das Leben geniessen und Träume leben. Warum ich und nicht all diese wunderbaren anderen Kinder, die gestorben sind - ich habe mich das oft gefragt. Heute weiss ich, ich habe einfach und ganz unverdient grosses Glück gehabt.

    Wenn man ganz nah "am Himmel" war und dann ins Leben zurückgeht und verloren geglaubte Träume leben darf, hat alles einen ganz anderen Glanz- einen grauen Alltag kenne ich nicht. Ich darf mich als Glückskind fühlen - aus tiefstem Herzen und mit grosser Dankbarkeit in der Seele.

    Liebe Grüsse an alle

    Bea

    "Gerade die Natur lehrt mich,

    dass einem Grossartiges

    durchaus auch in Fusssesnähe

    begegnen kann"

    Bea Pfister - Text aus eigener Gedichteküche vom 26.09.1996

  • Liebe Bea,
    von deiner sympathischen, positiven Lebenseinstellung, von deiner Gabe, nichts als selbstverständlich und das meiste als Geschenk anzusehen, davon könnte sich so mancher eine dicke Scheibe abschneiden.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Sabine

    Danke für Deine lieben Worte - ich glaube einfach, dass man es sich mit einer gewissen Positivität auch selber einfach leichter macht, als wenn man ewig denkt, man stehe auf der Schattenseite im Leben. Für irgendwas ist alles gut, auch der grösste Mist kann woanders ein Dünger werden...

    Da das ja nun grad mal ganz gut passt- hier meine schönste Schnake, die ich je gesehen habe - dieses Jahr im Mai im Naturschutzgebiet der Husemer Seen im Kanton Zürich

    Eine Kammschnake (Ctenophora pectinicornis) Prächtig war diese, gross und farblich auch halb exotisch.

    Noch nicht durch Euch aufgeklärt darüber, dass Schnaken gar nicht stechen können, bzw. dass wir Ostschweizer den falschen Tieren, nämlich den Mücken auch Schnaken sagen, hatte ich schon etwas Respekt vor ihrem recht imposanten "Stachel" an ihrem Körperende.

    Liebe Grüsse

    Bea

    "Gerade die Natur lehrt mich,

    dass einem Grossartiges

    durchaus auch in Fusssesnähe

    begegnen kann"

    Bea Pfister - Text aus eigener Gedichteküche vom 26.09.1996

    Edited once, last by Bea_aus der Schweiz (September 11, 2025 at 11:55 PM).

  • Bea_aus der Schweiz September 11, 2025 at 11:50 PM

    Changed the title of the thread from “Schnaken - wurde uns im Unterricht ein Bär aufgebunden?” to “Schnaken - so wurde uns im Unterricht von einer Bio-Nonne ein Bär aufgebunden”.
  • dass wir Ostschweizer den falschen Tieren, nämlich den Mücken auch Schnaken sagen, hatte ich schon etwas Respekt vor ihrem recht imposanten "Stachel" an ihrem Körperende.

    Zwecks weiterer Verwirrung: Schnaken (Tipulidae) sind Mücken (Nematocera), so wie Stechmücken (Culicidae), Kriebelmücken (Simuliidae), Sandmücken (Phlebotomidae), Bartmücken alias Gnitzen (Ceratopogonidae), Zuckmücken (Chironomidae), Haarmücken (Bibionidae) und einige mehr. Diese ganzen "-idae" sind verschiedene Familien, die zum Fliegen nur das Vorderflügelpaar besitzen, das Hinterflügelpaar hat sich im Laufe der Entwicklung der Zweiflügler zu Schwingkölbchen umgewandelt. Von anderen Dipteren (also Zweiflüglern; übrigens eine Ordnung der Insekten) grenzt man die Mücken (als Unterordnung) z. B. anhand ihrer Antennen (Fühler) ab, die sind vielgliedrig und mehr oder weniger fadenförmig, was im Namensteil "Nemato" steckt ( vgl. z. B. Nematoden = Fadenwürmer). Die "cera" stehen als "Hörner" (siehe z. B. Rhinoceros = Nashorn) für die Antennen, und so könnte man statt Mücken auch Fadenfühler oder Fadenhörnler sagen, wenn man wollte. Die andere Unterordnung der Zweiflügler sind die Fliegen (Brachycera, also "Kurzhörnler"), deren Antennen in der Regel aus nur drei erkennbaren Segmenten bestehen. Aber nicht alles, was "Fliege" im Namen trägt, ist ein Zweiflügler. Eintagsfliegen (Ephemeroptera), Steinfliegen (Plecoptera) und Köcherfliegen (Trichoptera) sind weitere Insektenordnungen, Florfliegen (Chrysopidae) sind eine Familie innerhalb der Netzflügler (Neuroptera). "Flügler" wäre ohnehin die bessere Bezeichnung für die ganzen "-ptera", aber das mit der Fliege hat ja auch im englischen Sprachgebrauch die Runde gemacht (Butterfly, Damselfly, Dragonfly ...). Lustiger Weise sind da die Florfliegen mehr mit ihren Flügeln charakterisiert (lacewings), aber warum Marienkäfer zu den Vögeln gehören sollen (ladybirds), kann mir die Schweizerin vielleicht erklären, da gehört die Painted Lady (mit viel Schminke von der Cynthia zur Vanessa?) ja zu den Summervögeln (Pfifolder).

    Viele Grüße

    Ziegelstein

    "Ah, connections, Son. That's the fateful key that Harriet missed, the key to understanding the natural world."

    Father Worm in "There's a Hair in My Dirt! - A Worm's Story" by Gary Larson.

  • Sehr interessant! :thumbup:

    Viele Grüße

    Addi

    _______________________________________________________________________________________________________________________

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Hallo Ziegelstein

    Mega interessant und zugleich verwirrend. Insektenkunde (Entomologie) ist definitiv eine Wissenschaft! und was in den einzelnen Dialekten noch kreiert wird auch. Tatsächlich sagt man den Schmetterlingen in der Schweiz auch Summervögel. Und Pipolder ist in Teilen Graubündens das gleiche.

    Warum aber Marienkäfer Ladybirds genannt werden, das weiss ich nicht- wäre nie drauf gekommen, sie so zu nennen. Die sind in unserem Dialekt ähnlich- nämlich Mariechäfer(li).

    Zuguterletzt - Entomologie hat ja auch nichts mit Enten zu tun, was Laien durchaus annehmen könnten, wenn sich ihnen ein Entomologe vorstellt. Ganz durch werde ich in der Materie wohl nie sein, aber die Freude an den Geflügelten und Krabblern bleibt.

    Liebe Grüsse

    Bea

    "Gerade die Natur lehrt mich,

    dass einem Grossartiges

    durchaus auch in Fusssesnähe

    begegnen kann"

    Bea Pfister - Text aus eigener Gedichteküche vom 26.09.1996

  • Hallo zusammen,

    Das Problem mit den unterschiedlichen deutschen Namen ist so häufig, im Spinnenforum werden deswegen ausschließlich die latinisierten wissenschaftlichen Bezeichnungen benutzt.

    Zur Ehrenrettung der alemannischen Dialekte, möchte ich aber ergänzen, dass unsere Varianten wie z B. der Begriff "Schnake" für Stechmücken älter ist. Das wurde nicht neu dazuerfunden, sondern ist einfach noch näher an alten Sprachvorstufen des Deutschen dran.

    Wir (Schwaben und Deutschschweizer) benutzen also nicht "falsche" Bezeichnungen sondern jene, die viele Jahrhunderte richtig waren und vor wenigen Jahrzehnten im Hochdeutschen durch neue Wortkreationen ersetzt wurden.:cool:

    Sodele!

    LG (Liebes Grüßle)

    Jutta

  • Warum aber Marienkäfer Ladybirds genannt werden, das weiss ich nicht- wäre nie drauf gekommen, sie so zu nennen.

    Da solltest Du Dich vertrauensvoll an die Engländer und andere, englisch sprachige Länder und deren Einwohner wenden. ;)

    Liebe Grüße

    Klaas

    Der englische Biologe John Burton Sanderson Haldane (*05.11.1892 in Oxford, Vereinigtes Königreich 01.12.1964 in Odisha, Indien) fand sich einst in Gesellschaft einer Gruppe Theologen wieder. Auf die Frage, was man wohl über die Natur des Schöpfers aus der Untersuchung seiner Schöpfung schließen könne, soll er geantwortet haben: „Eine unangemessene Vorliebe für Käfer!“ - Und ich hätte gefragt: "Wieso unangemessen???" :79:

  • Als Kurpfälzer (gebürtiger Mannheimer) zähle ich auch zu den Süddeutschen. Zu Hause wurde Dialekt gesprochen. Die Stechmücken waren einfach Schnaken ("Schnooge"). Die (zoologischen) Schnaken sind mir von damals nicht geläufig, ihre Bezeichnung kenne ich nicht (mehr). Auch heute noch kann man die Tipulidae Laien gegenüber nicht einfach als Schnaken bezeichnen, wenn doch, so wird man groß angeguckt. "Im Gegenzug" wurden die Fliegen (die in der Form der Stubenfliege allgegenwärtig waren) einfach als "Mucke" bezeichnet, Einzahl "die Muck". Lustig wird es dann, wenn ein Dialektsprecher ins Hochdeutsche verfällt und die Fliegen als Mücken bezeichnet.

    Wie sehr das Wort Schnake im Süden festsitzt, sieht man an der "KABS". Das ist die "Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage e.V.", die seit 1975 am gesamten Oberrhein die Stechmücken bekämpft (zur Zeit mittels Bti). Die könnte im Namen einfach die Schnaken durch Stechmücken ersetzen, das Akronym wäre ja dasselbe.

    Liebe Grüße

    Peter

    - - - - - - - - - - - - - -

    Aus meiner Lebensliste: Tierarten aus meinem Garten:

    161 Falter (Album), 106 Käfer (Album), 60 Wanzen (Album)

  • Warum aber Marienkäfer Ladybirds genannt werden, das weiss ich nicht- wäre nie drauf gekommen, sie so zu nennen. Die sind in unserem Dialekt ähnlich- nämlich Mariechäfer(li).

    Der Name bezieht sich im Deutschen und Englischen auf den leuchtenden Rotton des. Siebenpunkts. Beide Bezeichnungen sind Namen für die Jungfrau Maria (Our Lady, Lady Mary). Da die Heilige Maria auf spätmittelalterlichen Darstellungen im scharlachroten Umhang gezeigt wurde (siehe auch Gattungsname Coccinellidae, die Scharlachroten) und die Käfer Blattläuse fressen, und damit Ernteeinbußen verringerten war ein Bezug zur schadenabwendenden Muttergottes naheliegend.

    LG

    Jutta

  • Gut, die Lady hätten wir, aber wie kommt es zu bird (nicht, dass am Ende einer ladybug schreiben wollte und mitten im "u" was dazwischen kam...)?

    "Ah, connections, Son. That's the fateful key that Harriet missed, the key to understanding the natural world."

    Father Worm in "There's a Hair in My Dirt! - A Worm's Story" by Gary Larson.

  • Gut, die Lady hätten wir, aber wie kommt es zu bird (nicht, dass am Ende einer ladybug schreiben wollte und mitten im "u" was dazwischen kam...)?

    Hihi,

    Der amerikanische Name ladybug ist viel jünger als das englische ladybird. Da kann die Verwechslung nur andersrum stattgefunden haben. Auch in deutschen Mundarten werden Käfer manchmal als Vögelchen bezeichnet, ich müsste konkrete Beispiele suchen, da bräuchte ich aber bissle Zeit dazu. Mit Flügeln ist es wie mit austretenden Flüssigkeiten. Was fliegt, wird Vogel genannt, was bei Verletzung austritt wird als Milch oder Blut bezeichnet. Egal ob das von einer Pflanze stammt oder von einem Säugetier. Ähnliche Eigenschaften führen zu ähnlichen Namen. Sprache ist. kreativ und wir Menschen lieben es Dinge Gruppen zuzuordnen, hat das Leben unserer Vorfahren erleichtert.

    Ich liebe z.B. die zahlreichen mundartllichen Namen für Pflanzen, bin gespannt, ob du als Alemannin den Namen Kuehseucherle kennst, dafür gibt es in meiner suebischen Stammessprache noch mindestens 6 weitere Bezeichnungen.

    Liebe Grüße

    Jutta

  • Auch in deutschen Mundarten werden Käfer manchmal als Vögelchen bezeichnet, ich müsste konkrete Beispiele suchen, da bräuchte ich aber bissle Zeit dazu.

    Sofern sie Geräusche (z. B. durch Stridulation) von sich geben können, kann ich mir vorstellen, wie es z. B. zum "-hähnchen" (Getreide, Lilien, Spargel) gekommen ist.

    Alemanne bin ich keiner, aber wenn sich "Kueh" auf austretenden Milchsaft bezieht, könnte der Name einer Fernsehsendung für Kinder ebenfalls auf die Pflanze zutreffen.

    "Ah, connections, Son. That's the fateful key that Harriet missed, the key to understanding the natural world."

    Father Worm in "There's a Hair in My Dirt! - A Worm's Story" by Gary Larson.

  • Auf der Seite https://www.etymonline.com/word/ladybird steht eine Worterklärung für ladybird. Da die Etymologie naturbedingt nun mal keine exakte Wissenschaft ist, könnte es auch andere Erklärungen geben, aber was ich da gelesen habe, finde ich plausibel.

    Liebe Grüße

    Peter

    - - - - - - - - - - - - - -

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