Highlights aus Andalusien 2025: Jahresabschluss

  • (...)

    Danach gab es auch noch einen bemerkenswerten Fund. Am 18.12. lief mir in Fuente de Piedra dieses Viech über den Weg.

    Mein erstes Foto von einem Ichneumon! :71::71::71: Da stört es mich auch überhaupt nicht, dass es nicht scharf ist. Ich weiß noch, wie ich vor Jahren mein erstes gesehen habe - das lief auch nur schnell über den Weg und ich fühlte die Zahnrädchen in meinem Hirn arbeiten. Das war kein Marder, Iltis, Wiesel, und erst recht kein Fuchs, Katze, Hund. Was ist das bloß???

    Klasse! - So wäre es mir bei Ansicht dieses Tieres auch ergangen. Vermutlich hätte ich es kurz für möglich gehalten, dass ein Wolpertinger einer Fabel entsprungen ist. :19::32:

    Disclaimer: Es ist nicht auszuschließen, dass Teile meines Postings auf Leser irritierend/verstörend wirken können. Dies gilt insbesondere für Passagen, die durch das ggf. verwendete Stilmittel von ironisch/spöttisch wirkenden Zuspitzungen missverstanden werden könnten. Diese Passagen sind grundsätzlich weder persönlich diskreditierend noch beleidigend motiviert! – Sollten sich Personen dennoch getroffen oder nicht respektiert fühlen, bitte ich hiermit vorsorglich um Entschuldigung.

  • Hallo Susanne,

    toll, dein Ichneumon - zuerst die Ginsterkatze, dann dieses hier! Ich vermute, dass ich vor vielen Jahren mal eines in Andalusien gesehen habe, das war aber so schnell weg, dass ich mir mit der ID unsicher war. Das zweite Mal knapp vorbeigeschrappt bin ich auf einer Vogelbeobachtungsreise mit einer Gruppe im Frühjahr 2023, wo eine Teilnehmerin eines weghuschen gesehen hat, aber niemand sonst. Nach ihrer Beschreibung war es aber eindeutig ein Ichneumon. Das war an der Laguna de Navaseca nahe Tablas de Daimiel (Castilla - La Mancha).

    Diese Mangustenart gibt es schon ganz lange auf der Iberischen Halbinsel. Laut Wikipedia weiß man nicht, ob die Population natürlichen Ursprungs ist oder bereits in der Antike von Menschen dort eingeführt wurde. Spannend.

    Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg,
    Wolf

    Edited once, last by Lupus (January 7, 2026 at 2:08 PM).

  • Hallo Wolf,
    ja, die sind schnell. :99: Dabei ist meins gar nicht mal galoppiert, sondern nur getrabt. Und obwohl ich ja vorgewarnt war, weil ich links vom Weg was gesehen hatte, habe ich es erst erwischt, als es den Weg schon fast überquert hatte.

    Diese Mangustenart gibt es schon ganz lange auf der Iberischen Halbinsel. Laut Wikipedia weiß man nicht, ob die Population natürlichen Ursprungs ist oder bereits in der Antike von Menschen dort eingeführt wurde. Spannend.

    Bei iNat ist meins jetzt als die Iberische Unterart H. i. widdringtonii bestimmt worden. Würden denn lumpige max. 3000 Jahre reichen, um eine neue Unterart hervorzubringen?

    Liebe Grüße
    Susanne

    You cannot get through a single day without having an impact on the world around you. What you do makes a difference, and you have to decide what kind of difference you want to make.”
    Jane Goodall

    Tierartenliste 2026 (Stand 14.02.26) gesamt: 143, neu: 3, Vögel: 56, Nachtfalter: 14, Tagfalter: 0, Liste gesamt bei iNat

  • Hallo Susanne,

    deine Frage nach der Unterartbildung kann ich nicht beantworten. Es scheint ja genetische Unterschiede zu geben. Oder man hat einfach eine Unterart definiert aufgrund der geografischen Isolation?

    Viele Grüße,
    Wolf

  • Hallo Wolf,
    das hat mir ja keine Ruhe gelassen, aber ich bin wohl nicht die einzige, die diese Frage stellt. Hier ist das Abstract eines interessanten Artikels, an den ich leider nicht rankomme.

    Liebe Grüße
    Susanne

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    Jane Goodall

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  • Hallo Susanne,

    der Artikel ist in der Tat interessant; der Abstract sagt ja im Wesentlichen, dass es weitere Forschungsarbeit für eine gesicherte Antwort braucht. Ich habe dir dazu auch eine PN geschrieben.

    Viele Grüße,
    Wolf

  • Mungoart (Herpestes ichneumon)

    Wie toll! Der sieht sehr interessant aus, mehr lang als hoch und mit kleinem Kopf. Und drei Mal ist er Dir schon über den Weg gelaufen... Es scheint ein tagaktives Tier zu sein.
    Etwas irritierend finde ich aber die Bezeichnung "ichneumon", da der mir bisher nur von den Schlupfwespen bekannt gewesen ist.

    Viele Grüße

    Addi

    _______________________________________________________________________________________________________________________

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."

    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Hallo Wolf,
    ja, die sind schnell. :99: Dabei ist meins gar nicht mal galoppiert, sondern nur getrabt. Und obwohl ich ja vorgewarnt war, weil ich links vom Weg was gesehen hatte, habe ich es erst erwischt, als es den Weg schon fast überquert hatte.

    Bei iNat ist meins jetzt als die Iberische Unterart H. i. widdringtonii bestimmt worden. Würden denn lumpige max. 3000 Jahre reichen, um eine neue Unterart hervorzubringen?

    Rein theoretisch können 3.000 Jahre reichen. Man muss unterscheiden zwischen den einzelnen Klassen und möglicherweise sogar zwischen Unterklassen oder sogar auf noch niedrigerer Ebene. Wirbeltiere haben in der Regel eine sehr viel langsamere Reproduktion, als z.B. Wirbellose, oder ggfs. Insekten oder wie tief auch immer man greifen muss. Durch die schnellen Generationenfolgen z.B. der Insekten, ist die Bildung einer Unterart oder im Zweifelsfalle sogar einer Art unendlich viel schneller möglich als bei Wirbeltieren. Unter Bedingungen völliger Isolation, z.B. Leben auf einer Insel ohne Austausch nach außen (also wo Insekten z.B. nur zufällig mit Treibgut angelangt sind und hier möglicherweise auch nur eins von sehr vielen) und die nächsten bewohnten Landflächen hunderte oder möglicherweise auch tausende Kilometer entfernt sind, also der genetische Austausch nahezu unwahrscheinlich, können sich neue Arten innerhalb weniger Jahrhunderte bilden, möglicherweise auch in noch kürzeren Zeiträumen. Immer in Abhängigkeit auch von der genetischen Variabilität, bzw. Veränderungsfreude, die eine Art an den Tag legen kann. Insekten, die zu starken, genetischen Veränderungen neigen sind dabei logischerweise schneller, als solche, deren Genetik recht konstant bleibt.

    In Bezug auf die Manguste (Herpestes ichneumon) liegen mir keinerlei Forschungsergebnisse vor. Mein Sachverstand sagt mir aber, dass eine Besiedlung auf natürliche Weise sehr wahrscheinlich ist, genau so, wie ich davon ausgehen würde, dass die ursprünglich selbständig nach Andalusien gelangten Mangusten immer wieder durch eingeschleppte oder auch selbständig dort anlandende Exemplare durchmischt wird. Die Frage einer Unterart ist dabei aus meiner Sicht nicht leicht zu klären. Wenn ich dann betrachte, dass bis heute diskutiert wird, ob in der Genetik des Homo sapiens sapiens auch Genetik des Homo sapiens neandertalensis steckt, kann man sich vorstellen, wie komplex das Feld ist. Ich gehe davon aus, dass die Manguste auf beiden Wegen, sowohl auf natürlichem Wege, als auch durch Verschleppung auf die iberische Halbinsel gelangt ist. Einzelne Quellen scheinen davon zu berichten, dass sie inzwischen auch in Italien vorkommen sollen. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Auf natürliche Weise dürften sie auf die iberische Halbinsel gelangt sein, als die Sahara noch Steppe war und die Manguste sicherlich auch großflächig in Nordafrika verbreitet war, während sich ihre heutige Verbreitung auf Süd- und Mittelafrika, den Nordosten Afrikas, einen schmalen Streifen entlang der libyschen Küste, über Ägypten und in einem schmalen Küstenstreifen über Ägypten, Israel, Libanon und Syrien bis in die Türkei rein, beschränkt. Sie meidet dabei ganz offensichtlich die Wüstengebiete. Dabei kommt sie aber in zwei kleinen Verinselungen in Westsahara und Mauretanien vor, was ich als Überbleibsel aus einer Zeit werten würde, als die Sahara eben noch Steppe war.

    In der Regel rühren aus meiner Sicht solche Verinselungen aus Zeiten, in denen Arten weiter und flächendeckender verbreitet waren. Ein schönes Beispiel hierfür ist die Laufkäferart Dromius meridionalis, die bis in die beginnenden 2000er z.B. in Deutschland nur auf Fehmarn gefunden wurde. Das kann man wohl als Relikt aus einer Zeit, vermutlich im 19. Jahrhundert, werten, wo sie +/- Flächen deckend wenigstens über West- und Norddeutschland verbreitet vorkam. Als die Jahresmitteltemperatur im Laufe des 19. Jahrhunderts sich verschlechterte, wurde die Art immer weiter nach Süden zurück gedrängt und hielt sich lediglich auf der Wärmeinsel Fehmarn. Nächste Vorkommen waren hunderte Kilometer entfernt. Inzwischen, im Zuge der globalen Erderwärmung, wird sie aus den Niederlanden und Belgien, sowie wenigstens NRW und Niedersachsen gemeldet und ist wieder flächig verbreitet von Fehmarn über Westdeutschland und die Nachbarländer.

    Insofern gibt es heute sicherlich keinen natürlichen Austausch mehr. Aber Verschleppungen über unser gesamtes Transportwesen halte ich auch heute noch für extrem wahrscheinlich. Also vermutlich eine Unterart, deren Genetik immer wieder mal ein klitzekleines Bisschen von verschleppten Tieren gestört wird. Meines Wissens bestehen auch Möglichkeiten die einzelnen genetischen Veränderungen über die Genetik zu kontrollieren. Ist wohl nur sehr aufwendig und Kosten intensiv.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Der englische Biologe John Burton Sanderson Haldane (*05.11.1892 in Oxford, Vereinigtes Königreich 01.12.1964 in Odisha, Indien) fand sich einst in Gesellschaft einer Gruppe Theologen wieder. Auf die Frage, was man wohl über die Natur des Schöpfers aus der Untersuchung seiner Schöpfung schließen könne, soll er geantwortet haben: „Eine unangemessene Vorliebe für Käfer!“ - Und ich hätte gefragt: "Wieso unangemessen???" :79:

  • Klaas Reißmann

    Hallo Klaas,
    das ist ein interessanter Beitrag.

    Es bestätigt mich in meiner (rein persönlichen) Ansicht, dass der Begriff „Art“ oft als viel zu scharf abgrenzend aufgefasst wird.

    Mal abstrakt. Angenommen es gibt eine Population mit Individuen vom Typ PP, PQ, QQ. PQ kann sich erfolgreich mit sich selbst und mit PP und QQ paaren, PP und QQ aber nur jeweils mit sich selbst und PQ. Diese Population würde man zu einer Art rechnen. Jetzt sterben aus irgend einem Grund die PQ Typen aus, es gibt nur noch PP und QQ, die zwar jeweils untereinander, aber nicht mehr gegenseitig paaren können. Dann hätte es man mit zwei Arten zu tun.

    Gruß,
    Volker

  • Klaas Reißmann

    Es bestätigt mich in meiner (rein persönlichen) Ansicht, dass der Begriff „Art“ oft als viel zu scharf abgrenzend aufgefasst wird.

    Da liegst Du falsch in Deiner Annahme, dass der Begriff Art scharf abgegrenzt aufgefasst wird. Es haben sich viele Leute an der Definition des Artbegriffes versucht und sind daran gescheitert. Es gibt keine Definition, die den Begriff Art klar umreißt. Der Begriff Art gilt zumindest unter Biologen als nicht definierbar. Einer der Gründe, weshalb sich hier eine Spielwiese der Eitelkeiten auftut und so manch einer sich selbst beweihräuchert und spaltet oder zusammen fasst. Die Regeln des ICZN akzeptieren nur die Benennung einer Art. Die Benennung von Unterarten, oder gar Formen oder Variationen ist über die Regeln der internationalen Nomenklatur nicht geregelt und vor allem nicht anerkannt. Auch wenn wir mit dem Begriff "Unterart" um uns schmeißen und man eben schon sehen muss, dass innerhalb des Verbreitungsgebietes einer Art sowas wie Unterarten vorkommen und beschrieben werden, weil wir ja auch diese nicht vernachlässigen wollen und schon erkennen, dass es innerhalb einer Art Abweichungen von der Norm gibt, die so konstant sind, dass man hier eben von einer Unterart sprechen kann, ohne sich zum Hampelmann zu machen. Insgesamt werden solche Benennungen auch akzeptiert, weil es eben schon Auffälligkeiten innerhalb einer Art geben kann, auch bezogen auf Formen und Variationen.

    Dabei ist die Unterscheidung zwischen Form und Variation klar geregelt. Benennt man eine Variation, ist deren phänotypisches Aussehen genetisch bedingt, während das phänotypische Aussehen einer Form nur auf andere Faktoren zurück zu führen ist. Aber teilweise ist auch hier die Abgrenzung sehr schwer, bis unmöglich. Nehmen wir das Landkärtchen. Jedem, der sich mit dem Thema befasst, sind die Sommer- und die Frühjahrsform dieser Art bekannt. Weniger bekannt ist, dass es in manchen Jahren auch eine Herbstform gibt, die phänotypisch zwischen diesen beiden Standardformen liegt. Die Frühjahrs- und die Sommerform sind so unterschiedlich, dass sie ursprünglich als selbständige Arten beschrieben wurden, bis man erkannte, dass es zur phänotypischen Ausprägung nur durch die Tagesdauer während des Wachstums der Raupen der kommt. Man kann also Frühjahrs- und Sommerform auch künstlich erzeugen. Nimmt man die Raupen, die aus den Eiern der Sommerform schlüpfen, und setzt diese künstlichem Licht aus, das die Tageslängen des Frühjahrs vortäuscht, ich meine 12 Stunden und mehr (ich weiß nicht ob ich die Dauer richtig im Kopf habe), dann erhält man, obwohl eigentlich die Frühjahrsform aus den Puppen schlüpfen müsste, trotzdem die Sommerform. Ebenso umgekehrt, wenn man die Larven vergleichsweise kurzen Tagen aussetzt, also weniger als 12 Stunden, ergibt es immer die Frühjahrsform. Ich halte es nur für sehr schwer, hier den Begriff der Form an Stelle der Variation zu verwenden, umgekehrt aber genau so. Denn zum einen ist diese Reaktion auf Tageslängen aller Voraussicht nach genetisch verankert, wird aber im Endeffekt nur durch abiotische Faktoren ausgelöst.

    Gehen wir jetzt einen Schritt höher, kommt es zu phänotypischen Ausprägungen, die man nicht mehr als Form oder Variation bezeichnen kann. Man hat eine Art, deren Aussehen beschrieben ist und Tiere dieses Aussehens, wie beschrieben, zu dieser Art zugehörig bestimmen. Sagen wir, dass die Art anhand von Tieren aus Westeuropa, Niederlande, Belgien, Westdeutschland beschrieben wurde. Folgen wir ihrer Verbreitung nach Osten, fallen z.B. die Tiere ab Polen, Tschechien und weiter östlich auf, weil sie phänotypisch abweichen. Sie haben grundsätzlich das gleiche Grundaussehen, aber es gibt Abweichungen. Nehmen wir einfach mal an, dass die Tiere im Westen rein schwarze Beine haben, die im Osten aber gelbe Schienen aufweisen. Und zwar nicht nur bei einzelnen Tieren, sondern dieses Merkmal ist konstant und alle Tiere zeigen dieses Aussehen. Dann haben wir hier Anhaltspunkte zur Beschreibung von was Neuem. Die Tiere sind aber ganz offensichtlich die gleiche Art. Also wird man hier eine Unterart beschreiben. Nach den internationalen Regeln der binären Nomenklatur nicht zulässig, aber allgemein anerkannt und akzeptiert. Wir haben also zwei Unterarten innerhalb einer Art. Wer sich nun mit dieser befasst und sich Tiere aus allen Bereichen des Verbreitungsgebiets ansieht, wird feststellen, dass es eine Übergangszone gibt, in der sowohl Tiere mit rein schwarzen Beinen, als auch solche mit aufgehellten Schienen zu finden sind. Die Menge der jeweiligen Ausprägung nimmt von Ost nach West, oder umgekehrt, ab, bis man wieder nur noch schwarze Beine, oder eben aufgehellte Schienen hat. ABER..., was mache ich mit den Tieren im Übergangsbereich? Sie zeigen keine Merkmale, die eine Beschreibung einer neuen Unterart rechtfertigen würden, aber sie zeigen auch Abweichungen. Der Einfachheit halber wird der sammelnde Entomologe die Tiere nach der einen oder der anderen Unterart benennen. Aber genetisch haben wir hier undefinierbares Wischi Waschi. Denn alle Tiere tragen genetische Informationen zum einen, wie auch zum anderen Phänotyp.

    Jetzt übertragen wir das auf eine Art, den Begriff eine Art zu definieren. Manch einer sagt, dass eine Art klar abzugrenzen ist, über den Weg der Kreuzung. Kreuze ich zwei Tiere, die ich als unterschiedliche Arten betrachte, so können hierbei Jungtiere entspringen. Der Gedanke ist aber, dass diese so genannten Bastarde nicht vermehrungsfähig sind (siehe Esel mit Pferd gekreuzt, ergibt ein Muli, welches nicht vermehrungsfähig ist - das heißt, dass die beiden Arten Esel und Pferd biologisch so weit von einander angegrenzt sind, dass eine Kreuzung unfruchtbare Nachkommen ergibt, aber noch so nahe miteinander verwandt sind, dass eine Kreuzung Nachwuchs erzeugt. Es würde niemand auf die Idee kommen, die Art Pferd, oder die Art Esel als Art in Frage zu stellen. Das Ergebnis ist eindeutig. Aber was machen wir bei Tieren, die ich miteinander kreuzen kann und es kommen vermehrungsfähige Nachkommen dabei raus. Die Vermehrung klappt weiter und weiter, aber irgendwo in der fünften oder sechsten, vielleicht auch zehnten Generation, bricht das Kartenhaus zusammen und auf einmal funktioniert nichts mehr. Dann haben wir wohl zwei Arten, die extrem nahe miteinander verwandt sind, deren biologische Abgrenzung aber schon so weit gediehen ist, dass die Kreuzung auf Dauer nicht funktioniert. Erkenne ich sie als Art an, oder lieber doch nicht und mache zwei Unterarten daraus? Weil erstmal klappt es ja.

    Treiben wir das Spielchen noch weiter. Nehmen wir eine Art mit einem großen Verbreitungsareal. Die südwestlichste Population lebt im Süden von Portugal und Spanien und von hieraus ist die Art über Süd-, Mittel- und Nordeuropa, nach Asien und schließlich bis in den äußersten Osten Asiens verbreitet. Nehme ich Tiere aus Portugal und kreuze sie mit Tieren aus Deutschland klappt das wunderbar. Nehme ich Tiere aus Deutschland und verpaare sie mit Tieren aus Bulgarien, klappt das Wunderbar. Nehme ich bulgarische Tiere und verpaare sie mit Tieren aus Ostsibirien, klappt das Wunderbar. Nehme ich Tiere aus Ostsibirien und verpaare sie mit Tieren einer Populationen im östlichsten Verbreitungsareal, klappt das wunderbar. Nehme ich Tiere aus Portugal und verpaare sie mit Tieren aus dem östlichsten Verbreitungsgebiet, geht die Nummer in die Hose. Was mache ich denn jetzt? Wie definiere ich hier den Begriff Art? Ist das überhaupt noch eine Art, oder muss ich zwei draus machen. Es gibt Argumente, die dafür sprechen und welche, die dagegen sprechen. Wat denn nu'?

    Und dann kommen noch solche Arten, die in Abgrenzung begriffen sind. Man kann erkennen, dass da wohl eine neue Art entsteht. Aber ab welchem Zeitpunkt habe ich eine neue Art? Die Tiere lassen sich problemlos miteinander verpaaren und erzeugen vermehrungsfähige Nachkommen. Man betrachtet das Spielchen über Menschengenerationen hinweg und sieht, dass da mehr und mehr passiert, aber ab wann kann ich da eine neue Art draus machen? Und anders herum: nehmen wir eine klar definierte Art, sagen wir mal, den Schwalbenschwanz, Papilio machaon. Könnte ich Tiere von vor 1.000 Jahren noch mit heutigen Tieren verpaaren? Oder haben sich die Tiere über die Jahrhunderte genetisch so verändert, dass ich phänotypisch immer noch dieselbe Art habe, aber biologisch nicht mehr von derselben Art sprechen kann? Was mache ich denn jetzt?

    Hilft mir die Genetik weiter? Genetische Abweichungen? Mensch und Schimpanse unterscheiden sich im genetischen Code in nur 1% bis 1,3%, aber in Millionen Basen. Der Mensch hat 46, der Schimpanse 48 Chromosomen. Wo setze ich bei Arten die Grenze an? Was reicht, um eine Grenze zu haben, die eine Art klar definiert? Ich denke, dass das Problem als solches klar ist. Es gibt keine eindeutige Definition für den Begriff "Art". Jede Definition hinkt an irgendeiner Stelle.

    Klaas Reißmann

    Mal abstrakt. Angenommen es gibt eine Population mit Individuen vom Typ PP, PQ, QQ. PQ kann sich erfolgreich mit sich selbst und mit PP und QQ paaren, PP und QQ aber nur jeweils mit sich selbst und PQ. Diese Population würde man zu einer Art rechnen. Jetzt sterben aus irgend einem Grund die PQ Typen aus, es gibt nur noch PP und QQ, die zwar jeweils untereinander, aber nicht mehr gegenseitig paaren können. Dann hätte es man mit zwei Arten zu tun.

    Das ist im Prinzip das, was ich oben über ein großes Verbreitungsareal beschrieben habe. Ich denke, dass es nicht ganz so einfach wird, wie Du es beschreibst, aber vom Grundtenor her passt es da rein.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Der englische Biologe John Burton Sanderson Haldane (*05.11.1892 in Oxford, Vereinigtes Königreich 01.12.1964 in Odisha, Indien) fand sich einst in Gesellschaft einer Gruppe Theologen wieder. Auf die Frage, was man wohl über die Natur des Schöpfers aus der Untersuchung seiner Schöpfung schließen könne, soll er geantwortet haben: „Eine unangemessene Vorliebe für Käfer!“ - Und ich hätte gefragt: "Wieso unangemessen???" :79:

  • So umfangreich war das gar nicht. Es gibt noch viele andere Probleme bei der Abgrenzung von Arten. Auch menschliche Ansichten und zum Teil auch Eitelkeiten spielen hier eine Rolle. Siehe z.B. Diachrysia chrysitis, die Messingeule. Für die einen zwei Arten (D. chrysitis und D. tutti), für die anderen ein Komplex, bei dem schwer zu sagen ist, ob es sich um zwei Arten handelt, für weitere sogar drei Arten. Die einen meinen, dass es sich hier um die Entwicklung einer neuen Art handelt, deren Abgrenzung zur anderen noch nicht abgeschlossen ist. Andere meinen, dass es sich um zwei Unterarten handelt, die eiszeitlich getrennt waren und nun auf breiter Front ihre Genetik wieder miteinander vermischen. Und die weitere Meinung ist, dass im östlichsten Bereich der Verbreitung eine dritte Art rumschwirrt.

    Sehr schön hierfür der folgende Wikipedia-Artikel (ich hätte auch nie gedacht, dass ich einen Artikel bei Wikipedia mal gut finden könnte, auch wenn er am Anfang ein wenig humpelt): Messingeule – Wikipedia

    Runter scrollen bis zum Punkt Systematik. Der erleuchtet ganz gut..., oder auch nicht. Je nach dem, wie sehr es einen verwirrt. ;)

    Auf jeden Fall kann man erkennen, dass die Geschichte sehr viel komplexer ist, als das, was ich oben an Beispielen versucht habe zu erklären.

    Liebe Grüße

    Klaas

    Der englische Biologe John Burton Sanderson Haldane (*05.11.1892 in Oxford, Vereinigtes Königreich 01.12.1964 in Odisha, Indien) fand sich einst in Gesellschaft einer Gruppe Theologen wieder. Auf die Frage, was man wohl über die Natur des Schöpfers aus der Untersuchung seiner Schöpfung schließen könne, soll er geantwortet haben: „Eine unangemessene Vorliebe für Käfer!“ - Und ich hätte gefragt: "Wieso unangemessen???" :79:

  • Liebe Susanne,
    ich finde es immer wieder beeindruckend, was in deiner Gegend alles zu finden ist. Zum Ichneumon gratuliere ich dir, du hast dich so sehr über die Fotomöglichkeit gefreut.

    Zum "Artkomplex" der Messingeule (Diachrysia chrysitis / Diachrysia stenochrysis) gibt es einen sehr ausführlichen Artikel im Lepiforum:

    Lepiforum

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,
    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.
    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Ich habe diesen letztjährigen Thread nochmal hervorgekramt, weil ich noch etwas anfügen wollte.
    Natürlich will ich meine 1000 Viecher nicht nur als online-Liste bei iNat haben, sondern auch in Buchform. Ich habe lange hin- und her überlegt, wie ich das bewerkstellige. Mein tägliches Viech von 2021 ist auf Fotopapier gedruckt und zeigt eine Woche (also 7 quadratische Fotos) auf einer Doppelseite. Das 8. Quadrat ist für Text: Artname, Ort.
    Diesmal wollte ich wie beim Nachtfalterbuch den Typ Notizbuch wählen, mit normalem Papier, das auch billiger ist. Zuerst dachte ich an 10 kleine Fotos pro Seite, da wäre ich schön schnell fertig mit 100 Seiten. Das Problem ist, ich habe gar keine 1000 (ansehnlichen) Fotos. Pirol und Nachtigall sind nur Tonaufnahmen und einen überfahrenen Igel, zertretenen Palmrüssler, Fischotterlosung oder den grauen Schatten namens Dachs will ich auch niemandem zumuten. Und in diesem Layout von 10 Fotos pro Seite einzelne Fächer einfach leer lassen, sieht auch doof aus.

    Also habe ich beschlossen, ich mache eine taxonomische Liste und füge wo immer Platz ist, kleine Fotos ein. iNat hat ja die ganze Systematik (nur von Organismen, die auch dort mit Foto hochgeladen sind), da muss ich wenigstens nicht in verschiedenen Quellen (die sich womöglich widersprechen) rumsuchen. Allerdings ist es dort alphabetisch geordnet - und mit Stamm Ringelwürmer (Annelida) zu beginnen konnte ich mich doch nicht anfreunden. Ich habe also mit Chordata angefangen und zwar die Wirbeltiere von Säugetieren, über Vögel, Reptilien, Amphibien, Strahlenflosser, Knorpelfische, dann die Manteltiere (das habe ich nur ein einziges "Manteltier", die "Sektkelch-Seescheide").

    Die Insekten sind wieder alphabetisch, da bin ich jetzt bei Hemiptera. Im Laufe der Zeit habe ich diese grundlegende Liste noch erweitert um englische und spanische Namen, falls vorhanden, wann, wo und wie oft in 2025 gesehen und eine oder mehrere Titelzeilen mit der gesamten Systematik. Subtribus und Subgenus habe ich weggelassen, da fehlte mir der Platz. Schließlich noch ein Symbol für "neu für mich". Das einzige leicht erkennbare Symbol ist ein Apfel . Dann ist das halt so. Ich hatte zuerst den Stern *, aber das sieht man ja kaum.

    Hier mal zwei Bespielseiten: Jede Klasse fängt mit einem großen Foto an.

    Da bin ich noch eine Weile beschäftigt, aber ich glaube es wird gut und doch besser als ein "Telefonbuch". Jedenfalls lerne ich Systematik.

    Liebe Grüße
    Susanne

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    Tierartenliste 2026 (Stand 14.02.26) gesamt: 143, neu: 3, Vögel: 56, Nachtfalter: 14, Tagfalter: 0, Liste gesamt bei iNat

  • Das ist echt eine tolle Idee !! Gefällt mir sehr gut!!!

    Du willst sicher bei Deinem Fotobuchanbieter bleiben, da Du darüber auch sonst bestellt hast und so das gleiche Buchformat etc hast.

    Ansonsten kann ich dir orwo empfehlen. Die bieten regelmässig (alle 2 bis 3 Monate, insbesondere zu Weihnachten/Ostern) Sonderpreise an. Dann kostet ein senkrechtes oder waagerechtes ca. A 4 Buch mit z.B. 100 Seiten = 16 Euro ... Ich war bisher mit diesen Fotobüchern immer zufrieden!

    Viele Grüße aus dem Rheinland / NRW

    Claudia und Uwe

  • Klingt ja nicht schlecht, aber ich mache das Layout ja auch in der Bearbeitungssoftware von blurb, könnte jetzt also gar nicht mehr wechseln. Ausserdem weiß ich auch nicht, wie individuell anpassbar das Layout ist. Hier kann ich wirklich so viele Fotos in der Größe und an den Ort einbauen, wo ich das will. Und der eingerückte Text ist sowieso eine besondere Herausforderung.

    Ich sehe jetzt permanent Werbung für Fotobücher "in 5 Minuten". Fotos vom Handy auswählen, hochladen. Den Rest macht eine KI, beschriftet sogar! :53:

    Liebe Grüße
    Susanne

    You cannot get through a single day without having an impact on the world around you. What you do makes a difference, and you have to decide what kind of difference you want to make.”
    Jane Goodall

    Tierartenliste 2026 (Stand 14.02.26) gesamt: 143, neu: 3, Vögel: 56, Nachtfalter: 14, Tagfalter: 0, Liste gesamt bei iNat

  • Ja, die Werbung kenne ich auch ... Ist halt was auf die Schnelle, ohne viel Arbeit. Aber so "spatanisch" sehen die Bücher dann auch aus ...

    Bei Orwo kannst Du sicher die gleichen Features etc verwenden wie bei Deinem Anbieter, hört sich für mich so an. Man muss sich halt neu reinfuchsen....

    Man hat 2 Möglichkeiten:

    1) die Software NICHT herunterladen und direkt online das Fotobuch zu gestalten. Da hatte ich nur mal vor ewiger Zeit mal reingeklickt und festgestellt, dass dort nicht so viele Features/Möglichkeiten sind als bei 2)

    2) Du lädst die Software auf Deinen Rechner und kannst jederzeit Dein angefangenes Buch abspeichern (auf Deinem Rechner) und weiter bearbeiten. Viele, die ich aus dem Kreuzfahrtforum kenne, gestalten so Ihre Fotobücher und speichern (das fertige ab), bis wieder ein Angebot kommt :)

    Ich hatte mal ein Fotobuch über die Aue erstellt und hier im Forum die abfotografierten Seiten eingestellt. Sabine ( Sabine Flechtmann ) habe ich damals ein Buch davon geschenkt. Du kannst sie ja gerne per PN mal fragen, was sie zur Qualität sagt. Ich habe bei Orwo das Newsletter abonniert, so bekomme ich Info, wann wieder ein Angebot ist. Erinnerlich sind die Angebote ca. 6 Wochen gültig.

    Die Fotobuchanbieter unterscheiden sich nicht groß in ihren Software-Programmen. Man muss sich wieder neu damit beschäftigen und evtl. suchen ... Die alten Software-Versionen von Orwo/Pixelnet kenne ich besser als die aktuellste Version, da ich mit dieser noch kein Fotobuch erstellt habe. Müsste also da auch etwas suchen, um damit klar zu kommen. Ich könnte Dir aber telefonisch sicher dabei helfen. Eine ältere Version hatte ich einer Freundin bei mir am PC mal "kurz" erklärt und sie kam dann zu Hause direkt damit zurecht, obwohl sie noch keinerlei Vorerfahrungen hatte.

    Hier der LInk zu den abfotografierten Seiten:

    maischo
    September 4, 2022 at 6:35 PM

    Und im Kreuzfahrtforum gibt es einen eigenen Thread zu Thema Fotobücher. Viele bestellen auch über Orwo / vormals Pixelnet. Hier der Link zum Forum. Du kannst ja mal von hinten anfangen, reinzuschauen bzw. in der "Erweiterten Suchfunktion" zu dem Thema "Orwo" eingeben, dann siehst Du viele weitere Beispiele, denn die User stellen viele ihrer Bücher / Seiten dort ein:

    Thread "Mein Fotobuch" - Das Kreuzfahrtforum Mein Schiff, AIDA und andere gute Reedereien
    Guten Morgen, über Fotobücher wurde bisher in der "Klönecke" geschrieben - die Beiträge waren dann einige Tage später verschwunden. Ich denke dieses Thema…
    forum.pooldeck24.de

    Viele Grüße aus dem Rheinland / NRW

    Claudia und Uwe

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