Hallo zusammen,
innerhalb der Rosaceae ( Rosengewächse ) gehört der Odermennig zur Unterfamilie der Rosoideae. Diese Unterfamilie beherbergt hauptsächlich ausdauernde krautige Pflanzen. Mädesüß und Wiesenknopf gehören zur Verwandtschaft vom Odermennig. Selten sind in dieser Unterfamilie auch einjährige Pflanzen, Sträucher und Bäume zu finden.
Der gemeine Odermennig hat einen 40 – 120 cm hohen unverzweigten und behaarten Stängel. Die Blätter sind wechselständig und recht tief in lanzettliche Teilblättchen aufgeteilt. Am Rande sind sie gezähnt und auf der Blattober - wie auch der Blattunterseite behaart. Die gelben Blüten bilden eine endständige Ähre. Die Blütezeit liegt zwischen Juni und August. Die behaarten Früchte werden bis zu 6 mm lang und am Rand mit hakigen Klettborsten versehen. Auf Bild 4 ist das schön zu sehen.
Agrimonia eupatoria – Gemeiner Odermennig
Vorkommen
Das heimische Wildkraut kommt fast in ganz Europa und Kleinasien vor. Als Standorte werden Magerwiesen, Wald- und Ackeränder angegeben. Im Gebirge ist es bis auf ca. 1500 m Höhe zu finden. Laut Literatur soll der Odermennig auf kalkhaltigen und lehmigen Böden angewiesen sein. Das kann ich so nicht bestätigen. Meine Fundorte liegen ausschließlich auf mittlerem Buntsandstein, also saurem Untergrund.
Bedeutung Gattungs - und Artname
Der Gattungsname Agrimonia kommt vom griechischen Wort „ argemone “ was so viel wie Feldbewohner bedeutet. Den Artnamen hat die Pflanze dem griechischen König von Pontus und Heerführer Mithridates ( 111 – 63 v. Chr. ) zu verdanken. Er trug den Beinamen Eupator und war laut Überlieferung der erste der die Heilkräfte der Pflanze entdeckte und anerkannte. Der deutsche Name soll von „ ottermächtig “ abgeleitet sein, was auf eine Heilwirkung bei Schlangenbissen hinweisen soll.
Andere Namen
Wie bei so vielen andere Pflanzen sind auch für den Odermennig zahlreiche regionale Namen bekannt. So nennt man ihn unter anderem auch Ackermännchen, Sängerkraut, griechisches Leberkraut, Schafklette, Leberklette, Magenkraut, Hagermundiskraut, Fünfblatt, Oddermünich, Haldenmmändle oder Königskraut.
Historisches und Aberglaube
König Mithridates ( 111 – 63 v.Chr. ) setzte die Pflanze zum Heilen von Vergiftungen ein. Dioskurides ( 40 – 90 n. Chr. ), einer der bekanntesten Ärzte der Antike, soll damit schwer heilende Geschwüre behandelt haben. Im Mittelalter war der Odermennig eine sehr geschätzte Heilpflanze die bei starkem Husten und bei Verdauungsbeschwerden zur Anwendung kam.
Im Mittelalter glaubte man dass die Blüten des Odermennigs sofort welkten, wenn man ein Haus betrat das von Dämonen bewohnt war. Man glaubte damals auch man könnte jemanden in den Schlaf versetzen, der einem Böses wollte, indem man Odermennig in sein Kopfkissen steckte. Der Betroffene sollte dann so lange schlafen bis man ihm das Kopfkissen wegzog.
Inhaltsstoffe
Catechin – Gerbstoffe, Gallotanine, Flovonoide, ätherische Öle, Triterpene, Bitterstoffe und Kieselsäure.
Heilpflanze Odermennig
Die Pflanze war in der Neuzeit etwas in Vergessenheit geraten. In neuester Zeit hat die Kommission E, eine selbstständige wissenschaftliche Sachverständigenkommission für pflanzliche Arzneimittel, dem Odermennig wissenschaftlich gesicherte Anwendungen bescheinigt. Äußerlich wird sie durch den Flavonoidgehalt bei Entzündungen der Haut verwendet. Als Gurgelmittel ist ein Aufguss bei Entzündungen des Mund - und Rachenraumes anzuwenden. Wegen dem hohen Gehalt an Catechin Gerbstoffen wirkt der Tee adstringierend und antibakteriell und kommt deswegen bei Durchfällen zum Einsatz. Gerbstoffe entwässern und verändern die Oberflächenstruktur von Bakterien und lassen diese inaktiv werden. In der Volksmedizin wird die Pflanze auch bei Nieren und Blasenentzündung sowie bei Diabetes eingesetzt. Hier ist die Wirksamkeit aber noch nicht wissenschaftlich belegt.
Nebenwirkungen
Bei äußerlicher und innerlicher Anwendung sind bislang keine ernsthaften Nebenwirkungen bekannt. Wegen des hohen Gerbstoffgehaltes kann es bei Überdosierung lediglich zu Verstopfungen kommen. Daher sollte die tägliche Verwendung von 3 Tassen Tee nicht überschritten werden.
Sammeln, Aufbewahren und Zubereitungsarten
Gesammelt wird das gesamte blühende Kraut. Der frühe Nachmittag eines sonnigen und warmen Tages ist dazu am besten geeignet. Der Gehalt an Wirkstoffen ist bei diesen Bedingungen am höchsten. Die Blätter und Blüten werden von den Stängeln entfernt, bei höchstens 30 Grad schonend getrocknet und die Schraubgläsern aufbewahrt.
Teezubereitung
1 TL getrocknetes Kraut mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Kann als Tee oder für Umschläge benutzt werden. Wird der Aufguss für Umschläge benutzt sollte er nicht gesüßt werden. Verwendet man die frische Pflanze werden 3 EL Kraut etwas klein gehackt und mit 100ml Wasser kalt aufgesetzt und ca. 5 Minuten leicht geköchelt.
Odermennig in der Küche
Die doch recht bitteren Blätter sind nicht gerade das was man eine kulinarische Delikatesse nennt. Sie werden daher nicht oder nur äußerst selten zu Salat oder Gemüse verarbeitet.
Odermennig als Färbemittel
Das Rhizom der Pflanze wurde früher als Färbemittel verwendet. Mit einer Alaunbeize behandelte Tücher erhielten eine gelbliche Farbe. Die Waschechtheit der gefärbten Textilien erwies sich aber nicht als besonders gut. Auch die Einwirkung der Sonne lässt den Farbton mit der Zeit verblassen.
Verwechslungsgefahren
Einen ähnlichen Blütenstand hat die Schwarze Königskerze ( Verbascum nigrum ). Die gelben Blüten besitzen aber purpur – violette, wollig behaarte Staubgefäße. Ihre grundständigen Blätter sind lang gestielt und herzförmig. Sie enthält das giftige Sperminalkaloid Verbacin sowie das Iridoid Aucubin.
Odermennig und Insekten
Es gibt keine Insekten die auf den Odermennig spezialisiert sind. Die Pflanze führt in ihren Fruchtknoten zwar Nektar, gibt diesen aber nicht frei. Nektarsammlern wie Bienen oder Schwebfliegen ist er somit nicht zugänglich. Den Raupen des Gewöhnlichen Würfeldickkopfs ( Pyrus malvae ) dient er neben anderen Pflanzen als Futterpflanze.
Odermennig und Pilze
Agrimonia eupatoria wird verbreitet von dem Rostpilz Pucciniastrum argrimoniae befallen wo er II-Uredien und III-Telien bildet. Man vermutet das dieser Rost einen Wirtswechsel zur Weißtanne vollführt, wo er 0-Spermongien und I-Aezien bildet. Gesichert ist das aber keineswegs. Des Weiteren wird er zerstreut von dem echten Mehltaupilz Podosphaera aphanis und selten von dem falschen Mehltaupilz Peronospora agrimoniae befallen.
Gruß
Harry