Ei, Ei, Ei, Ei: Großer Gabelschwanz vom Ei zur ausgewachsenen Raupe

  • Liebe Naturfreund*innen,

    am 8. Juli 2022 habe ich nachmittags im Salzburger Land an einer breitblättrigen Weide vier "kaputte" Eier gefunden. Durchmesser 1 mm. Die Fotos habe ich zunächst als "ungeklärte Eier" abgelegt und war dann doch sehr erstaunt, dass sie bestimmbar waren. Hat jemand Lust zu raten?





    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Sabine,

    da hast du ja wieder was schönes aufgegabelt ;) und bestens fotografiert.

    Ich vermute C.v., im Lepiforum fand ich ein Foto, welchen deinen sehr ähnlich ist.

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Liebe(r) Adrian, Adelheid und Uwe,

    doch, es sind Eier und keine Gallen. Das, was wie ein Tierkopf aussieht, ist die Innenwand des Eis. Und ja, der Uwe hat recht! Falls noch jemand raten möchte, lasse ich das nochmal ein bisschen offen.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Mit dem Falter scheine ich Recht zu haben und Uwes Hinweis lässt mich vermuten, dass es evtl. der Größere von den Beiden ist...


    Viele Grüße

    Addi

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."


    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Liebe Adelheid,

    mit Falter hast du schon recht. Größer als der andere ist dieser als Falter nicht, er macht sich nur namentlich größer.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Rätselfreund*innen,

    es scheinen keine weiteren Vorschläge zu kommen, dann kann ich ja auflösen. Der Pokal geht an Uwe :18: , denn er hat mit C. v. von Anfang den richtigen Riecher gehabt. Der Zweitpokal geht an Adelheid :68: . Es sind Eier vom Großen Gabelschwanz.


    Ich fand sie am 8. Juli 2022. Nachdem ich herausgefunden habe, wer sie gelegt hatte, bin ich sofort nochmal hingelaufen. Es gab tatsächlich vier zu den Eiern gehörende Raupen:


    Der Fundpunkt liegt keine 100 m von unserem Feriendomizil entfernt, so konnte ich täglich mehrfach hingehen und die Raupen einer Dauerbeobachtung unterziehen. Sie haben sich in überraschend kurzen Abständen gehäutet. Von den ursprünglich vier Raupen waren sehr schnell nur noch zwei übrig, die aber bis zum Schluss.

    L1: 08.07.2022 - 13.07.2022

    Ich unterstelle einfach mal, dass die am 08.07. gefundenen Raupen noch keine Häutung hinter sich hatten, sie waren einschließlich der Hinterleibsanhänge 10 mm groß.

    08.07.


    09.07.


    11.07.



    Auf dem letzten Foto sieht man unter den Raupen einen helleren Bereich auf dem Blatt, da haben sie sich schon leicht angesponnen, damit ihr altes Kleid bei der Häutung fest an der Unterlage haftet und sie leichter aus der Haut fahren können. Während dieser Häutungsruhe reagieren sie nicht auf Anstupsen oder Berühren ihrer Hinterleibsanhänge.


    L2: 13.07.2022 - 17.07.2022

    Am 13.07. haben sie sich von L1 zur L2 gehäutet. Am 14.07. waren zwei Raupen mit je 15 mm vozufinden.




    L3: 17.07. - 21.07./22.07.

    17.08.

    Die erste Raupe hat sich vormittags von L2 zu L3 gehäutet, die abgestreiften Reste der Hinterleibsanhänge sind im Bild links hinter der Raupe noch zu sehen. Die Raupe hatte diese Reste noch nicht aufgefressen, also war sie ganz frisch gehäutet.


    18.07.

    Nun hat sich auch die andere Raupe von L2 zur L3 gehäutet, beide Raupen nun 20 mm lang.





    L4: 21.07./22.07. - 25.07.

    Am 21.07. zeigte Raupe 1 schon mittags keine Reaktion auf Störung, abends war sie dann zur L4 gehäutet.

    Am 22.07. war Raupe 2 zur L4 gehäutet und hat die alte Raupenhaut schon aufgefressen. Größe jetzt etwa 30 mm.

    22.07.


    24.07.


    L5: 25.07. - 29.07.

    Am 25.07. vormittags sind beide Raupen schon wieder in Häutungsruhe und reagieren nicht auf Störung. Am Nachmittag waren beide Raupen von L4 zur L5 gehäutet, Raupenhautreste waren nicht mehr vorhanden. Größe jetzt 35 mm.

    25.07.



    26.07.


    Ab 26.07. abends bis 28.07. befinden sich beide Raupen in Häutungsruhe, sie reagieren nicht auf Anstupsen der Hinterleibsanhänge.


    L6: ab 29.07. - ??

    Am 29.07. haben sich beide Raupen in kurzem zeitlichen Abstand erneut gehäutet, wir haben nun ein erstaunliches, 6. Raupenstadium; ich dachte immer, die machen nur 5 Stadien.

    29.07. um 16:18 Uhr Raupe 1 ist frisch gehäutet und frisst ihre alte Raupenhaut auf.




    29.07. um 17:58 erneut Raupe 1


    29.07. um 18:00 ist auch die zweite Raupe aus der Haut geschlüpft:



    31.07.2022

    Beide Raupen haben eine Länge von 35 mm.



    Am 01.08.2022 war keine Raupe mehr zu finden, ein Vogel flog aus genau dem Gebüsch.


    Abschließend noch ein typisches Fraßbild, die Blätter werden nur zum Teil abgefressen. Und ein Habitatbild.




    Ich hätte eigentlich gern noch die Verfärbung der Raupen gesehen, sie verfärben sich vor der Verpuppung lila.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe(r) Claudia, Weezle und Dirk,

    danke für eure begeisterten Zuschriften. Das Thema werde ich demnächst zu den Insekten verschieben. Aber es hatte mich einfach gereizt, ein Rätsel daraus zu machen.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Atemlos habe ich gerade Deinen Bericht gelesen, Sabine! Ein Geschenk, alle Larvenphasen hautnah miterleben zu dürfen! Die Natur ist fantastisch.

    Schade, dass Du kein Puppenstadium mehr hast sehen können. Hoffen wir, dass der Vogel sie sich nicht einverleibt hat - aber auch das ist Natur...

    Die Häutungen erfolgten schnell hintereinander, oder kommt mir das nur so vor, weil ich keine Ahnung habe?


    Viele Grüße

    Addi

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."


    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Es gab tatsächlich vier zu den Eiern gehörende Raupen:

    Liebe Sabine,

    nun ist aus dem interessanten Rätsel eine ganz außergewöhnliche, mich sehr beeindruckende Raupendokumentation geworden. :18::97:

    Schon erst mal die Eier zu entdecken und dann auch noch die Raupen in leicht erreichbarer Nähe zur Unterkunft ist ein großer Glücksfall.

    Mit hervorragenden Aufnahmen konntest du die Entwicklung der Raupen dokumentieren, spannend und lehrreich zugleich.

    Vielen Dank, daß du uns daran teilhaben lässt! :98.

    29.07. um 16:18 Uhr Raupe 1 ist frisch gehäutet und frisst ihre alte Raupenhaut auf.

    Es wird wohl nicht allzuviele Menschen geben, denen es vergönnt ist, so etwas einmal beobachten zu dürfen.


    Ich hätte eigentlich gern noch die Verfärbung der Raupen gesehen, sie verfärben sich vor der Verpuppung lila.

    Das ist natürlich sehr schade, aber nur ein sehr kleines Wermutströpfchen. Das, was du alles vorher gesehen hast, ist schon außergewöhnlich genug, für deine Mühen der gerechte Lohn. Die Raupen werden dich ganz schön auf Trab gehalten haben. ^^

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Liebe Sabine, was für eine faszinierende und bestens dokumentierte Doku! Jetzt müsstest du mir bloß noch verraten, wie die Pflanze heißt, an der die Raupen fressen...

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Liebe(r) Adelheid, Uwe und Susanne,

    über eure begeisterten Antworten freue ich mich wirklich sehr! Und ja, es ist schon ein Geschenk, wenn man freiland diese Langzeit-Beobachtungsmöglichkeit hat. Die Häutung als solche scheint sehr schnell zu gehen, und obwohl ja stets klar war, wenn eine nächste Häutung anstand, habe ich jedes Mal den Zeitpunkt verpasst. Aber es ist - denke ich mal - auch ein besonderer Moment, wenn man die Raupe beim Auffressen ihrer alten Raupenhaut beobachten kann.

    Was den Baum angeht: oben stand schon "breitblättrige Weide", entweder Ohrweide oder Salweide.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Sabine Flechtmann

    Changed the title of the thread from “Ei, Ei, Ei, Ei” to “Ei, Ei, Ei, Ei: Großer Gabelschwanz vom Ei zur ausgewachsenen Raupe”.

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