Nächtliche Falterbesuche

  • Hallo Allen im Forum



    Zugeschaut wurde, wie die Mauersegler am Himmel umherkurvten und um unsere Häuser sausten. Gestern. Heute sehe und höre ich keinen. Ob sie dem Wetterbericht folgten und sich bei der angekündigten Hitze am Boden versteckten? Oder sollten sie tatsächlich bereits Richtung Südwesten davongekurvt sein, das wäre ja ca. 10 Tage vor ihrem normalen Abflugtermin.


    Stattdessen fand ich heute, still verharrend in einem kleinen Raum in dem Gartenmöbel u.a. gelagert werden, einen Eulenfalter an der Wand haftend.



    Janthina-Bandeule


    Das Bild ist teilweise verschwommen weil ich durch eine spiegelnde Glasscheibe hindurch zu fotografieren hatte.


    Das Interessante dabei ist, dass ich genau dort gestern Flügel von Faltern fand, die von den Fressfeinden der Falter nicht verzehrt wurden und auch nicht werden.



    Neugierig sortierte ich die Flügelreste etwas. Dabei auch die Frage im Hinterkopf, ob ich den betreffenden Falter kannte. Leicht ist die Bestimmung des Flügelrestes vom Buchsbaumzünsler.

    Ein Flügelpaar konnte ich nicht zuordnen. (Den Falter hätte ich gern lebend gehabt, wenn er mich schon nächtens besucht.)



    Für diese Flügel mußte unverkennbar wenigstens eine Gammaeule ihr Leben lassen. Wer waren die anderen?



    Stichwort Gammaeulen: Pünktlich um Mitternacht landeten gestern zwei von ihnen an meiner Wohnzimmerscheibe. Bilder von ihnen zeige ich nicht.

    Sie sind (waren?)in meiner Gegend häufig und allgegenwärtig.

    Allerdings, und jetzt die Einschränkung: "waren sie". In Vorjahren versammelten sich in einigen Nächten mehrere von ihnen an der Scheibe und verweilten teils lange. In diesem Jahr waren die erwähnten zwei die ersten. Auch im Garten finde ich nicht eine. Über die Gründe läßt sich rätseln: Trockenheit, oder, rundumher werden Häuser gebaut, Parkplätze angelegt usw.


    Nächtelang lauerte ich auf Schmetterlinge die vom Licht angelockt meine Scheibe aufsuchen würden. Allermeistens vergeblich. Aus zwei Ausnahmenächten möchte ich einige zeigen.

    Mit Segelfaltern und anderen Raritäten kann ich nicht aufwarten. Ich wohne halt nicht in einem Gebiet in dem solche Schmetterlinge vorkommen.

    Und, die Zeiten in denen es an der Scheibe lebhaft und sehr vielfältig zuging sind Geschichte. Der Blick in mein Archiv von damals läßt mich staunen.


    1 Springkrautspanner



    2 Trapez-Eule



    3 Nadelholz-Rindenspanner



    4 Bleigraues Flechtenbärchen



    5 Oegoconia deauratella (?) 7,5 mm



    6,5 mm winzig,

    da versagt die Automatik der Kamera




    Anhang. Gemeinsam mit Käfern in einer Blütendolde. Aufgenommen vor wenigen Tagen.

    Finde ich einfach interessant.


    Mal wieder: das wars vom Hermann -

    mit Grüßen

  • Lieber Hermann,

    solche Flügelspielereien kenne ich, auch ein bestimmbarer Flügel ist ein Nachweis. Die braunen Flügel, die du nicht zuordnen konntest, gehörten der Großen Grasbüscheleule Apamea monoglypha. Neben den beiden Flügeln von der Gammaeule ist rechts ein Flügel der Gemüseeule Lacanobia oleracea und links sollte von der Schafgarben-Silbereule Macdunnoughi confusa stammen. Der Schmuckspanner ist eine Eule, Trapez-Eule Cosmia trapezina. Der Rauten-Rindenspanner ist eher ein Nadelholz-Rindenspanner Peribatodes secundaria. Oegoconia-Arten lassen sich nur mit Genitaluntersuchung bestimmen.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • So eine Flügelansammlung habe ich noch nie gesehen! Da kann man tatsächlich ein Ratespiel draus machen... - an dem ich verzweifeln würde!

    Wenn ich es richtig verstehe, dann hast du sie in Deinem Abstellraum gefunden. Hat er einen dauerhaften Zugang (ständig offenes Fenster), so dass z. B. Vögel hinein können und dass dies die Überreste der Fütterung sind? Ich meine mich zu erinnern, dass Du von einem brütenden Vogel berichtet hast. Es ist noch etwas früh... :57:


    Viele Grüße

    Addi

  • Hallo,


    das Tier aus der Blütendolde scheint mir ein Maskenbienen-Männchen zu sein. Hylaeus haben ein nach Zitrus duftendes Wehrsekret, das sie auch freisetzen, wenn man sie ergreift. Riecht ganz angenehm, finde ich, irgendwie auch erfrischend. Kann man vermutlich gebrauchen, wenn man in einer Gegend (Münsterland) wohnt, die zur Zeit mit die heimeligsten Temperaturen aufweist. Vermeldete doch eine Nachrichtensendung gestern den bundesweiten Höchstwert aus Emsdetten, das liegt doch quasi um die Ecke. Dort hilft offenbar auch keine Verdunstungskälte aus dem Venn ... Ich habe mich auch schon gefragt, was dabei heraus käme, wenn man jetzt täglich die Falter am Licht wiegen und (zwecks Wiederfang) individuell markiert wieder ziehen lassen würde. Können die den Feuchtigkeitsverlust noch ausgleichen oder werden die von Nacht zu Nacht leichter, oder käme es gar nicht zu Wiederfängen? Die Tiere, die derzeit kommen, sehen immer ganz frisch aus, so als ob da alles in einer Nacht vonstatten geht und dann das Licht aus. Leider habe ich keine feldtaugliche Analysenwaage.

    Neue Lichtquellen (z. B. in den erwähnten Neubaugebieten) sind oft gute Futterstellen für Vögel und Fledermäuse. Bei uns wurde eine Straße außerhalb der Bebauung und dennoch "innerorts" für die Radfahrer beleuchtet, besser gesagt, mit Licht geflutet. Als die Laternenpflamzung ganz frisch war und neu erstrahlte, saßen in den frühen Morgenstunden Schwärme von Vögeln und erbeuteten mit Leichtigkeit die erschöpften Insekten, die dort nach ihren nahezu in Endlosschleife dargebotenen Rundflügen ums Licht zu Boden gingen. Dass den Autos, die dann dort fuhren, kein Vogelschlag widerfuhr, war erstaunlich. Aber dafür gibt's ja jetzt den Hitzschlag, wenn man nicht im Schatten parken kann ... Auf dass der keinen von uns ereile und man noch länget von einander liest.


    Viele Grüße


    Ziegelstein (wird üblicherweise nur von Autobahnbrücken geworfen, nicht so wie Fahrräder, die auf Wasserstraßen nieder gehen, wenn der Dachschaden beim Besitzer den Wunsch erzeugt, auch anderen einen solchen zu verpassen)

  • Hallo, Ihr Drei

    Eure Folgebeiträge finde ich immer wieder geist-erfrischend!

    Für mich sind sie der Lohn für die stundenlange Arbeit an meiner Beitragserstellung.


    Sabine: Ungebeten kümmerst Du dich immer wieder um zutreffende Namen. Freundlichkeit als Zugabe. Das ist mir eine große Hilfe.


    Insektenfan Addi, einige Dinge möchte ich klären: Der Fundraum ist frei zugänglich, also weder Tür noch Fenster. Vor einigen Jahren hatte dort eine Fledermaus einen Futterplatz, erkennbar an Fundstücken wie den jetzigen. In diesem Jahr bemerkte ich dort keine Fledermaus. Der Flügelfund war eine totale Überraschung. Und, wie öfter mal, es kam mir der Gedanke, den Fund im Forum zu zeigen. Neu für mich war die Flügel ein klein wenig zu ordnen. Noch neuer war Sabines Hinweis, dass Flügelfunde ausreichen um die Anwesenheit eines Falters zu dokumentieren. (neues Betätigungsfeld für Hermann)


    Und nun unser (nicht der von einer Autobahnbrücke) 'Ziegelstein': Du scheinst mir dich mehr als ich, sogar viel mehr, mit der Biologie beschäftigt zu haben. Anerkennung zu deinem Fachwissen. Das Emsdetterner Venn scheint Dir auch nicht total unbekannt zu sein. Ich fahre schon mal mit dem Rad dorthin, trotz einiger Kilometer. Aber die Fundausbeute hielt sich stets in Grenzen.

    Von der Maskenbiene berichtest Du Einzelheiten die ich bislang nicht wußte. Mein Vorsatz daraufhin: In Zukunft werde ich mich intensiver den Doldenbesuchern widmen.

    Das diesmal zufällig mitfotografierte Bienchen stahl sich, von mir wohl bemerkt, heimlich vondannen. Meine Entdeckerfreude stellte sich erst bei der Fotoauswertung ein.


    Auch ich grüße, wenn auch erst am Schluß

    Hermann

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