Mein täglicher Spaziergang 2022: 21. - 27. November

  • Ein ganz besonderes Erlebnis, mit einem solchen Fachmann unterwegs gewesen zu sein! Das wirst Du sicher so schnell nicht vergessen!

    Du schreibst des öfteren, dass Du einen Falter hier oder dorthin gesetzt hast. Warum fliegen die nicht gleich (erleichtert) weg? Wenn ich bedenke, wie schwierig es ist, Tagfalter nahe zu kommen, wenn sie nicht gerade trinken... Ist es zu dem Zeitpunkt dann zu kühl? Oder haben sie einfach nur ein phlegmatisches Wesen?


    Viele Grüße

    Addi

    Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Du setzt hier Tag- und Nachtfalter gleich, was nicht klappt, schon wegen anderer Verhaltensweisen. Nachtfalter setzen sich nach ihrer Aktivität irgendwo hin und sitzen dann unter normalen Umständen getarnt und sicher. Darüber hinaus kann man bei Nachtfaltern, bzw. bei vielen, wenn nicht den meisten oder allen, nachtaktiven Insekten ein zeitlich beschränktes Verhalten erkennen. Im Prinzip kann ich nur jedem empfehlen, wenn man die Gelegenheit hat, einer solchen Nachtfangaktion beizuwohnen. Ganz besonders, wenn eher keine Fallen, sondern der Leuchtturm aufgestellt wird. Der Vorteil ist, dass der Leuchtturm durchgängig "bewacht" wird, weil sich die Falter nicht in einem Sack oder einer Kiste sammeln, sondern nur an ein Netz anfliegen, das über die Lichtquelle gesetzt wird. Und hier wird selektiv abgesammelt, was interessiert. Dabei kann man aber auch beobachten. Zum Beispiel, welche Arten(komplexe) gerade angeflogen kommen und wann der Anflug vorbei ist und nur noch die Tiere auf dem Netz sitzen, die eben zur Aktivitätszeit angeflogen sind. Muss man sich dran gewöhnen, da den Überblick zu halten, aber das geht relativ schnell.


    Nun ist es auf jeden Fall so, dass die Tiere anfliegen, immer nur zu bestimmten Zeiten, und schlussendlich sitzen bleiben. Entweder, wenn sie merken, dass es kein Vorankommen, bzw. Fortkommen, gibt, oder aber, wenn ihre Aktivitätszeit überschritten wird. Nach etwa 2 Uhr MESZ bleibt der Anflug meist aus. Danach fliegt kaum noch was. Warum auch immer. Wenn man dann morgens an der Falle erscheint, sitzen die Objekte der Begierde in der Falle, zum Teil aber auch im Gelände drum herum. Aus diesem Grund sucht man erst mal die unmittelbare Umgebung der Falle ab, um zu registrieren, was sich dort alles aufhält. Danach wird die Falle Tier für Tier geleert. Es ist früh am Morgen. Es ist kühl, deutlich kühler als am Leuchtabend. Die Tiere sind kalt. Wenn man sie nun umsetzt, kann man verschiedene Beobachtungen machen. Man rechnet eigentlich mit einem Fluchtreflex, der aber ausbleibt. Die einen Tiere haben die Ruhe weg, man setzt sie auf eine Unterlage und kann sie in aller Ruhe fotografieren. Stört man sie zu sehr, beginnen sie mit der Flugmuskulatur zu vibrieren, was sich in einem deutlichen Zittern der Flügel bemerkbar macht. Sie heizen sich auf (was viel Energie kostet, die sie sich in der nächsten Nacht wieder zuführen müssen). Bleibt die Beunruhigung bestehen, fliegen sie weg und entziehen sich der vermeintlichen Gefahr. Andere Falter sind so unruhig (ängstlich), dass sie direkt vibrieren und sich zum Teil versuchen der Beunruhigung zu entziehen, obwohl die Muskulatur noch nicht warm genug ist. Dann fliegen sie ein kurzes Stück und "stürzen" gewissermaßen ab.


    Im Prinzip ist die Wärme der Muskulatur das Maß aller Dinge, weshalb man auch nicht zu spät am Morgen seine Fallen aufsuchen sollte. Denn dann heizen sich die Tiere auf und haben einen exzellenten Fluchtreflex. Dann hat man keine Chance sie genauer zu begutachten, zu fotografieren oder ggfs. einzusammeln.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Danke Klaas, so genau habe ich das nicht gewusst. Die Sitzenbleiber waren übrigens vor allem die Eulen. Bei den Spannern hat mir Dave oft gesagt: Pass auf, der ist gleich weg.

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Vielen Dank, Klaas, für die ausführliche Erklärung. So habe ich wieder eine Menge dazugelernt! :thumbup:


    Ich hatte die Sache mit dem Rotwein im letzten Jahr einmal probiert, was aber nicht geklappt hatte. Wenn ich jetzt ein Leuchtmittel nehme, welches nicht heiß wird, ein kleines Gestell bastel bzw. ich habe noch Kaninchendraht im Keller, darüber dann ein Fliegennetz (die für die Fenster) und es mit dem Rotwein-Zuckergemisch einpinsel, sollte ja auch eigentlich jemand vorbeigeflogen kommen... Es wird ja früh dunkel und entweder lasse ich diesen Aufbau evtl. nur eine Stunde stehen (falls das reicht) oder es leuchtet so lange, bis die Batterien leer sind und am frühen Morgen kann ich dann schauen, ob wer gekommen ist...


    Viele Grüße

    Addi

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."


    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • kommt hier der Highlight-Tag.

    Für mich einer der interessantesten Berichte, die du bisher hier im Forum gezeigt hast! :18:  :thumbup::thumbup::thumbup::thumbup::thumbup:

    Ich bin begeistert! :97:

    Leider war es ziemlich windig und die 95 Arten, die er noch vor zwei Wochen in einer Nacht hatte, waren nicht zu erwarten.

    Dieses erstaunliche Ergebnis zeigt, was auch im Herbst noch alles in den Nächten herum schwirrt. :eek:

    Ich hoffe nächstes jahr im Frühjahr gibt es eine Wiederholung.

    Das wäre super!

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • Die Fallen sind völlig anders, als bei uns.

    Kannst du mal ein Foto von euren Fallen zeigen, oder beschreiben, wie anders sie sind?

    Wenn man dann morgens an der Falle erscheint, sitzen die Objekte der Begierde in der Falle, zum Teil aber auch im Gelände drum herum.

    Die Polymixis flavicincta saß gut getarnt auf diesem Stein, fast hätte ich mich darauf abgestützt.

    Wenn ich jetzt ein Leuchtmittel nehme, welches nicht heiß wird, ein kleines Gestell bastel bzw. ich habe noch Kaninchendraht im Keller, darüber dann ein Fliegennetz (die für die Fenster) und es mit dem Rotwein-Zuckergemisch einpinsel, sollte ja auch eigentlich jemand vorbeigeflogen kommen...

    Ich habe noch nie gehört, dass jemand Licht und Köder zusammen verwendet, aber schaden kann's nicht. Da kann dir Klaas bestimmt Genaueres sagen. Ich glaube es ist nur wichtig, dass es insgesamt dunkel ist. Meine Strassenfunde mache ich selten an der großen, gut beleuchteten Straße, sondern in kleinen Straßen, in denen es eine Laterne alle 20 m gibt.

    Ich hatte auch schon gedacht, ob man in die Falle nicht was zu fressen legt (Stück Frucht oder in Zucker-Rotwein getränkter Lappen), damit ihre Nacht nicht ganz unnütz ist.

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Liebe Susanne,

    wow, was für ein megatoller Bericht vom Leuchtabend. Die Leuchtplätze sind in sehr höffiger Umgebung aufgestellt, aber da hast du dich vorher gut informiert und sehr gezielt ausgesucht. Und das hat sich auf jeden Fall gelohnt! Ich bin jedenfalls restlos begeistert, nicht nur weil sehr schöne Arten dabei sind, sondern auch, weil diese Tageslichtaufnahmen auf steiniger Auflage einfach immer viel schöner werden als ein nächtlich fotografierter Falter an der Hauswand.

    Bei den Arten wäre auch für mich einiges neues dabei gewesen.

    Wunderschön die Aufnahme von Aporophyla nigra, die auch in Deutschland vorkommt, allerdings recht disjunkt im südlichen Brandenburg/nörlichen Sachsen und in Baden-Württemberg südlich von Mannheim entlang des Rheingrabens

    Schmetterlinge Deutschlands

    Der Spanner Onychora agaritharia ist vermutlich auch für Spanien etwas Besseres? Verbreitung in Europa lt. LepiWiki im Süden Frankreichs, Andorra, Spanien, Portugal und Italien. Es sind auch gar nicht so viele Abbildungen, deshalb meine Vermutung.

    Die Veränderliche Herbsteule Agrochola lychnidis hatte ich auch noch nie, kommt zwar in Schleswig-Holstein vor, ist hier aber sehr selten. Und die Variabilität ist tatsächlich ziemlich groß, du hast dazu ja auch mindestens drei verschiedene Exemplare gezeigt.

    Wunderschön sind auch die Polymixis-Arten. Sehr interessant hier die P. lichenea mit den ausgeprägten Rotanteilen. Und graue Eulen mit Gelb sind auch stets die Hingucker. Bei der einen bist du dir nicht sicher, ob es eine Polymixis dubia oder P. flavicincta war. Kannst du Dave nicht fragen? Wenn ich mir die Abbildungen im LepiWiki ansehe, dann scheint P. dubia ohne Gelbanteile zu sein, dein Exemplar hat aber ein paar kleine, gelbe Flecken, von daher würde ich zumindest eher zu Polymixis flavicincta tendieren.

    Hitverdächtig finde ich auch Trigonophora flammea, von der Art habe ich letztens gerade ein Bild ins LepiWiki eingebaut.

    Schrankia costaestrigalis hatte ich leider auch noch nicht, kommt allerdings in Schleswig-Holstein vor, ist hier aber selten.

    Bei der Schwesternart unserer altbekannten Weißdorneule, Allophyes alfaroi, habe ich mich ein bisschen schlau machen müssen, worin denn die Unterschiede zu Allophyes oxyacanthae liegen. Eigentlich sehen sie sehr gleich aus. Aber bei A. alfaroi ist der weiße Fleck im Analwinkel etwas größer. Ein endschönes Tier!


    Was die Flüchtigkeit der Falter bei Tageslichtaufnahmen angeht: Alles, was wie Spanner aussieht, kann ohne Vorwärmen der Flugmuskulatur losfliegen und ist im Zweifelsfall schneller weg als man gucken kann. Noch viel ärger ist es bei Kleinschmetterlingen. Bei Spannern und Kleinschmetterlingen ist viel Glück im Spiel, wenn man sog. Studiofotos machen möchte.


    Wenn ihr diese Fangaktion im nächsten Jahr wiederholt, wird es mit Sicherheit wieder sehr, sehr spannend.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Eine super Gelegenheit, die du da beim Leuchten hattest. Darum beneide ich dich wirklich. Ich selbst durfte vor Jahren mal an einem Leuchtabend von der Uni aus dabei sein, damals lag mein Fokus aber noch fast ausschließlich auf Vögeln. Heute hätte ich mehr davon.

    Übrigens, wo wir grad bei Vögeln sind. Bei der Gartengrasmücke hast du dich vertan. Es ist ein Grauschnäpper.

    Beste Grüße,
    Stefan


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    Lifelist:
    Vögel:
    - Deutschland: 273, Prachttaucher

    - Welt (2022): 285 (209), Prachttaucher (Strandpieper)

    - (Garten): 116, Grauschnäpper

    Wirbellose: 1.317, Agrochola lota

  • Unsere Lichtfallen werden aufgehängt, was einen solchen Kasten schon ausschließt, weil viel zu schwer. Wir haben zwei Plexigläser im Kreuz gesteckt, darüber ein Dach, falls es regnet, darunter ein Trichter und im Falle von Faltern unter dem Trichter einen Sack, in dem die obligatorischen Eierkartons sind. Die Lichtquelle ist im Kreuzungsbereich der beiden gekreuzten Plexigläser angebracht.


    Der Falter fliegt ins Licht und damit ins Kreuz didscht dagegen, fällt in den Trichter und von dort aus in den Sack, wo er die Nacht verbleibt. Da der Sack dunkel ist und außer dem Licht von oben, kaum was durch lässt, verhalten sich die Falter relativ ruhig.


    Addi Lichtfalle mit Köder kombinieren macht eigentlich keinen Sinn. Keine Ahnung, ob das schon mal jemand ausprobiert hat, aber in der Regel hauen die Arten, die an den Köder gehen, bei Licht ab. Sie werden zwar vom Licht angelockt, aber sitzen dann eher ein paar Meter entfernt im Dickicht. Sie werden auch mit Köder die Lichtfalle eher nicht anfliegen, oder nur ausnahmsweise.


    Kasimir Die Gründe für die Lockwirkung des Lichts liegt im Lichtspektrum, das verwendet wird. Moderne Straßenlaternen in Deutschland haben meist ein Lichtspektrum zwischen Ultraviolett und Infrarot, aber lassen eben genau diese beiden Bereiche aus, da diese eine sehr starke Lockwirkung haben. Das ist der Grund, weshalb man in Deutschland kaum Insekten um die Straßenlaternen sieht, weil das falsche Spektrum. Das wiederum ist beabsichtigt, eben wegen der Insekten. Bei Dir in Spanien hat das somit auch nichts mit dem Abstand der Straßenlaternen zueinander zu tun, sondern mit den Lichtquellen, die verwendet werden. In der kleinen Gasse stehen möglicherweise ältere Laternenmodelle, für die es die modernen Lampen noch nicht gibt. Ergo senden sie viel Ultraviolett und Infrarot aus, so dass sie stark lockende Wirkung haben.


    Ganz so einfach ist es im Endeffekt auch nicht. Die einzelnen Falterarten reagieren dann teilweise auf unterschiedliche Lichtspektren. Lichtfallen sind aber zu klein, um sie mit mehreren, verschiedenen Leuchtmitteln auszustatten. Sie würden auch zu schwer werden. Also muss man, wenn man verschiedene Spektren abdecken möchte, mehrere Fallen aufstellen. Bei Leuchttürmen wird dann meist mit mehreren Leuchtmitteln gearbeitet. Bei uns im Verein die Falterleute haben da meist drei verschiedene, zuweilen sogar vier verschiedene hängen. Zum Teil kostet das Zeug ein Schweinegeld. Ich weiß grad nicht, wie sie heißen, aber es gibt ein Leuchtmittel, das erschlägt einen mit einem Preis um die 350€. Und die sogenannten "superaktinischen Lampen" kosten meines Wissens auch pro Stück um 50€. Kann also ein teurer Spaß werden. ;)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Die Nummer geht in die Hose. Das Leuchtmittel erhitzt sich meist und sorgt dann dafür, dass der Wein, bzw. der darin enthaltene Alkohol, recht schnell verdampft. Hast Du den Wein mit Zucker vermischt? Im Verhältnis 1:1? Wenn nicht, fehlt es an Nahrung, die den Falter am Köder hält.


    Wirkung von Köder und Lichtfalle sind grundverschieden. Die Falter gehen an den Köder, aber nicht ans Licht. Das Licht wird die Menge der Ausbeute deutlich reduzieren. Falter, die an den Köder gehen, fliegen diesen an und sitzen dort und müssen dann bei Nacht aufgesucht und fotografiert werden, weil sie sich wieder vom Acker machen, wenn sie entweder satt sind, oder aber ihre Aktivitätszeit rum ist.


    Das Leuchtmittel wird ein Griff ins Klo, weil die Falter frei sitzen. In dem Moment, wo das Licht ausgeht, weil kein Strom mehr vorhanden, gebe ich der Sache eine halbe Stunde, dann ist so ziemlich alles weg, was vorher vom Licht angelockt wurde. Die Lampe muss entweder bis zum Sonnenaufgang durch leuchten, oder die Falter landen in einem Behälter, aus dem sie nicht raus kommen. Alles andere funktioniert nicht.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Vielen Dank Klaas, für die ausführlichen Erklärungen! :thumbup: Ja, letztes Jahr hatte ich die Rotweinplörre 1:1 mit Zucker vermischt. Ich werde es demnächst mit dem Licht versuchen, muss mir aber noch genauer überlegen, wie ich das am besten mache. Ich glaube, dass hier mal geschrieben wurde, dass die Falter am aktivsten so zwischen 11 und 1 Uhr sind (wenn ich mich da jetzt nicht völlig falsch erinnere...). Würden sie denn noch bis zum frühen Morgen (so fünf Uhr) sitzen bleiben, oder sich dann doch wieder in die dunkle Nachbarschaft verziehen?


    Viele Grüße

    Addi

    "In den kleinsten Dingen

    zeigt die Natur

    ihre größten Wunder."


    Carl von Linné (1707 - 1778)

  • Vielen Dank Klaas, für die ausführlichen Erklärungen! :thumbup: Ja, letztes Jahr hatte ich die Rotweinplörre 1:1 mit Zucker vermischt. Ich werde es demnächst mit dem Licht versuchen, muss mir aber noch genauer überlegen, wie ich das am besten mache. Ich glaube, dass hier mal geschrieben wurde, dass die Falter am aktivsten so zwischen 11 und 1 Uhr sind (wenn ich mich da jetzt nicht völlig falsch erinnere...). Würden sie denn noch bis zum frühen Morgen (so fünf Uhr) sitzen bleiben, oder sich dann doch wieder in die dunkle Nachbarschaft verziehen?


    Viele Grüße

    Addi

    23 bis 1 Uhr ist schon so weit richtig, also wenn Du 22 bis 2 Uhr MESZ daraus machst. ;) Jetzt im Winter beginnt die Aktivität mit Einbruch der Dunkelheit und dürfte sich dann bis etwa 1 Uhr ziehen.


    Wenn Du das Licht aus machst, sind sie weg, wenn sie nicht in einem Behälter gefangen sind.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Bei der Gartengrasmücke hast du dich vertan. Es ist ein Grauschnäpper.

    Danke Stefan. Ich weiß nicht, was mich da gebissen hat. :33:

    Bei Dir in Spanien hat das somit auch nichts mit dem Abstand der Straßenlaternen zueinander zu tun, sondern mit den Lichtquellen, die verwendet werden. In der kleinen Gasse stehen möglicherweise ältere Laternenmodelle, für die es die modernen Lampen noch nicht gibt.

    Das kann ich verneinen. Mittlerweile habe ich nicht nur die Nachtfalter, sondern auch die Laternen genauer angeschaut. Es sind immer die gleichen. Die "Leuchte" ist eine quadratische Platte mit 4x4 kleinen Lämpchen (- wohl LED?)

    Meine besten Lampen sind dort, wo es relativ dunkel ist und nur eine solche Lampe auf einer größeren Strecke weißer Wand.

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Und nun als Antiklimax der Rest dieser Woche. :30:


    Montag, 7.11.

    Vor allem kleine Geckos sind immer noch zu sehen. Ich denke, die müssen noch alles an Kalorien zu sich nehmen, was sie erwischen können, damit sie den Winter überleben.

    Tarentola mauritanica


    Dabei noch eine Frage an die Reptilienkenner: Dass Eidechsen bei Gefahr ihren Schwanz abbrechen können, ist bekannt. Auch dass dann ein Ersatz-Schwanz nachwächst, natürlich ohne Wirbel. Nun meine Frage: Kann dieser Ersatz-Schwanz auch wieder abbrechen, oder hat das Tier nur sozusagen einen Joker im Leben?


    Dienstag, 8.11.

    Da flog was Kreischendes mit ganz langem Schwanz. Endlich setzte es sich nicht in einen belaubten Baum, sondern auf diesen Balkon. Halsbandsittich Psittacula krameri habe ich in Antequera auch noch nie gesehen.


    Auf der Brachfläche habe ich mal wieder eine Krabbenspinne Thomisus onustus gesehen.


    Mittwoch 9.11.

    Das Einzige, was ich anbieten kann, ist diese Schmetterlingsmücke Clogmia albipunctata.


    Donnerstag, 10.11.

    Nachmittags treffe ich mich mit Dave Grundy zum Nachtfalterfang. Ich habe einen Treffpunkt ausserhalb der Stadt gewählt, damit er es leichter findet. Ich habe einen netten Spaziergang am Bach entlang. Das Wetter sah allerdings wenig vielversprechend aus. Der Torcal dick in Wolken.


    Ich habe noch Zeit Vögelchen zu fotografieren.

    Buchfink Fringilla coelebs


    Bluthänfling Linaria cannabina


    Abends nach dem Fallen stellen haben wir noch einige meiner Lampen besucht (nicht die ganze Runde von 1,5 Stunden) und immerhin drei Arten (nein, vier, aber Larentia malvata habe ich nicht fotografiert) gefunden.

    Hypena obsitalis


    Hydriris ornatalis - schlechtes Foto aber #Neu4me


    und an einem Schaufenster Palpita vitrealis


    Freitag, 11.11.

    Nachtfalter-Fallen kontrollieren, hier


    Samstag, 12.11.

    Tagsüber auf dem Weg zum Einkaufen an einer Grünfläche

    Admiral Vanessa atalanta


    Abends bin ich zur regulären Nachtrunde aufgebrochen


    Spodoptera exigua


    Unter einem Spatzen-Schlafbaum sah das aus wie Vogelkot. Aber die Kotkrümel waren immer eher vertikal und dieses horizontal. Da habe ich doch genauer geschaut - und siehe da #Neu4me

    Trichophaga bipartitella


    Sonntag, 13.11.

    Im Park keine besonderen Vögel. Auch keine besonderen Schmetterlinge - trotzdem:

    Distelfalter Vaneesa cardui, mit denen kann man zur Zeit die Straße pflastern.


    Großer Wanderbläuling Lampides boeticus. Es ist mir noch nie aufgefallen, dass das Muster aussieht wie ein trockenes Blatt.


    Nun ja, immerhin habe ich ein tägliches Viech gefunden. Das soll auch bis zum Jahresende (und wahrscheinlich auch darüber hinaus) so weitergehen.

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Kasimir

    Changed the title of the thread from “Mein täglicher Spaziergang 2022: Mothing am 10./11. November” to “Mein täglicher Spaziergang 2022: 7. - 13. November”.
  • Liebe Susanne,

    das war doch eine recht erfolgreiche Woche. Kommentieren möchte ich nur zwei Funde: Erstens Palpita vitrealis, ein total schöner Zünsler, der als Wanderfalter selten auch in Schleswig-Holstein gefunden wurde. Der hat übrigens auch einen deutschen Namen: Ölbaumzünsler, Olivenbaumzünsler.


    Und die Echte Motte Trichophaga bipartiella. Da sieht man wieder, wie wichtig es ist zu wissen, wo ein Tier gefunden wurde. In Deutschland kommt noch eine äußerst ähnliche Motte vor: Trichophaga tapetzella (Tapetenmotte).

    Trichophaga tapetzella - LepiWiki

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Abends nach dem Fallen stellen haben wir noch einige meiner Lampen besucht (nicht die ganze Runde von 1,5 Stunden) und immerhin drei Arten (nein, vier, aber Larentia malvata habe ich nicht fotografiert) gefunden.

    Zu meiner großen Freude eine recht "falterlastige" Woche! ^^


    Distelfalter Vaneesa cardui, mit denen kann man zur Zeit die Straße pflastern.

    Anfang dieser Woche in den Mittagsstunden sauste einer an mir vorbei, dazu noch mehrere Admirale und ein Tagpfauenauge. Ich war ganz überrascht, die ungewöhnlich hohen Temperaturen machen das wohl möglich.

    Nun ja, immerhin habe ich ein tägliches Viech gefunden. Das soll auch bis zum Jahresende (und wahrscheinlich auch darüber hinaus) so weitergehen.

    Eine beachtliche Leistung! :97:

    Viel Erfolg auch weiterhin.

    Viele Grüße
    Uwe


    "Leben ist nicht genug" sagte der Schmetterling."Sonnenschein,Freiheit und eine kleine Blume gehören auch dazu." (Hans Christian Andersen)






  • In Deutschland kommt noch eine äußerst ähnliche Motte vor: Trichophaga tapetzella (Tapetenmotte).

    Liebe Sabine, da hast du mich ja ganz schön verwirrt. T. tapetzella kommt schließlich auch in Spanien vor. Vor allem, wo ich im Lepiforum keinen Unterschied erkennen konnte.

    Zum Glück hat Dave gerade eine tapetzella gezeigt, da habe ich mich angehängt und gefragt. Ich kopiere seine Antwort mal hierhin (ist aus facebook, also öffentlich) "They are very similar, but usually tapetzella is slightly larger and most importantly is to look at the line between black and white areas - if it is vertical then it is bipartitella and if at an angle then it is tapetzella. Also tapetzella usually has more dark marks in the white area."

    Zu meiner großen Freude eine recht "falterlastige" Woche!

    Ich hoffe das Wochenende wird auch falterlastig. Da ist ein Lepidoptera-Biomarathon in Portugal und Spanien. Da möchte ich mitmischen, auch wenn ich keine Chance habe gegenüber jemandem, der Lichtfallen stellt (faluke). Mal schauen.

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

  • Danke Stefan. Ich weiß nicht, was mich da gebissen hat. :33:

    Das kann ich verneinen. Mittlerweile habe ich nicht nur die Nachtfalter, sondern auch die Laternen genauer angeschaut. Es sind immer die gleichen. Die "Leuchte" ist eine quadratische Platte mit 4x4 kleinen Lämpchen (- wohl LED?)

    Meine besten Lampen sind dort, wo es relativ dunkel ist und nur eine solche Lampe auf einer größeren Strecke weißer Wand.

    Die Dunkelheit um die Laterne kann es eigentlich nicht sein. Es besteht die Möglichkeit, auch bei LEDs, dass die Lampen unterschiedliche Lichtspektren haben. Das würde dann den Anflug an den einen und den fehlenden Anflug bei den anderen Erklären.


    Eine andere Möglichkeit besteht noch darin, dass die einen Laternen weiter Ort einwärts stehen, die anderen mehr am Rand des Ortes, so dass die Falter an den Laternen am Rand abgelenkt werden und die weiter im Ort gelegenen Laternen gar nicht erst erreichen, weil sie von den anderen vorher abgefangen werden. Aber auch dann müssten sich an den anderen ganz vereinzelt mal Tiere blicken lassen.


    Ansonsten käme noch in Frage, das 2. Szenario, aber die Laternen sind so weit auseinander, dass die anderen keine lockende Wirkung mehr haben, aufgrund der Entfernung von einander.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Mir gefallen die Sittiche immer sehr, auch wenn in verschiedenen Ortschaften, wo sie sich halten (z.B. Köln und Düsseldorf) die Sittiche eher als Plage betrachtet werden. Ich finde einfach geil, dass sie sich nicht nur dort halten, sondern auch vermehren können. Ansonsten sieht man, dass es schwerer für Dich wird, Viecher zu finden. ;)


    Trotzdem: :ups:


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Kasimir

    Changed the title of the thread from “Mein täglicher Spaziergang 2022: 7. - 13. November” to “Mein täglicher Spaziergang 2022: 14. - 20. November”.
  • Ansonsten sieht man, dass es schwerer für Dich wird, Viecher zu finden. ;)

    Das kann man wohl sagen! :48: Aber trotzdem: weiter geht's!

    Jetzt mache ich es umgekehrt und zeige euch zuerst die "mühsame" Woche und anschließend dann den Highlight-Tag, den Samstag.


    Montag, 14.11.

    Beim Gang durch die Stadt traf ich auf dieses Pärchen Märzfliegen. Jemand bei iNat sagt Gattung Dilophus.


    Abends bei der Nachtrunde immer nur das gleiche Viehzeug: Larentia malvata, Gymnoscelis rufifasciata, Evergestis isatidalis... Die Form torquata von der Reiswanze Nezara viridula finde ich immer ganz hübsch.


    Dienstag, 15.11.

    Tagsüber ist es grau und bedeckt, deshalb Nachtrunde.

    Acanthovalva inconspicuaria hatte ich mit Dave zum ersten Mal.


    Menophra japygiaria gefiel mir schon letztes Jahr so gut. Für diese Saison ist er neu.


    Mittwoch, 16.11.

    Tagsüber regnet es ein bisschen, also Nachtrunde.

    Eine Paarung von Asseln habe ich auch noch nicht gesehen. Porcellio ornatus


    Von den Seidenglanzeulen Spodoptera gibt es 3 Arten in Spanien: Dies ist Spodoptera cilium, bei der die Punkte hell sind - im Gegensatz zu exigua mit rot. Ausserdem gibt es noch eine "bunte" Spodoptera littoralis, die habe ich aber noch nie gesehen. Vielleicht ja eher an der Küste bei dem Namen.


    Und was für den Käferfreund/ die Käferfreunde: Vesperus xatarti habe ich ja auch im letzten Jahr zum ersten Mal gesehen. Jetzt muss ich mal ein Weibchen finden.


    Donnerstag, 17.11.

    Es regnet mehr oder weniger den ganzen Tag.

    In einer Pause war ich auf der Brachfläche und traf auf einen Schwarzen Moderkäfer Ocypus olens. Da er nur rannte, habe ich ihm meinen Fuß in den Weg gestellt. Sofort ging er in Verteidigungsstellung und reckte den Hinterleib hoch. Blieb aber nur kurz stehen. Und überhaupt, ein Foto von oben sieht ja nach nichts aus. Also musste ich ihn weiter belästigen und habe ihn ein paar Mal mit dem Fuß angestupst. Schließlich hat er sein Wehrsekret - verspritzt kann man schlecht sagen - jedenfalls laufen lassen. da habe ich ihm gesagt: ok, du hast gewonnen , hast dich gut verteidigt, jetzt lasse ich dich auch laufen.


    Freitag, 18.11.

    An diesem Wochenende war ja der Lepidoptera-Biomarathon. Also habe ich die Nachtrunde auf nach Mitternacht verschoben (und verkürzt). 4 Arten habe ich gefunden, aber nichts wirklich Herzeigens-wertes. Nasse Schnecken konnte ich auch fotografieren, hier die endemische Iberus marmoratus.


    Nach dem Regen ist es plötzlich kalt geworden. Ich war an einer Grünfläche mit blühender Lantana, die zieht immer viele Insekten an. Ich hatte mit mindestens 6 Schmetterlingsarten gerechnet, vielleicht auch mehr. Aber Pustekuchen! Nada, niente, rien, null Komma nix! Aus Frust oder Langeweile habe ich die Borke von Platanen abgeprokelt. Und sah winzige Pünktchen, mit dem bloßen Auge gerade noch so zu erkennen, die sich bewegten. Dann habe ich die Olympus gezückt, mal schauen, was die so erkennt. Und war echt überrascht - und begeistert: zebra-streifige Springschwänze!


    Das ist das Maximale, was ich rausholen konnte. Es dürfte sich um Gattung Seira handeln. Auf dieser Seite gibt es Fotos von Seira species 13, die meinen ähneln.


    Das war ja echt nett, aber immer noch kein Schmetterling. Da erinnerte ich mich, dass ich letztes Jahr an blühenden Büschen (Fabaceae, keine Ahnung was für eine Art) gesehen habe, wie Lampides boeticus Eier an die Blüten legte. Und tatsächlich:


    Natürlich habe ich abends noch eine Runde gemacht. Man sieht schon, wie wenig los war, wenn ich Heuschrecken fotografiere. Diese wurde mir sogar bestimmt: Pezotettix giornae


    Immerhin, neben den allgegenwärtigen Larentia malvata gab es drei weitere Arten, darunter auch Polymixis lichenae.


    Samstag, 19.11.

    Damit mir das nicht wieder passiert mit einem Null-Tag, habe ich beschlossen an die Küste zu fahren, wo es wärmer ist und zu einem Ort, von dem ich ziemlich sicher wusste, dass es dort Schmetterlinge geben wird. Es hat sich gelohnt und wird in einem eigenen Beitrag verarbeitet. :97:

    Abends habe ich natürlich trotzdem die Nachtrunde gedreht und 5 Arten gefunden. Nichts, was einen vom Hocker reißt, deshalb gibt es hier nur ein Foto von einer hübschen weiß-gefleckten Larentia malvata. Normalerweise sind sie braun in braun.


    Sonntag, 20. 11.

    Im Park, wo noch Lavendel blüht, der auch immer viele Besucher anzog. Diesmal sind es aber gelbe Asteraceae auf denen sich die letzten Schmetterlinge des Jahres sammeln.

    Lampides boeticus (die Art hatte ich ja schon als Ei)


    Leptotes pirithous


    Vanessa cardui ( hatte ich auch Samstag schon gesehen)


    Nach dem Regen schwirrte auch alles vor geflügelter Ameisen. Messor sp.


    Bei diesem Vogel dachte ich zuerst an den Erlenzeisig (das wäre dann wirklich ein Zeichen für Winter), aber es handelt sich doch um den Girlitz Serinus serinus.


    Die Nachtrunde bescherte mir neben 7 Larentia malvata auch noch zwei weitere Arte; Udea numeralis und Polymixis flavicincta.


    Insgesamt habe ich mit Ach und Krach 18 Arten gefunden. - Und jetzt geht's auf zur nächsten Nachtrunde. :21:

    Liebe Grüße
    Susanne


    "Ach, die Welt ist so geräumig, und der Kopf ist so beschränkt!" (Wilhelm Busch)

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