Mit der Kamera auf Sternenjagd

  • Letzte Woche im Oktober und laut Wettervorhersage eine klare Nacht. Mal eben 130 km zum Hohen List gefahren, um ein paar Bilder zu machen.

    Leider zog nach wenigen Stunden Hochnebel auf und die Sterne verblassten. Nach nur 3 aufgenommenen Objekten Abbruch der Fotosession, das Fernrohr zu Bett schicken und wieder 130 km zurück nach Hause.


    Wir haben die Objekte parallel mit dem 1 Meter-Spiegel (Cassegrain-Nasmyth) und einem 20 cm Cassegrain Astrogrphen (Vixen Visac) aufgenommen.

    Am 1-Meter-Spiegel eine Schwarz-Weiß Astrokamera (QHY268) gekühlt und mit Filterrad (RGB) Chipgröße APS-C und am Astrographen eine Canon EOS 5D2 im KB-Format.


    Hier mal ein Bild (Handy) der Fernrohre im aktuellen Zustand:

    Ganz rechts der 1-Meter-Spiegel 1024/6400 (red.)/15700mm ,Links davon oben der 150/1500mm Lichtenknecker Refraktor (Linsenfernrohr) rechts unterhalb davon ein Wachter Faltrefraktor 200/4000mm und ganz links das kleinere Fernrohr ist der Vixen Astrograph 200/1800mm.


    Erstes Objekt NGC 7027 ein sehr kleiner aber auch sehr heller Planetarischer Nebel im Sternbild Schwan (Cygnus) Entfernung ca 3000 Lichtjahre.

    Hier nur das Bild des großen Teleskopes mit 6400mm Brennweite. Der Nebel ist das hellblaue Objekt links.


    Objekt 2 eine Supernova (SN 2021wuf) in der 141 Millionen Lichtjahre entfernten Galaxis NGC 6500.

    Einmal mit dem 1-Meter-Spiegel (Pfeilmarkierung - dieser Stern ist die Supernova und wird in wenigen Wochen nicht mehr zu sehen sein.


    auch mit dem kleinen Rohr ist sie zu erkennen


    beim letzten Objekt kam dann schon Nebel auf sonst wäre noch mehr möglich gewesen.

    NGC 7331 ist eine Spiralgalaxis im Sternbild Pegasus und ca 46 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.

    Hier mit dem kleinen Astrogrphen schon ein schönes Objekt


    und im 1-Meter-Spiegel


    gute Nacht...


    Dirk

  • Phänomenale Eindrücke, die Du uns zeigst, Dirk! :thumbup:

    Sowohl von Eurer Technik und der Anlage an sich, als auch von den unendlichen Weiten des Weltalls! Ohne Dich bekämen wir das gar nicht zu sehen!

    Auf dem Bild der Supernova hätte ich nie den gekennzeichneten Stern für eine solche gehalten, da er so "unscheinbar" aussieht wie viele der anderen. Auf dem Foto sehen wir ja auch hellere Sterne - sprach der absolute Laie...!

    Schade, dass das Wetter nicht lange mitgespielt hat und Du sicher mit Fahrt und Aufbau länger zu tun hattest, als mit dem Beobachten an sich.

    Wie stellt man eigentlich die Entfernung (Lichtjahre) fest? Durch Messungen von Licht oder Ton und wie lange sie von A nach B brauchen?


    Viele Grüße

    Addi

  • Ein mich faszinierendes Thema, die Sternenfotografie. Deshalb freut es mich, wenn ich Sternenbilder sehe. Welch ein Aufwand an Material und Zeit dahinter steckt ist enorm. Danke für den Einblick und die Beschreibungen.

  • Wie stellt man eigentlich die Entfernung (Lichtjahre) fest? Durch Messungen von Licht oder Ton und wie lange sie von A nach B brauchen

    Bei weit entfernten Objekten z.B. Galaxien durch Lichtmessung, genauer gesagt durch Spektralanalysen. In den Spektren gasförmiger Körper (Sterne) finden sich Absorbsionslinien, die für jedes Element an einer bestimmten Stelle des Spektrums zu finden sind. Bei bewegten Objekten verschieben sich diese Linien.

    Bewegt sich das Objekt von mir weg, verschieben sich die Linien im Spektrum in Richtung Rot. Bei einer Bewegung auf mich zu nach Violett (Dopplereffekt).

    Anhand der Verschiebung und der Kenntnis vom sich ausdehnenden Weltall kann man mit Hilfe der Hubble Konstante die Entfernung berechnen.

    Das war jetzt kann kurz und oberflächlich erklärt. Es gibt nämlich noch mehr Methoden der Entfernungsbestimmung im All. Das sprengt die Grenzen diese Forums, wer mehr darüber wissen möchte - hier ein Link mit verständlicher Erklärung zu den Methoden:

    Entfernungsbestimmung


    Viele Grüße


    Dirk

  • Auf dem Bild der Supernova hätte ich nie den gekennzeichneten Stern für eine solche gehalten, da er so "unscheinbar" aussieht wie viele der anderen. Auf dem Foto sehen wir ja auch hellere Sterne

    Die anderen Sterne auf dem Bild sind zum Teil weitere Galaxien, die soweit entfernt sind daß sie nur als punktförmige Objekte zu sehen sind.

    Ansonsten gehören alle anderen Sterne zu unserer Galaxis (Milchstrasse) sind also Vordergrundsterne die viel näher stehen.

    Die auf dem Supernovabild gekennzeichneten Galaxien (NGC 1234 = Objektnummer im New General Catalogue of Nebulae and Clusters of Stars)

    sind viel weiter weg. Sie können nicht mehr in Einzelsterne aufgelöst werden und erscheinen als nebelige Objekte. Die Supernova bildet die Ausnahme, sie ist eine exlpdierende Sonne die am 23.08.2021 entdeckt wurde. Da war sie heller als die gesamte Galaxis NGC 6500 zu der der Stern gehört und ist wie NGC 6500 ca 141 Millionen Lichtjahre entfernt.

    Entdecken kann man solche "neuen" Sterne (Novae; Supernovae) nur durch Vergleiche mit älteren Aufnahmen der Himmelsgegend.

    Viele Entdeckungen werden von Amateuren gemacht, die sich daruf spezialisiert haben.


    Dirk

  • Vielen Dank für die Erklärungen, Dirk!

    Ein wirklich spannendes Thema. Da hat etwas ganz leise geklingelt, als Du das mit der Farbverschiebung geschrieben hast. Deinen Link werde ich mir in Ruhe zu Gemüte führen.

    Hoffentlich spielt Dir das Wetter beim nächsten Mal nicht wieder einen Streich!


    Viele Grüße

    Addi

Participate now!

Don’t have an account yet? Register yourself now and be a part of our community!