Sonntagsausflug nach Ronda und Setenil de la Bodegas (10.10.21)

  • Hallo allerseits,

    jetzt möchte ich euch endlich von meinem Sonntagsausflug berichten. Mein Strandfahrt-Organisator mausert sich zum Reiseveranstalter und hat für letzten Sonntag einen Trip nach Ronda und Setenil de las Bodegas angeboten. Ich habe mich extra nochmal erkundigt, ob da keine Stadtführung oder gemeinsames Mittagessen oder so enthalten ist. Als er sagte, nein, nur die Fahrt, habe ich zugesagt.

    Früh aufstehen, Treffen um 8:30. Auf dem Weg dahin fand ich einen Käfer Chrysolina bankii. Prima, wenn alles schiefgeht habe ich mein Viech des Tages schon!



    Ronda ist vor allem berühmt wegen der "Neuen Brücke" - Puente Nuevo, erbaut im 18. Jahrhundert über eine tiefe Schlucht, um zwei Stadtviertel zu verbinden. Die paar Male, die ich da war, haben mich vor allem Alpenkrähen begeistert, die in der Schlucht Flugakrobatik zur Schau stellten.



    Aber dieses Mal nicht eine Einzige! Schon sehr enttäuschend. Aber die Brücke und die Schlucht sin natürlich schon beeindruckend.



    Ich bin dann runter gewandert und habe die Brücke aus allen Blickwinkeln fotografiert.



    Es ist eindeutig Herbst.




    Manchmal ist es auch ganz spannend, Leute zu beobachten. In diesem Fall Profi-Kletterer, die sich durch den Wasserfall unterhalb der Brücke abseilten.



    Als ich unten angekommen war, habe ich versucht ans Wasser zu kommen.



    Vom Bach gibt es keine Fotos, aber mit etwas Geklettere bin ich drangekommen. Im Wasser gab es Flohkrebse Gammarus sp. Nett, aber unbestimmbar. Ich dachte die Schneckchen sind was Besonderes, ist aber irgendeine invasive Art.



    Zurück in die Stadt bin ich auf der nicht so steilen geschotterten Fahrstraße gelaufen, vorbei an Teilen der (restaurierten) Stadtmauer. Zwei kleine blasse noch unbestimmte Spanner. Fazit: tolle Landschaft, aber viechermäßig eher dürftig.


    Um 15:30 war Treffpunkt am Busbahnhof um nach Setenil de las Bodegas zu fahren. Dieses Dorf in der Provinz Cádiz (zum ersten Mal in diesem Jahr bin ich aus Málaga raus! :) ) ist berühmt für seine Häuser, die in Felsüberhänge gebaut sind. Als ich aus dem Bus ausstieg, sah ich schon über dem höchsten Teil des Ortes mehrere große Vögel kreisen. Da muss ich hin! Da war mir die Architektur auch egal.



    Ich bin also die steilen Straßen hochgehetzt und stand dann oben einfach nur mit offenem Mund. Zum einen natürlich atemlos, zum anderen aber völlig fassungslos! Viele Gänsegeier kreisten über der Hügelkuppe, kamen dann von hinten knapp über die Olivenbäume gesegelt, so dass man das Rauschen der Flügel hören konnte. Ich habe versucht zu zählen, aber ob es nun 30 oder über 50 waren, kann ich nicht sagen. Hier habe ich versucht, möglichst viele draufzukriegen.



    Wie ihr ja wisst, bin ich nicht gerade der Spezialist im Flugaufnahmen machen. Natürlich habe ich es doch versucht.





    Was sind das nur für riesige Vögel! Dass dieser massige Körper überhaupt in der Luft gehalten werden kann! Die Armschwingen nehmen mehr als die halbe Flügelbreite ein. Jede einzelne Feder muss also richtig was leisten. Ich habe geschaut, manche waren etwas dunkler als andere und hatten keine weiße Halskrause, aber das sind wohl nur Unterschiede zwischen Jungen und Adulten. Es war kein Mönchs-, Schmutz-, Bart- oder Sperbergeier darunter.

    Zuerst dachte ich, hinter der Hügelkuppe liegt vielleicht ein Aas und bin in die Richtung. Sie wichen mir ein bisschen aus, kurvten dann etwas weiter unterhalb herum. Es landete auch nie einer. Die hatten einfach nur ein Segeltreffen.

    Das folgende Foto ist unbearbeitet, ich konnte auch das Zoom gar nicht völlig ausfahren, dann hätte er nicht draufgepasst.



    Über eine Stunde habe ich da oben verbracht und über 100 Fotos gemacht. Dabei bin ich gar nicht der Viel-Fotografierer. Mehr als die Hälfte waren natürlich unbrauchbar, unscharf oder nur noch die Flügelspitze drauf. Manchmal bin ich auch einfach nur gestanden und habe zugeschaut. Irgendwann hatte ich dann Zeit auch mal das Dorf zu betrachten.



    Beim Runtergehen habe ich einen Mann auf der Straße getroffen und gefragt, ob das normal ist, dass so viele Geier da sind. Er war nicht sonderlich überrascht - höchstens über meine Frage - und sagte nur, "Nein, die sind dann auch bald wieder weg." Also habe ich einfach Glück gehabt! Das war auf jeden Fall ein unvergessliches Erlebnis!


    Ich hatte noch Zeit genug durchs Dorf zu schlendern, aber auf den beiden Straßen mit den Felsen, die vom Fluss ausgewaschen wurden, so dass man darunter Häuser gebaut hat, war es voll wie auf den Ramblas in Barcelona.



    Da habe ich mich schnell verzogen und bin am Bach entlang gegangen. Da habe ich auch endlich Ischnura graellsii gesehen. Die habe ich ja in Antequera dieses Jahr vergeblich gesucht.



    Von einer Brücke konnte ich noch eine Gebirgsstelze Motacilla cinerea beobachten.



    Der Trip war zwar völlig anders als erwartet, aber erfolgreich. Ich habe mich jetzt für alle weiteren Fahrten angemeldet, ganz egal wohin. Alle zwei Wochen gibt es eine Tour.

  • Klasse... das schaut ja toll aus... so viele Gänsegeier sind ein Traum.... ich hab mal auf Krk in Kroatien welche über uns kreisen sehen.... da war ich genauso fasziniert.... Aber in Spanien wars toll.... wenn sie die Horste angeflogen sind, dann hat man auch die Federn rauschen gehört.... und sie sind manchmal ziemlich niedrig über uns drüber geflogen.... das ist ein echtes Erlebnis...


    Schade, dass Du diesmal keine Alpenkrähen gesehen hast... Und das zweite Städtchen schaut ja echt spannend aus...


    Und ihr habt es noch warm, hier liegt schon der erste Schnee auf den Bergen... ,

  • Eine tolle, überraschende Tour, Susanne! Es begann ("viechermäßig") langsam, um sich dann enorm zu steigern! Es freut mich für Dich, dass Du die Gänsegeier erlebt hast! Aber auch, dass Du die Ischnura graellsii gefunden hast!

    Die Brücke ist sehr imposant, das Städtchen unter den Felsen ebenso. Dass die keine Angst haben, dass da etwas abbrechen kann und die Häuser so nahe vor dem Abgrund...

    Ich hoffe, die nächsten Touren werden auf ihre Art erfolgreich!


    Viele Grüße

    Addi

    Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
    Ich hob ihn auf. Er war so schön!
    Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.


    (Calvin O. John, Ute-Navajo)

  • Liebe Susanne,

    deinen wunderbar lebendigen, herrlich bebilderten und mit vielen Informationen gespickten Bericht habe ich mit Spannung gelesen - ich bin total begeistert! Mir gefällt besonders gut, dass du deine Tiererlebnisse in die Kulisse der Ortschaften einbettest. Die beiden Orte strahlen irgendwie eine ganz besondere Atmosphäre aus, und es fühlt sich mutig an, dass in Ronda die Häuser so direkt an der Schluchtkante gebaut wurden. Was für eine irre Landschaft, das kommt besonders auf dem letzten Foto vor den Flusskrebsen raus.

    Deine Gänsegeier-Fotos sind großartig geworden! Einen Gänsegeier haben wir auch schon mal gesehen, das war vor vielen Jahren, als wir versucht haben, die 200 Höhenmeter von der Bergbahnstation zum Gipfel des Kitzsteinhorns zu laufen. Der Gänsegeier kreiste über uns, das war ein beeindruckendes Erlebnis. Und wenn du gleich mehrere Dutzend von den Riesenvögeln auf einmal beobachten konntest, kann ich gut nachvollziehen, dass du neben den Fotos einfach nur den Ablick genossen hast.

    Voll wie in den Ramblas von Barcelona? Gruselig! Aber auch dieser kleine Ort hat Charme.

    Prima, dass du dich für alle weiteren Touren dieses Jahres angemeldet hast, da werden wir sicher noch spannende Berichte zu lesen bekommen.

    Und bevor ich den vergesse: Der Blattkäfer sieht auch klasse aus!

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Auch ich genieße sehr die Bilder der spanischen Städte und Landschaften. So langsam brauche ich wirklich mal was anderes als tolle Moore und schöne Nord oder Ostseeküsten...

    Danke, dass ich hier schöne Bilder mit spannenden Naturberichten sehen kann!

    In Ronda habe ich ziemlich nahe der Brücke das erstemal ein Tapas-Essen mitgemacht. Die Freunde, die mich damals mitnahmen, hatten wohl auch nicht so recht gewusst, wie man da am besten bestellt. Es waren Unmengen, die uns da serviert wurden....

  • Liebe Sabine,

    die Trips gehen ja alle zu pittoresken Orten, dass es drumrum noch Landschaft mit Viechern gibt, interessiert die meisten Spanier nicht so. Ich bin auch gespannt, was ich noch so zu sehen bekomme.

    Als ich meine Ronda-Runde fast beendet hatte und wieder im Stadtzentrum war, traf ich andere aus der Gruppe, die mich fragten, ob ich denn gegessen hätte - das wäre ein gutes Lokal. Da habe nur gesagt, nein, dafür habe ich keine Zeit, ich habe mir ein Brötchen mitgenommen.


    Allerdings bin ich auch ganz bei Silke; ich hätte auch nichts gegen ein tolles Moor einzuwenden... oder ein bisschen Watt... :21:

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