Auf und im Wasser

  • Hallo Forumer*innen



    Auf der vollbesonnten Oberfläche einer zum Teil mit Wasser gefüllten Vertiefung fielen mir vor einigen Tagen dunkle Punkte auf die manchmal aufblitzten. Sie wuselten hin und her. Hin und wieder näherte sich einer dem Uferbereich. Die Schuhe wurden ausgezogen, nasse Füße gab es, aber leider kein ordentliches Foto. Käfer waren es, soviel ist zu erkennen.



    Als Zugabe zeigten sich im Wasser vereinzelt weitere kleine dunkle Käfer. Über dem hellsandigen Grund gut zu verfolgen, wenn sie zwischen Algen und spärlichen Pflanzen ihren Platz wechselten. Zunächst vermutete ich, dass es sich um die gleichen Käfer wie die auf dem Wasser handeln würde. Beide messen 3 mm, aber die Fotos bestätigten die Vermutung nicht.



    Größere dunkle Käfer / Wanzen? waren ebenfalls immer wieder zu beobachten wenn sie vom Grund aus, von ihrem Versteck, zur Wasseroberfläche schwammen und dann eiligst wieder abtauchten. Einzelne verharrten an der Oberfläche, sonnten (?) sich, die Gelegenheit für Fotos.



    Einer zeigte mir sogar seine Flügel als Beweis, dass er auch fliegen kann.



    Bei der Suche nach dem Unterschlupf eines dieser Aufabschwimmer störte ich den größten Käfer des Tages. 11mm. Seine Flügelrippen sind zwar nur noch im Ansatz zu erkennen, doch war er der vierte meiner Neulinge für heute in diesem Biotop.



    Was mir auch auffiel waren etliche tote (ertrunkene?) Insekten. Fische zum Wegräumen gibt es in dem Gewässer nicht. In der Mehrzahl waren es Wanzen, aber auch Libellen.




    Das Tüpfelchen auf dem ' i ' bescherte ein Käfer: Mit Socken an den Füßen im Wasser stehend verspüre ich Etwas am Kopf. Instiktiv wird es fortgewischt. Ins Wasser plumpst ein buntes


    Käferlein, eines von der Art, die ich in der Nachbarschaft schon mal sah.




    Ein Laufkäfer, kein Wasserkäfer! Was nun? Er schwamm!

    Da brauchte der Hermann nicht zu helfen zumal der Käfer munter dem Wasserrand zustrebte.

    Sein ihm von Menschen verpasster Name: Agonum sexpunctatum; Sechspunkt-Glanzflachläufer oder Sechspunktiger Putzläufer.

    So gefunden. Widersprüche?

    Verborgen soll er leben mit seinen 9,5 mm Länge.

    Ich hatte mein Sensatiönchen.


    Hermann, der da berichtet, grüßt alle Leser der Forumsberichte.


  • Ein toller Käferbericht, Hermann!

    Fehlt dem esten Käfer ein Teil der Flügeldecke oder sieht er so aus?

    Käfer drei und vier gefallen mir am besten.

    Du bist ja mit vollem Einsatz dabei gewesen. Ich hoffe, Du hast Dich nicht erkältet!


    Viele Grüße

    Addi

    Ein glänzender Stein am Wegrand. So klein – und doch so schön.
    Ich hob ihn auf. Er war so schön!
    Ich legte ihn wieder zurück und ging weiter.


    (Calvin O. John, Ute-Navajo)

  • Aaaalso...


    #1 Gyrinidae, vermutlich, weil mit Abstand die häufigste Art, Gyrinus substriatus, aber eben leider alles andere als sicher.

    #2 Dürfte eine Staphylinidae sein. Es ist nicht eindeutig von Dir gesagt worden, aber ich denke, die liefern auf der Wasseroberfläche über die Pflanzen, nicht unter Wasser?

    #3 Hygrotus inaequalis, ich glaube heute zur Gattung Coelambus gestellt, dann also Coelambus inaequalis

    #4 + #5 Ruderwanzen (Corixidae) der Gattung Corixa. Bei der Größe hat man es üblicherweise mit Corixa punctata zu tun. Es gibt aber Verwechselungsarten. Bei den kleinen Arten geht hier gar nichts am Foto.

    #6 Hygrobia hermanni, den holt man für Spaß aus dem Wasser, legt ihn sich in die Hamdfläche und schließt sich vorsichtig, so dass er +/- eingeklemmt ist. In dieser Situation fängt er in der Regel an zu "knatschen"..., wenn er es nicht schon vorher tut. Klingt, als würde man mit dem Finger über eine gespannte Folie fahren. Was Du als Rippenansatz betrachtest, sind Strukturen innerhalb der Flügeldecken. Also nicht außen drauf. Ob man das als rudimentäre Rippen bezeichnen kann, lasse ich mal dahin gestellt.

    #7 Raphigaster nebulosa - Beute für die Gyrinidae

    #8 Sympetrum, bei den Heidelibellen Gattung Sympetrum halte ich mich wohlweißlich raus.

    #9 + #10 Agonum sexpunctatum. Die Art lebt in Gewässernähe, ist gut eingefettet, so dass sie Wasser abstößt und aufgrund ihrer Leichtigkeit wie ein Korken auf dem Wasser sitzt und hier gut strampelnd wieder ans Ufer kommt.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Klaas, ich denke, ich habe Dir einige Arbeit beschert.

    Für mich sind deine Angaben höchst interessant, man ergänzt sich.


    Weitere Arbeit fand ich heute, auch im / am Wasser, so 4 / 5 Arten.

    Zeige ich morgen.

    Grüße vom Hermann

  • "Arbeit" ist relativ. Es hat ein wenig gedauert, alles zu schreiben, aber nicht all zu lang und das, was ich geschrieben habe, musste ich nicht nachsehen. Das ist Kopfarbeit. Also nicht viel Arbeit, sondern nur des Schreibens wegen und kurz versichern, dass man mit der Nummer auch das richtige Tier/Foto anspricht, vielleicht fünf Minuten. ;)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Lieber Hermann,

    du hast wieder einige schöne Beobachtungen machen können. Mir gefällt besonders das Foto von der Grauen Gartenwanze (Rhaphigaster nebulosa), bei der die Hinterflügel "aufgespannt" zu sehen sind.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

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