Wer wird hier heraus kommen...?

  • Heute bin ich wieder in dem Bereich gewesen, wo ich die vielen Raupen und kurz darauf die Puppe gefunden habe, die dann aber leider einem Fraßfeind zum Opfer gefallen ist.

    Wie ich befürchtet hatte, ist inzwischen auch der Bauer dort langgefahren und hat eine Treckerbreite platt gemacht...! Brennnesseln mit jeder Menge Tierchen wird es erwischt haben.



    Ich habe mir dann den Rest aufmerksam angeschaut und "ein Etwas" vor der Zerstörung gerettet (hoffe ich) und nun ist es bei mir auf dem Balkon.

    Habt Ihr eine Ahnung, wer oder was da vielleicht bald herauskkommen wird? Ist diese Behausung typisch für ein bestimmtes Insekt? (Ich hoffe nicht, für eine Ladung Spinnenkinder!)



    Wenn man genau hinschaut, ist dort etwas Schwarzes zu sehen. Ich hatte mir eingebildet, etwas mit Panzer zu sehen. Aber ein Käfer würde das doch so nicht machen?!





    Viele Grüße

    Addi

  • Hallo Addi,


    ja, da steckt irgend etwas da drinnen. Ich habe mir das erste Bild mal heruntergeladen, um es noch mehr zu vergrößern. Aber da konnte ich leider auch nicht mehr erkennen. Das sieht für mich nach einem fertigen Tier aus. Da hat sich eine Larve oder eine Raupe ein Gespinst gebaut. Da wir September haben, wird das fertig ausgebildete Insekt wohl darin überwintern und dann im nächsten Jahr schlüpfen. Da ist nun Geduld gefragt. Also, jeden Abend schön eine Gute Nacht-Geschichte erzählen. :19:


    Liebe Grüße

    Sabine II

    Solange es Menschen gibt die denken, dass Tiere nicht fühlen,
    müssen Tiere fühlen, dass Menschen nicht denken.
    (Noah)

  • Ich denke, der Falter wird noch dieses Jahr schlüpfen und als Falter überwintern. Könnte man sicher sein, dass die Brennnessel stehen bleibt, würde ich Sabine II/Natura zustimmen. In der Regel fallen die Brennnesseln aber irgendwann im Winter um und das Blatt würde auf dem feuchten Boden aufliegen. Das Blatt finge an zu schimmeln und im fortlaufenden Gedeihen des Schimmelpilzes, schließlich auch die Puppe.


    Aber..., da ich nicht weiß, welche Falterart das ist, sind das lediglich mir logisch erscheinende Überlegungen. Die können ebenso falsch wie richtig sein. Ich bin also anderen Ideen gegenüber offen, wenn sie sich mir logisch erschließen, oder entsprechende Erfahrungen dahinter stecken. ;)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Vielenn Dank Euch Beiden!

    Das ist spannend! Falls er / sie / es hier überwintern sollte, dann muss ich alles noch stabiler platzieren.

    Klaas Einwand ist einleuchtend. Wenn ich es richtig interpretiere, erwartet Ihr einen Falter.

    Hat er sich dann erst diese "Behausung" gebaut und sich dann verpuppt? Es irritiert mich ein wenig, dass bei der angefressenen Puppe von vor ein paar Tagen viel weniger Spinnfäden zu sehen waren. Aber wahrscheinlich macht es auch jede Raupe anders...

    Ich bin gespannt!


    Viele Grüße

    Addi

  • Schmetterlinge haben hochgradig unterschiedliche Methoden der Verpuppung. Die Papilionidae und Pieridae werden meist mit so genannten "Gürtelpuppen" in Verbindung gebracht. Deren Larven fertigen an einem Ast oder Stämmchen, an einer Mauer, an Steinen oder anderem ein kleines Gespinst, an dem sie sich mit ihren Nachschiebern verhaken. Es wird ein Faden um das obere Drittel des Körpers gesponnen, der die Puppe in Form eines Gürtels so am Untergrund hält, dass der Kopf nach oben zeigt und die Spitze nach unten. In dieser Haltung verpuppt sich dann die Raupe. Und wegen des "Gürtels" um den Körper eben die Bezeichnung "Gürtelpuppe".


    Viele Nymphalidae verpuppen sich als so genannte "Stürzpuppe", wie Deine Puppe des Admiral. Sie weben ein kleines Gespinst auf eine Fläche, an der sie sich mit den Nachschiebern fest krallen. Dann lassen sie sich Kopf über einfach fallen, oder besser gesagt, sie stürzen sich so, dass die Raupe und später die Puppe, mit dem Kopf nach unten hängt.


    Vor allem die Perlmutterfalter, aber auch die Satyridae (oder heutzutage wohl nur die Unterfamilie Satyrinae aus der Familie Nymphalidae), so wie die Lycaenidae und Hesperidae liegen meist irgendwo gut versteckt unter Laub und Moos und ähnlichem.


    Die meisten Nachtfalter verpuppen sich entweder ähnlich den Lycaenidae oder den beiden anderen Familien mit dieser Vorliebe, oder sie graben sich richtig ein und fertigen unter der Erde eine Puppenkammer, in der sie sich verpuppen. Dann gibt es noch diverse Nachtfalter, die sich ein Gespinst anfertigen (wie z.B. Orgya recens, Orgya antiqua, viele Lasiocampidae etc.), in dem sie sich verpuppen. Und zur Krone der Fertigungsmeisterzunft haben es dann die Saturniidae gebracht, die einen Birnen förmigen Kokon anfertigen, in dem sie sich verpuppen. Dieser Kokon hat ein ausgeklügeltes Reusensystem, das so angelegt ist, dass da, wo eine Birne üblicherweise den Stil hat, bei diesem Kokon der Ausgang ist. Dieser Bereich ist offen, aber eben nur mittels Reuse offen. In der Regel kann keiner von außen in den Kokon rein (es gibt Parasitoide, die das doch können), aber der Falter kann nach dem Schlupf ohne jedes Risiko, dass die noch kleinen und knittrigen, Verletzungsanfälligen Flügel beschädigt werden, über diese Reuse nach außen kriechen und draußen seine Flügel strecken. Es ist sozusagen eine One-way-Reuse.


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Vielen Dank Klaas, für die wieder einmal hochinteressanten Erklärungen! :)

    Es ist mir nicht klar gewesen, dass es auch beim Verpuppungsvorgang solche Variationen gibt. Nicht nur die Art des Gespinnst oder ob über oder unter der Erde, manche hängen mit dem Kopf nach unten, andere haben den Kopf oben...

    Mich wundert es dann nur, dass u. a. die Perlmutterfalter auf dem Boden liegen, wie Du schreibst, zwar unter Laub und Moos, aber dort können sie ja auch nass werden und schimmeln, oder?

    Auf jeden Fall sehr interessant! :thumbup:


    Viele Grüße

    Addi

  • Die Insektenwelt hat für alles Vorkehrungen getroffen. Raupen suchen lange, bis sie den optimalen Verpuppungsplatz gefunden haben. Solche Arten, die einfach der Erde aufliegen, suchen nach trockenen Plätzen. Dabei legen sie andere Kriterien zu Grunde als wir denken und die wir nicht kennen. Wenn ich bei der Wintersuche mal eine Puppe finde, ist schon auffällig, dass der Verpuppungsort zwar feucht, aber nie übermäßig Feucht ist, bzw. sich keinerlei Schimmel in der Umgebung bildet. Ich habe sogar einmal vor vielen Jahren den Fall gehabt, dass der Verpuppungsort ideal war, die nähere Umgebung aber schon fast triefte vor Nässe. Sie haben also die Fähigkeit Dinge zu erkennen, die wir nicht erkennen können, oder wo wir nicht wissen, wie sie das machen.


    Sehr interessant ist die Maßnahme, die von der Larve des Gelbrandkäfers (Dytiscus ssp - also z.B. marginalis, dimidiatus, lapponicus etc.) ergriffen wird. Gelbrandkäfer leben im Wasser, überall in unseren Teichen und Tümpeln, Verlandungszonen der großen Seen, in Gräben und Stillwasserbereichen von Bächen und kleinen Flüssen, Fahrspuren von Fahrzeugen etc. pp. Die Weibchen legen ihre Eier in Pflanzengewebe von solchen Pflanzen ab, die eine gute Sauerstoffversorgung haben (hab es mal im Aquarium an einer Krebsschere beobachtet). Die Larve lebt und jagt im Wasser. Zur Verpuppung geht sie aber an Land. Dort gräbt sie sich einige Zentimeter tief in den Boden ein und baut eine Kammer, in der sie sich verpuppt. Die Larve hat kaum eine Chance einen Bereich zu finden, wo es wirklich trocken genug wäre, dass die Puppe nicht verschimmelt. Immerhin muss diese ca. vier Wochen an der Stelle bleiben. Gelbrandkäferpuppen würden unweigerlich verschimmeln, wenn die Puppe nicht an beiden Enden je einen Dorn hätte, mit dem sie sich in der Wand der Puppenkammer aufhängt, so dass sie keinerlei Bodenkontakt hat, außer an den Dornen. Bei Versuchen, bei denen man die Puppen aus der Kammer heraus geholt und auf die Erde gelegt hat, gab es 100% Ausfall. Nicht eine der Puppen hat überlebt, nicht eine ist nicht an Schimmelbildung zugrunde gegangen.


    Übrigens..., das weiß vielleicht auch nicht jeder, aber die Seide, die wir zu Schals und Kleidungsstücken verarbeiten, ist auch das Ergebnis einer Schmetterlingsart. Bombyx mori, der Seidenspinner. Die Zuchtformen produzieren einen Kokon, der an Qualität in der Seide durch nichts übertroffen wird, da dieser zum aller größten Teil aus einem einzigen Faden besteht, der mehrere tausend Meter lang sein kann. Die Chinesen haben Bombyx mori über Jahrtausende domestiziert. Noch zu Marco Polos Zeiten wurde mit dem Tod bestraft, wer Entwicklungsstadien von Bombyx mori versuchte außer Landes zu schmuggeln. Es wurde an vielen Wildseidenspinnerarten, z.B. der Gattung Antheraea versucht ähnliche Ergebnisse in der Seide zu erzielen, aber keiner kam auch nur annähernd an die Qualität von Bombyx mori heran. Es hatten alle Arten nur viele tausend Einzelfäden, die im günstigsten Fall auch mal mehrere 10 Meter lang sein konnten. Die Italiener haben es noch im 20. Jahrhundert versucht und irgendwann aufgegeben. Unter anderem mit Antheraea yamamai. Einige der Falter entkamen, konnten sich zuerst regional halten und haben ihr Areal dann langsam erweitert. Wer heute z.B. in Kärnten und der Steiermark Abends im Dunkeln spazieren geht, hat vielleicht das Glück, dass dieser imposante und recht hübsche Falter um eine Laterne fliegt. Und sogar in Deutschland wurde er mittlerweile gefunden.


    Antheraea yamamai - LepiWiki (lepiforum.org)


    Liebe Grüße

    Klaas

  • Ja, in Kärnten hab ich den schon mal gefunden, heuer haben mir Freundinnen Fotos gezeigt, Funde in Kärnten... dort scheint er inzwischen recht häufig zu sein. Steiermark weiss ich bisher nur von der Südsteiermark. Zu uns rauf ist er offensichtlich noch nicht gekommen...

  • Vielen Dank, Klaas. Ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Insekten (natürlich auch viele andere Tiere) haben so ausgeklügelte Strategien, um zu leben und zu überleben. So als hätten sich mit jeder Art ein Ingenieur, Architekt, Mediziner und wer weiß wer noch hingesetzt und einen genau abgestimmen Masterplan entwickelt! Um so faszinierender, dass sich vieles unter unseren Füßen und unmittelbarer Nachbarschaft abspielt, wenn ich jetzt einmal an die Puppe des Gelbrandkäfers denke. Und das ist ein Beispiel unter vielen.


    Viele Grüße

    Addi

  • Seit ein paar Tagen schaue ich immer wieder nach meinem Gast. Gestern habe ich mir eingebildet, ich hätte einen weißen Insektenkörper mit zwei schwarzen Augen gesehen. Aber das war wohl trügerisch... Ich konnte das, was ich meinte gesehen zu haben, auch nicht richtig fotografieren.

    Heute morgen glaube ich wieder, es ist ein schwarzer Körper.

    Zwischen den beiden Pfeilen... (denke ich).



    Und etwas näher.



    Da werde ich tatsächlich noch bis Frühling warten müssen...


    Viele Grüße

    Addi

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