welche Limnephilidae? => Allogamus auricollis (Pictet, 1834)

  • Liebe Naturfreunde,
    Jürgen hat mich (privat und persönlich) mit einem Bestimmungsschlüssel überrascht, den ich sogleich getestet habe. Nach meiner Schnelldiagnose aufgrund seines vorigen Beitrags landete ich bei den Limnephilidae: Beine stark bedornt ohne Ringelmuster. Dieser für mich neue Bestimmungsschlüssel trennt sogar ziemlich früh in Männchen und Weibchen.


    Bevor ich ein Bild zeige zunächst die Fundort-Daten für alle drei Tiere:
    Funddaten: Österreich, Bundesland Salzburg, Pinzgau, Salzburger Schieferalpen, Maria Alm, Berg Natrun, 1100 m,
    Tier 1: 18.09.2015, Größe 17 mm (gemessen)
    (immer von Kopf bis Flügelspitze (Apex))



    • Imagines > 5 mm => 2
    • Maxillartaster 3 - 4 gliedrig => 16
    • Maxillartaster 3-gliedrig => 18



    • Ocelle vorhanden => #male Limnephilidae

    Weiter geht's mit dem Schlüssel für Unterfamilien innerhalb der Familie Limnephilidae:

      Subcosta mündet direkt in den Flügelrand => 2 (wenn meine Beschriftung richtig ist, wäre das abgefragte Merkmal richtig interpretiert)[










      Der nächste Bestimmungsschritt fragt Merkmale des Hinterflügels ab, die am Foto nicht sichtbar sind. Hier ist also erstmal Ende. Aber in den Schlüsseln wird auch nach den Gabeln der Aderung gefragt, ich habe hier mal meine Vermutung für Gabel 1 (im Schlüssel G1) eingezeichnet.


      Das auffälligste Merkmal scheint mir zu sein, dass die Flügelader genau dort unterbrochen ist, wo sich der hellere Fleck befindet.


      Und genau dieses Merkmal habe ich auf zwei weiteren Fotos gefunden:
      Tier 2: 22.09.2011, Größe 18 mm (gemessen)


      Tier 3: 11.09.2012, Größe ca. 15 mm (geschätzt)



      Nun habe ich zwar meinen eigenen Anspruch durchbrochen, immer nur ein Tier in eine Bestimmungsanfrage zu stellen, aber mein Eindruck ist, dass alle drei Tiere zu selben Art gehören dürften.


      Und wieder gespannte Grüße

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Liebe Sabine,


    zunächst eine Bestätigung: ja, es handelt sich bei allen drei Tierchen um dieselbe Art und auch dieses gehört ebenfalls zur Familie Limnephildae. Mit einiger Erfahrung kann man es ebenfalls bis zur Art bestimmen. Es ist wiederum eine typische Herbstart, die zur selben Zeit und an denselben Standorten wie Anabolia nervosa anzutreffen ist, nämlich Allogamus auricollis, erkenntlich an dem goldfarbenen "Kragen" (Artname!) und der relativ dunklen Färbung. Auch bei dieser Art kann ein hellerer Fleck an der Thyridiumzelle vorhanden sein; das Pterostigma ist dunkel gefärbt.


    Auf die Flügeläderung der Köcherfliegen wollte ich eigentlich erst später mal eingehen, aber nun aus aktuellem Anlass und bevor Du Dich da weiter verrennst ;) , hier einige Bemerkungen dazu.


    Die Köcherfliegen legen ihre Flügel in Ruhestellung bekanntlich dachförmig zusammen. Wenn Du einmal die Hände in dieser Form zusammenlegst und dann nach vorne in die Flugstellung bringst (die Flügeloberseite entspricht dabei der Handoberfläche, die bei dieser Bewegung oben bleibt), sollte Dir klar werden, dass die Vorderkante des Flügels in Ruhestellung unten liegt. Damit wird die Reihenfolge der Adern natürlich anders, als von Dir angenommen. Die Costa liegt im Ruhezustand unten, dann folgen Subcosta, Radius etc.


    Ich habe Dein Bild mal etwas verhunzt, vertikal gespiegelt und die wichtigsten Adern, Zellen und Gabeln eingezeichnet. Bei vielen Arten sind diese Flügelmerkmale gut zu sehen, so auch hier, bei anderen, insbesondere stark behaarten Spezies ist dies leider nicht immer der Fall.



    Anm.: Bei den Limnephilidae fehlt Gabel 4 im Vorderflügel, bei anderen Familien ist sie aber vorhanden (z.B. bei den Rhyacophilidae und den Hydropsychidae).


    Ich hoffe, dass damit wieder einiges klarer geworden ist.


    Am sichersten erfolgt eine Bestimmung von Köcherfliegen aber nach wie vor am Genital. Als Beispiel ein Vergleich der männlichen und weiblichen Genitalarmaturen von Anabolia nervosa und Allogamus auricollis.



    Liebe Grüße
    Jürgen


    P.S. Schöne Bilder hast Du da geschossen :) ! Bild 2 ist ein Weibchen (Maxillarpalpus fünfgliedrig), Bild 3 wieder ein Männchen.

  • Lieber Jürgen,
    wieder ganz große Begeisterung auf meiner Seite. Dass es wieder bis zur Art geht freut mich sehr. Ich muss nun doch über mich den Kopf schütteln bzw. schmunzeln. Die Lage der Vorderkante ist mir eigentlich über Falter und Ameisenjungfer geläufig. Da hatte ich wohl einen Totalaussetzter. Die Beschriftung der Adern ist überaus hilfreich, ganz herzlichen Dank dafür!

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

  • Lieber Jürgen,
    da hast du recht. Habe ich wohl übersehen. Dank für den Hinweis.

    Liebe Grüße Sabine


    Ich verstehe nicht, dass wir unseren wunderbaren Planeten umbringen,

    aber zum unwirtlichen Mars fliegen wollen.

    Franz Viehböck (*1960, bisher einziger Weltraumfahrer Österreichs)

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