Big Year 2021 - stille Nacht und sch.. Wetter am Tag

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  • Nun ist das "Big Year" gestartet und mit voller Vorfreude wurde dem Jahreswechsel hingefiebert. "Dinner for One" konnte man in diesem Jahr (leider) perfekt nachspielen:
    Da sitzt man zu zweit in einem Raum und besäuft sich mit Freunden, die gar nicht anwesend sind...! :99: Wer hätte gedacht, dass dieses mal Wirklichkeit wird....

    In diesem Sinn: Prosit Neujahr!

    Gespannt ging es zum Jahreswechsel vor die Tür und wir winkten auflagengerecht zu den Nachbarn. Leider gab es wie überall auch schwarze Schafe, die sich noch mit Böllern von sonstwo eingedeckt hatten und fleißig der Pyro freien Lauf ließen. Unverbesserlich - aber auch machtlos dort einzugreifen *kopfschüttel*.

    Denoch war erfreulich früh Schluß und gegen 0:30 Uhr nichts bis gar nichts mehr zu hören. Allerdings hörte man durch sich abwechselnden Nieselregen und Schneegriesel auch nichts anderes.... Die Wetterbedingungen waren einfach zu schlecht um irgendetwas an ziehenden oder rufenden Vögeln zu hören, geschweige denn vor einer nicht sichtbar vorhandenen Mondkulisse sehen zu können. Demzufolge hieß es erstmal ab in die kuschelige Schlafstätte und ausgiebig Kraft getankt für den Vormittag.
    Da sich nach ausgiebiger Ruhe der Vormittag schon ziemlich klein darstellte, lag die Hoffnung auf dem Neujahrsspaziergang. Nachdem wir ausgiebig Mittagsstückten, äh frühstückten ging es los.

    In Anbetracht der aktuellen Wetterlage war mir schnell klar, dass man sich kein bekloppteres Datum aussuchen konnte als den 01. Januar! Grundfarbe grau, Nuancen grau, Konturen grau. An halbwegs vernünftige Bilder zur Dokumentation war daher bereits im Vorfeld nicht zu denken. Dennoch ging es auf die "Hausrunde" und mit allen technischen Hilfsmitteln bestückt wurde losgegangen. Erfreulicherweise stiegen wir aus dem Auto aus und wir konnten gleich über uns Rufe von ziehenden Gänsen vernehmen. Zu sehen war in der niedrigen Wolkendecke vorerst nix, dennoch war ich bei der Bestimmung sicher und somit kommt die Kandagans als erste Art auf die Jahresliste - ziemlich ungewöhnlich...!

    Nach den ersten Schritten durch die Feldflur folgte bereits Ernüchterung. Keinerlei Greife in den Bäumen, keine Drosseln in den Feldgehölzen und auch sonst absolut kein Vogel unterwegs. Auch auf den Feldern und Äckern - nix, niente, nada. Das hatte ich in der Vergangenheit - zumindest bewusst - noch nicht wahrgenommen. Nach weiteren trostlosen 15 Minuten kamen wir zum ersten "Highlight": kleines Wäldchen, Apfelbaumreihe, Bauernhof und Bächlein. Jetzt "rummste" es auf der Jahresliste. Mindestens 10 Feldsperlinge wuselten am Bauernhof, gefolgt von einem quirligen Zaunkönig und 2 - 3 Rabenkrähen die auf der Hoffläche nach Nahrung suchten. Die Apfelbäume waren teilweise noch mit Früchten behangen und so konnten 5 sich munter streitende Amseln beobachtet werden. Es hingen ja nur gut 50 Äpfel in den Bäumen und gut 100 lagen darunter - das kann für 5 Amseln knapp werden... :whistling:

    Die Verwandschaft der Amseln - ein Trupp Wacholderdrosseln - kümmerte sich ein paar Bäume weiter vollkommen friedfertig um die Fruchtvertilgung. So geht es auch. Zwei durchziehende Mäusebussarde brachten den Drosseltrupp zum Auffliegen und speziell die Wacholderdrosseln zum ausgiebigen Gemecker. Jemand anderes störte sich an der plötzlich aufgetretenen Unruhe überhaupt nicht und "schnickerte" fröhlich weiter: ein Rotkehlchen. Abgelenkt durch ein kurzes, aber energisches: "mir wird kalt" meiner Frau zogen wir weiter. Gesehen hatte ich unser "Robin" leider nicht, aber zu 100% gehört und damit kam es auf die Liste. Während der nächsten Schritte kamen noch drei verspielte Elstern um den Schweinestall geflogen, die vermutlich Fangen gespielt haben. Völlig mit sich selbst beschäftigt flogen sie uns fast vor die Nase um dann in einer großen Buche Pause zu machen und unter lautem Schackern sich wieder auf die Fluchtdistanz zu besinnen.


    Die Umgebung des Bauernhofes war auch gleichzeitig die ergiebigste Stelle von Arten. In Anbetracht des fortschreitenden Erfrierungsgrades meiner Frau musste eine weitere Suche an diesem Punkt kurzfristig abgesagt werden. :D Im weiteren Verlauf des Spaziergangs war es vogeltechnisch genau so öde wie vorher. Nichts wollte sich blicken oder hören lassen. Erst als wir im letzten Viertel den Wald passierten wurde es nochmal spannend und die ein oder andere Art kam auf die Liste. Im Vorfeld kann ich allerdings sagen, dass wir davon wesentlich mehr gehört als gesehen haben. Kurz vor dem Wäldchen begrüßte uns der Alarmruf des Grünspecht, den ich trotz intensiver Suche nicht finden konnte. Es blieb auch bei der einmaligen Lautäusserung und ich vermute, dass er in den Wald abgestrichen ist noch bevor ich den Ruf gehört habe. Im Augenwinkel war als nächstes eine Goldammer, die wir ohne ihren Ruf sicher nicht entdeckt hätten. Der Waldrand war somit eine interessante Stelle und unter "stillem Protest" meiner Frau schaute und hörte ich nach weiteren Arten. Ein paar Schritte weiter wuselten endlich Meisen im Geäst. Die hätte ich schon viel früher erwartet. Ein Trupp Kohlmeisen und Blaumeisen suchte nach Spinnen und kleinen Kerbtieren. Nächstes Highlight war ein rufender Gartenbaumläufer aus den Lärchen. Gesehen habe ich ihn ebenso wenig wie den überfliegenden Kolkraben. Beide sind jedoch an ihren Rufen zweifelsfrei erkennbar und somit weitere Arten meiner "Big Year" Liste. Kurz vor dem Parkplatz wo unser Auto stand waren noch zwei Turmfalken im gebührenden Abstand in den Bäumen am Straßenrand.
    Auf dem kurzen Weg nach Hause stocherte noch ein Silberreiher in der Wiese auf der Suche nach fressbarem. Sie sind mittlerweile in den Wintermonaten bei uns keine Seltenheit mehr und teilweise sind Trupps bis zu 10 Individuen völlig normal. Auf die Chance darunter einen Seidenreiher zu entdecken warte ich noch.


    Zu Hause angekommen war die Stimmung zweigeteilt. Zum einen freute ich mich draussen gewesen zu sein, was in meinem Beruf leider viel zu selten vorkommt und in dieser Jahreszeit meist auf das WE beschränkt ist, und zum anderen war die Artenanzahl und das Wetter doch ziemlich mies. Hoffnungsvoll wendete ich mich daher in unserem Garten dem Vogelhaus zu und hoffte noch die ein oder andere Art für die Liste dazu zu bekommen.

    Doch was soll noch lange rumgeschrieben werden: NIX - keine weitere Art ließ sich blicken. Wir haben sonst fast täglich, Buchfinken, Grünfinken, Tannenmeise, Eichelhäher, Kleiber, Haussperling und seltener Heckenbraunelle, Gimpel und Haubenmeise. Im letzten Jahr zusätzlich noch Kernbeisser und Bergfink. Der Sperber fliegt praktisch täglich durch die Gärten und holt sich seinen Anteil. Stieglitze suchen die stehengebliebenen Sonnenblumen nach fressbarem ab. Alles Fehlanzeige.


    Mal gespannt, wie es die kommenden Tage weitergeht. Bis Dienstag ist noch Urlaub angesagt und ich hoffe mal, dass das Wetter besser wird und der Blog auch mit Fotos und vielen weiteren Arten "gefüttert" werden kann. Insgesamt beginnt der Start mit 17 Arten - unter dem Durchschnitt. Was habt ihr alles am ersten Tag des Jahres gesehen und gehört?


    Jahresliste 2021: 17 (Kanadagans, Feldsperling, Zaunkönig, Rabenkrähe, Amsel, Wacholderdrossel, Mäusebussard, Rotkehlchen, Elster, Grünspecht, Goldammer, Kohl-, Blaumeise, Gartenbaumläufer, Kolkrabe, Turmfalke, Silberreiher)
    LG, Oliver

    407 mal gelesen

Kommentare 7

  • Sabine Flechtmann -

    Hallo, Oliver, ich finde es schade, dass du diesen ausführlich getexteten Faden in der Rubrik Blog erstellst. Einige Forumer haben Dauerfäden, die blogähnlich mit immer neuen Beiträgen aufgefüllt werden. Diese erhalten erheblich mehr Aufmerksamkeit als Blogartikel. Schöne Grüße Sabine

    • dotterel -

      Hallo Sabine, danke für deine Worte. Ja das habe ich bemerkt. Ich werde den Blog als "Dauerfaden" umsetzen und in den nächsten Tagen posten, bzw. "rüberkopieren". Auch ist das Wetter hier in Ostwestfalen seit einer Ewigkeit nur dunkel und grau, so dass ich erst weiterschreibe wenn auch Bilder das ganze veranschaulichen...

  • Kasimir -

    Hallo Oliver, deinen interessanten Blog habe ich eben erst gefunden! Mein erster Vogel hier in Andalusien war - wenn ich nach den gemachten Fotos gehe - ein Zilpzalp. Am 1. Januar hatte ich auch ein Highlight mit endlich einem guten Foto vom Wiedehopf und dem Trauersteinschmätzer.
    Ich habe mir für dieses Jahr auch ein Ziel gesetzt, ich will täglich mindestens ein "Viech" fotografieren. Das stelle ich bei iNaturalist ein, wo das dann als "streak" nachvollzogen werden kann. Bis jetzt (21. Januar) habe ich es geschafft und immerhin schon 32 Vogelarten fotografiert. Ende des Monats gibt's eine Übersicht.

    • dotterel -

      Hallo und vielen Dank für deine Anmerkung! Da bin ich schon gespannt wie viele Arten Du erwischt hast. Bei uns ist es leider nur grau mit Schnee oder Schneerege oder einfach nur Regen... :(
      Wie unter Sabine`s Kommentar geschrieben mache ich weiter sobald auch Bilder den "Fred" füllen können, allerdings im normalen Bereich. Zur Zeit ist an Fotos leider nicht zu denken.

    • Kasimir -

      Hallo Oliver, ich wollte mal hören, wie es deinem Projekt geht - oder ist das wegen Startschwierigkeiten schon aufgegeben? Wäre schade. Irgendwas Berichtenswertes solltest du mittlerweile ja auch gefunden haben.
      LG
      Susanne

  • maischo -

    Hallo,

    schöne Idee von Dir, uns zum "mitmachen" zu animieren.

    Meine ersten fotografierten Vögel in diesem Jahr, waren am Neujahrstag die Lachmöwen, Gänsesäger und Haubentaucher sowie Blesshühner am Reuschenberger See in Neuss. Ach ja, durch die Foris habe ich erfahren, dass sich zu den Gänsesägern auch eine Schellente gesellt hatte. Natürlich waren auch viele Raben und Meisen unterwegs. Am Ufer des Sees sah ich dann auch kurz einen Eisvogel über das Wasser flitzen.
    Auf der Fahrt zu einem weiteren Ausflugsziel an Neujahr entdeckte ich seitlich der Landstraße noch einen Mäusebussard und einen Turmfalken.
    Am Ziel angekommen (Erftmündung in den Rhein in Neuss), sichtete ich dann noch einen weiteren Eisvogel, der sich fotogen für mich in Szene setzte.
    Wenn ich mich jetzt nicht verzählt habe, kam ich also am Neujahrstag auf 10 Vogelarten.

    • maischo -

      Ach ja, Alexandersittiche saßen am Reuschenberger See auch in den Bäumen und auch 1 Rotkehlchen habe ich entdecken können, also somit 12 Vogelarten am Neujahrstag!